eIDAS-Verordnung wird für Behörden relevant

Warten oder starten?

| Autor / Redakteur: Christoph Sutter und Clemens Wanko / Manfred Klein

Ein Schlupfloch für eIDAS-Skeptiker?

Derzeit findet im Behördenumfeld eine Diskussion statt, die auf eine Ausnahme von eIDAS fokussiert: so genannte „Closed User Groups“. eIDAS spricht von „geschlossenen Systemen aufgrund nationalen Rechts oder Vereinbarungen“. Wenn diese zum Beispiel nur in Deutschland agieren und Systeme betreiben, die nur in Deutschland zur Anwendung kommen, greift eIDAS nicht.

Ein Beispiel ist etwa die Anmeldung von Unternehmen im deutschen Handelsregister mittels qualifizierter Signaturen durch Notare. Handelt es sich hier um eine „Closed User Group“, die keinerlei Schnittmengen mit anderen Ländern aufweist und deshalb ­eIDAS hier nicht zur Anwendung kommt?

Unsicherheiten bleiben. Denn in manchen Fällen dürften am Ende Gerichte entscheiden, wer sich wirklich als „Closed User Group“ bezeichnen darf und wer nicht. Hinzu kommt: Die Behörden, die diesen Weg gehen, kapseln sich von europäischen Standards sowie der allgemeinen technologischen Entwicklung ab und schaffen dadurch Insellösungen, die es ihnen mittel- und langfristig schwierig bis unmöglich machen, nachhaltige technologische und wirtschaftliche Lösungen zu erzielen.

„Closed User Groups“ können höchstens ein Mittel sein, um sich kurzfristig Luft zu verschaffen, wenn Zeit- und Projektpläne von Umstellungsvorhaben anders nicht mehr zu halten sind. Mehr als eine aufschiebende Wirkung sollten sie jedoch nicht haben.

Bei der Umstellung auf eIDAS aufseiten der Verwaltung können und sollten die Behörden auch die Service-Anbieter mit in die Pflicht nehmen, da bei diesen das eIDAS-Know-how und die Erfahrung mit diesem Thema am größten sein werden. Bei der Auswahl und bei eventuellen Neuverhandlungen mit oder gar Neuausschreibungen von Vertrauensdienstleistern sollte deshalb eine Anforderung zum Kernbestand gehören: Inwiefern ist der jeweilige Dienstleister in der Lage, die ausschreibende beziehungsweise beauftragende Behörde bei der technologischen und organisatorischen Umstellung auf ­eIDAS-Anwendungen und -Konformität zu unterstützen?

Zumindest mittelfristig dürften dies vor allem bereits unter dem Signaturgesetz akkreditierte Vertrauensdiensteanbieter gewährleisten, da sie bereits entsprechende Lernkurven durchlaufen haben. Neue Anbieter, die im Zuge von ­eIDAS erst auf den Markt vordringen, müssen sich zunächst zertifizieren lassen, um den gesetzlich geforderten Level zu erreichen. Vom Start bis zur Betriebsbereitschaft inklusive der dazu notwendigen Zertifizierungen benötigt es in der Regel rund ein Jahr.

Auch da die Zertifizierungen der Vertrauensdiensteanbieter nach eIDAS einige Zeit in Anspruch nehmen, sind Behörden gut beraten, sich frühzeitig darüber zu informieren, welche ihrer Anwendungen betroffen sein könnten, wo eventuell eine Ablösung durch neue Services sinnvoll und wirtschaftlich ist und inwiefern völlig neue, zusätzliche Anwendungen und Funktionen die Behördenprozesse beschleunigen und verbessern könnten. Vor allem aber ist sicherzustellen, dass Vertrauensdiensteanbieter auch auf jeden Fall von einem der bei der DAkkS akkreditierten Zertifizierer überprüft und zertifiziert wurden. Denn nur dann ist die notwendige Rechtsverbindlichkeit gewährleistet. Eventuell andere Zertifikate nicht akkreditierter Stellen mögen zwar auch Aussagekraft haben, sind aber im Zweifelsfall nicht belastbar.

Am Vorabend des Starts

eIDAS-Verordnung

Am Vorabend des Starts

14.06.16 - Der eigentliche Auftrag an die EU-Kommission lautete, die Signaturrichtlinie von 1999 zu überarbeiten. Als Ergebnis wurde 2012 allerdings ein sehr viel weiter reichender Vorschlag vorgestellt. Aufgrund drastisch gestiegener Anforderungen präsentierte die Kommission eine Verordnung über die elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen – die eIDAS-Verordnung. lesen

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Das ist aber eine lustige technozentrierte Sichtweise. Seit zwei Jahrzehnten basteln wir mit...  lesen
posted am 11.06.2016 um 17:56 von woksoll


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