Neue Akzente bei der Digitalisierung des Gesundheitswesen

Warum eHealth am Scheideweg steht

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Wilfried Bernhardt / Manfred Klein

Überdies ist der Zugriff des Patienten auf seine Daten im Wege der „Zwei-Karten-Lösung“ technisch kompliziert und daher teuer. Die Lösung steht auch einem mobilen Zugriff auf die Akte via Smartphone und App entgegen. Eine niederschwellige Anwendung des autorisierten Zugriffs und der sicheren mobilen Übermittlung könnte jedoch für mehr Akzeptanz der eHealth-Informationen und -Angebote sorgen. Auch deshalb ist es ratsam, in der neuen Legislaturperiode das Zwei-Karten- Erfordernis aufzugeben.

Langfristig könnte man den Personalausweis zur Abfrage und Aktualisierung des Versichertenstatus und als Zugangsschlüssel des Patienten für den Zugriff auf medizinische Daten vorsehen. Solche Ideen sind nicht neu, wurden aber im Hinblick auf Datenschutzrisiken zurückgestellt. Zu bedenken ist jedoch, dass die parallele Nutzung verschiedener Identifizierungskarten die Datenschutzrisiken nicht zwangsläufig verringert.

Derzeit profitieren nur die Krankenkassen von der eGK, da der bald freigeschaltete Versicherten-Stammdatendienst ihre Verwaltung vereinfacht. Bleibt es aber bei dieser eingeschränkten Funktion, dann schwindet schnell der letzte Rest an Akzeptanz für das Gesundheitskartenmanagement und Milliarden Euro wären unwiederbringlich verloren. Die Kluft zwischen Aufwand und Nutzen würde bei einem über viele Jahre dauernden Einführungsprozess besonders sichtbar werden.

Daher sollte die neue Bundesregierung auf eine schnelle Ausweitung der eGK-Nutzungsmöglichkeit für den Patienten und auch eine baldige Einbindung privater Versicherungen drängen. Diese sind bekanntlich nicht direkt durch das eHealth-Gesetz verpflichtet, aber berechtigt, sich mit eigenen Karten anzuschließen. Bisher warten die privaten Krankenkassen bei der Ausgabe eigener Karten noch ab, weil sie Fehlinvestitionen im Falle eines Scheiterns der eGK befürchten.

Kommunikation vereinfachen

In Diskussionen über eine Vereinfachung des eHealth-Systems wird oft gefordert, das Erfordernis des Einsatzes der qualifizierten elektronischen Signatur (qeS) in der elektronischen Kommunikation zwischen Versicherten und Krankenkassen zu überprüfen. Dennoch sollte man nicht vorschnell das Instrument der qeS aufgeben. Die Textform im Sinne einer schlichten, zumeist offenen und unsicheren eMail ist kein geeignetes Äquivalent für eine gewünschte sichere und vertrauliche Kommunikation über sensible Daten.

Die Umsetzung der EU-Verordnung vom 23. Juli 2014 über elektronische Identifizierung für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt (eIDAS-Verordnung) wird die Nutzung der qeS erheblich vereinfachen, denn sie lässt eine Fernsignatur zu und verzichtet auf das Erfordernis einer Smartcard. Um ein eHealth-System in Schwung zu bringen, bedarf es intensiver Informationskampagnen für die Versicherten, aber auch für die Ärzte. Insbesondere die eHealth-Kompetenz bei den Bürgern ist zu stärken, um eine digitale Kluft zwischen gut und schlecht informierten Patienten zu vermeiden.

Vernetzung der Träger des Gesundheitswesens

eHealth meint aber nicht nur die Kommunikation mit den Angehörigen der Heilberufe. Wünschenswert ist eine Vernetzung der verschiedenen Beteiligten am Gesundheitswesen, zum Beispiel der Pflegeberufe und -Einrichtungen, der gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich möglichst einfach auffindbare Informationen der verschiedenen vernetzten Träger des Gesundheitswesens, um nicht nur Wissenswertes über Krankheiten, ihre Symptome und Diagnosen, sondern auch über Therapien, Vorsorgemaßahmen, Ernährung und Fitness oder Leistungsangebote der Versicherungen abrufen können.

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Wie beim E-Government wird eine Karte in den Vordergrund gestellt anstatt der Prozesse. Wie beim...  lesen
posted am 29.11.2017 um 07:44 von woksoll

Endlich ein der Bedeutung des Themas angemessen fundierter Artikel, auch wenn die Überschrift...  lesen
posted am 24.11.2017 um 14:12 von Unregistriert

Die Einführung ist jedoch nach wie vor ungewiss Falsch. Erste Produktkette (CGM) ist zugelassen....  lesen
posted am 23.11.2017 um 09:15 von Unregistriert


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