Cyberangriff via Solarwinds-Software Waren deutsche Behörden vom Hackerangriff betroffen?

Autor: Susanne Ehneß

Inwieweit der Hackerangriff auf US-Ministerien Auswirkungen auf deutsche Unternehmen und Behörden hat, wurde im Ausschuss „Digitale Agenda“ diskutiert.

Firmen zum Thema

Auch deutsche Behörden nutzen die Solarwinds-Software, z. B. der zentrale IT-Dienstleister des Bundes
Auch deutsche Behörden nutzen die Solarwinds-Software, z. B. der zentrale IT-Dienstleister des Bundes
(© Cla78 - stock.adobe.com)

Der im vergangenen Dezember bekannt gewordene Hackerangriff auf US-amerikanische Behörden – nach US-Medienberichten waren unter anderem das Finanz-, Handels- und Energieministerium betroffen – ist noch immer nicht gänzlich aufgeklärt. Und auch die Politik hierzulande befasst sich mit den Angreifern, die sich über die Software „Orion“ des Security-Anbieters Solarwinds Zugang zu den IT-Systemen verschafften. Der Ausschuss „Digitale Agenda“ hat in seiner 69. Sitzung mit Vertretern von Bundesinnenministerium (BMI) und Bundesamt für Sicherheit (BSI) in der Informationstechnik darüber diskutiert.

18.000 Kunden weltweit betroffen

Im Hinblick auf die Art und Weise des Hacks auf die Netzwerkmanagement-Software von Solarwinds sprachen BMI und BSI von einem „bemerkenswerten Angriff und einer raffinierten Vorgehensweise“ mittels tiefer Eingriffe in die Programmiersysteme. Laut Solarwinds seien rund 18.000 Kunden weltweit betroffen, das Unternehmen beliefert auch in Deutschland Behörden und Unternehmen.

Der BMI-Vertreter sagte, die Betroffenheit im Hinblick auf das Angriffsgeschehen sei im Vergleich zu den USA begrenzt, da nach Kenntnis des BMI kein Datenabfluss von deutschen Unternehmen und Behörden stattgefunden habe.

Was die Angreifer in den betroffenen Netzen gemacht haben, dazu lägen keine Erkenntnisse vor, sagte der Vertreter vom BSI. Eine der in Deutschland betroffenen Behörden habe Strafanzeige gestellt, das Bundeskriminalamt ermittle. Die Frage, ob es Hinweise auf eine Verbindung zum Angriff auf die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) gebe, verneinte er.

Er erläuterte den Abgeordneten weiter, dass die Supply-Chain-Attacke erst durch das amerikanische IT-Sicherheitsunternehmen FireEye aufgedeckt wurde, das ebenfalls von dem Hack betroffen war. Die erste Vermutung, dass der Solarwinds zugehörige Update-Server manipuliert wurde, habe sich im Lauf der Analyse als falsch herausgestellt.

BSI hat deutsche Behörden gewarnt

Das BSI habe Behörden und Unternehmen in Deutschland umfassend gewarnt, habe aber keinen Überblick darüber, wer die Solarwinds-Software einsetze – man wisse von etwa 30 bis 40 Organisationen in Deutschland, darunter der zentrale IT-Dienstleister der Bundesregierung, das ITZ Bund. Dieser setze jedoch kein Produkt aus der „Orion“-Reihe ein, sagte der BSI-Vertreter. Analysen, nachdem die Angreifer-Truppe Ähnlichkeiten zur vorherigen Hacks aus Russland aufweise, könne das BSI derzeit nicht bestätigen.

(ID:47080100)