eGovernment Awards 2021 Warum die Digitalisierung einfach sein muss

Autor / Redakteur: Dr. Markus Richter / Manfred Klein

Der Schirmherr der eGovernment Awards, der Bundes-CIO und Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, Staatsekretär­ Dr. Markus Richter, formuliert in seinem ­Grußwort an die Preisträger 10 Gründe, weshalb die Digitalisierung in der Verwaltung ­alternativlos ist.

Firmen zum Thema

Schirmherr Bundes-CIO Markus Richter nennt 10 einfache Gründe für e Government
Schirmherr Bundes-CIO Markus Richter nennt 10 einfache Gründe für e Government
(© BMI)

Die Digitalisierung der deutschen Verwaltung ist innerhalb unserer föderalen Strukturen eine besonders komplexe und herausfordernde Aufgabe. Bund, Länder und Kommunen – alle müssen für den gemeinsamen Erfolg zusammenarbeiten und sich intensiv abstimmen. Gerade deshalb brauchen wir maximale Einfachheit bei der operativen Umsetzung. Folgende zehn Gedanken möchte ich mit Ihnen teilen:

  • 1. Einfach benutzen: Wenn wir wollen, dass die digitalen Anwendungen später auch genutzt werden, müssen sie vor allem eins sein: intuitiv und einfach zu bedienen. Nutzerfreundlichkeit hat deshalb bei der OZG-Umsetzung eine besonders hohe Priorität. Wir beteiligen Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft als Power-User der Verwaltung weiterhin bei der Entwicklung von Leistungen in dezentralen Digitallaboren.
  • 2. Einfach formulieren: Zur Nutzerfreundlichkeit gehört auch eine klare und verständliche Sprache. Also weniger „Beamtendeutsch“, weniger Fremdwörter und keine akademischen Diskurse. Wir müssen bei der Entwicklung der Online-Angebote immer alle Menschen im Blick behalten: jüngere und ältere, Menschen mit Behinderung oder Bildungsbenachteiligte. Lassen Sie uns also die Digitalisierung zum Anlass nehmen, Formulare leichter verständlich und so barrierefrei wie möglich zu machen.
  • 3. Einfach günstiger: Eine digital zugängliche Verwaltung ist ein zunehmend wichtiger Standortfaktor. Entlasten wir Unternehmen von unnötig viel Bürokratie und beschleunigen wir alle Verwaltungsvorgänge. Schon bei der Programmierung sind einfach strukturierte Systeme, die auf offene Standards und Schnittstellen aufbauen, den komplexen vorzuziehen. Komplex heißt häufig: rare Spezialisten, langwierige Prozesse und alles wird teurer.
  • 4. Einfach nachnutzen: Man soll das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Bei der OZG-Umsetzung setzen wir daher gezielt auf die Nachnutzung bereits etablierter Lösungen. Das heißt auch: Offen sein für die Angebote anderer und eigene, lieb gewonnene Insellösungen aufgeben!
  • 5. Einfach sicher: Digitalisierung lebt vom Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer. Ich setzte mich daher auch für standardisierte Lösungen bei der IT-Sicherheit ein, um die sichere Nutzung zu erleichtern. Dafür arbeiten wir zum Beispiel an einem einheitlichen IT-Sicherheitskennzeichen für sichere IT-Produkte.
  • 6. Einfach ausprobieren: Wir müssen wegkommen vom Perfektionismus, wenn er uns davon abhält, das Wesentliche zu erreichen. Erinnern wir uns an das Paretoprinzip! Danach werden 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Aufwands erreicht. Trauen wir uns, nicht perfekt zu sein, aber dafür Ergebnisse auf die Straße zu bringen! Dafür brauchen wir eine neue Kultur des Umgangs mit Fehlern und Unzulänglichkeiten in der Verwaltung.
  • 7. Einfach schneller: Damit im Zusammenhang steht die Notwendigkeit, schneller zu werden bei der Umsetzung der Digitalisierung. Denn der technologische Wandel vollzieht sich mit rasender Geschwindigkeit – der Standard von heute ist morgen schon überholt. Nur wenn wir schneller werden, können wir Schritt halten. Work in Progress und Prototyping lauten die entscheidenden Begriffe.
  • 8. Einfach vernetzen: Wir wollen nicht alle Anwendungen selbst administrieren oder alle Inhalte kontrollieren müssen. Aber wir wollen eine zentrale Plattform bieten. Dafür müssen alle Zugänge maximal kompatibel sein. Auch hier gilt: Der einfachste Stecker bietet die meisten Anschlussmöglichkeiten und verursacht die wenigsten Probleme. Darauf aufbauend können andere raffinierte Lösungen entwickeln, für die sie selbst verantwortlich sind.
  • 9. Einfach „Nein“ sagen: Die Fehlerkultur habe ich erwähnt. Aber die Digitalisierung fordert uns noch mehr ab: den Mut, „Nein“ zu sagen. Bei jedem größeren Projekt kommen nach und nach Sonderwünsche von allen Seiten, Spezialbedürfnisse und alte Erbhöfe, die Berücksichtigung verlangen. Ich bin überzeugt, es ist ein Zugewinn Nein zu dem zu sagen, was die Einfachheit gefährdet. Und wenn sich ein Projekt in der Sackgasse befindet, können wir auch mal die Reißleine ziehen.
  • 10. Einfach machen: Das beste Konzept ist wertlos, wenn es nicht umgesetzt wird. Bürger und Unternehmen erwarten zurecht von uns, dass die digitale Verwaltung endlich Teil des Alltags wird. Deshalb ist mein abschließender Appell: Lassen Sie uns die Digitalisierung Deutschlands einfach machen!

All das geht nur zusammen mit einer leistungsstarken IT-Wirtschaft, die passgenaue und sichere Software für den öffentlichen Sektor entwickelt. Mir ist wichtig, dass die Verwaltung digital souverän ist und aus einem vielfältigen IT-Angebot – selbstbestimmt und unabhängig – die besten Lösungen auswählen kann. Deshalb setze ich mich für innovationsfreundliche Technik mit offenen und standardisierten Schnittstellen in Deutschland und auf EU-Ebene ein.

Und deshalb bin ich sehr gerne Schirmherr der eGovernment Awards. Hier werden jedes Jahr herausragende IT-Innovationen ausgezeichnet.

Ich wünsche allen Nominierten viel Erfolg! Wir brauchen Ihre innovativen Lösungen für die Verwaltung von morgen und für einen starken IT-Standort Deutschland.

(ID:47619848)