Suchen

eGovernment über den Wolken Vorerst sind nur interne Clouds für die Öffentliche Verwaltung ein Thema

| Autor / Redakteur: Hadi Stiel / Gerald Viola

Cloud Computing wird von den Anbietern heftig beworben. Der Marktanalyst IDC (International Data Corporation) spricht vom Cloud Computing als nächster Generation der IT-Service-Bereitstellung. Es soll Unternehmen in die Lage versetzen, der Wolke, respektive den Dienstleistern, die dahinter stehen, die IT-Innovationen und IT-Leistungen zu überlassen.

Firma zum Thema

Uwe Scariot, Geschäftsbereichsleiter bei Materna: „Einige Anbieter versprechen, was sie nicht halten können“
Uwe Scariot, Geschäftsbereichsleiter bei Materna: „Einige Anbieter versprechen, was sie nicht halten können“
( Archiv: Vogel Business Media )

Der Kunde, so IDC, müsse dafür im Vergleich zur selbstbetriebenen IT deutlich weniger bezahlen, lediglich das Maß der gewünschten Service-Belieferung kundtun. Bei allen Vorschusslorbeeren für Cloud Computing: „Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg“, sagt Uwe Scariot, Geschäftsbereichsleiter bei Materna.

Das gelte besonders für die Öffentliche Verwaltung mit ihren spezifischen Applikationen und Datenbeständen. eGovernment Computing hat sich mit Uwe Scariot über den Status quo und die weiteren Perspektiven des Cloud Computing für den Öffentlichen Dienst unterhalten.

Die Wolke 7, die mit ihren Rechenleistungen alles viel besser und kostengünstiger absolviert als Behörden-Rechenzentren: Ist das nicht heute ein Hype ohne jegliche Bodenhaftung?

Scariot: Zum jetzigen Stand der Technik ja. Einige Anbieter versprechen viel, von dem sie das meiste nicht halten können. Das gilt besonders für die öffentliche Cloud, also die Anmietung von Rechenleistungen aus dem Internet heraus. In diesem Fall sind die Schwächen dieser Offerte einfach zu viele und zu groß.

Was sind das für Schwächen?

Scariot: Sie sind einerseits in der Systematik des Cloud Computing, andererseits im Internet begründet. Dazu kommen die Schwächen gegenüber den meist spezifischen Applikationen und Datenbeständen, die im Public Sector eingesetzt werden. So basiert Cloud Computing auf IT-Virtualisierung. Daten und Applikationen werden innerhalb der Wolke irgendwo prozessiert, eventuell sogar zwischen unterschiedlichen Dienstleistern.

Dieses „Irgendwo“ passt weder ins Konzept der Unternehmen noch der Behörden. Sie wollen wissen, wo genau ihre Daten residieren und wo genau sie verarbeitet werden. Nur unter dieser Voraussetzung können die Entscheider überhaupt beurteilen, ob die Dienstleister innerhalb der Wolke alle notwendigen Voraussetzungen für Hochverfügbarkeit, Sicherheit, Datenschutz und die Erfüllung rechtlicher Vorschriften getroffen haben. Es versteht sich von selbst, dass alle vier Voraussetzungen für eGovernment unbedingt eingehalten werden müssen.

... und die Schwächen des Internet?

Scariot: Hier sind die Verbindungsbandbreiten für umfassende Cloud-Computing-Szenarien viel zu knapp bemessen. Außerdem ist das öffentliche Internet, Stand: heute, ohne Quality-of-Services (QoS) für IT-Leistungen in Echtzeit untauglich. Dazu kommt, dass im Telekommunikationsbereich Standards und damit genormte Bausteine und Schnittstellen für eine durchgängige Kommunikation und eine Wolke, die Provider-übergreifend funktioniert, fehlen.

An solchen standardisierten Bausteinen und Schnittstellen fehlt es auch gegenüber der eingesetzten IT, auf die die Kunden zurückgreifen wollen. Die öffentliche Wolke ist heute viel zu integrationsschwach, um die intern erforderlichen Applikationen und Datenbeständen zur Herausbildung von Prozessketten einzubinden. Limitierte Frameworks mit nur wenigen spezifischen Applikations- und Datenadaptern greifen dafür zu kurz. Das gilt besonders für den Öffentlichen Dienst mit seinen vielen spezifischen Verwaltungsapplikationen und -datenbeständen.

IT-Innovationen und IT-Leistungen auf Abruf und nach Bedarf, das klingt gut. Brauchen die Behörden diese hohe Flexibilität überhaupt?

(ID:2042691)