Interview

„Von Management kann keine Rede sein“

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Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) hat bekanntgegeben, dass sich die endgültige Einführung des Digitalfunks bis 2012 verzögern wird. Als Grund gab die Behörde Probleme bei der Akquirierung von Standorten für weitere Sendemasten an. Was halten Sie von dieser Aussage und rechnen Sie mit weiteren Verzögerungen?

Wendt: Die Verantwortung hierfür liegt nicht bei der Bundesanstalt, sondern bei denjenigen, die in der Vergangenheit in den Ländern die Planung innehatten. Man muss es sich vorstellen: Nach mehr als zehn Jahren entdeckt man dort, dass die geplanten Standorte für Sendemasten nicht ausreichen. Denn der Grund für die Verschiebung sind bundesweit noch 4.000 fehlende Basisstationen. Das hätte alles längst erledigt sein müssen. Die Verzögerung ist mehr als ärgerlich und gefährdet sowohl die Leistungsfähigkeit der Sicherheitsorgane als auch deren eigene Sicherheit. Eigentlich könnte man nur noch lachen, aber wir sind auch verzweifelt. Die Polizei braucht den digitalen Funk dringend, für die Abhörsicherheit und die bessere Erreichbarkeit. Bund und Länder haben Jahre lang diskutiert, Zeit und Geld verplempert. Viele Versäumnisse muss die Bundesanstalt jetzt aufarbeiten. Es ist notwendig, dieses digitale Funknetz sorgfältig und technisch einwandfrei zu installieren, denn von einem zuverlässigen Funknetz kann das Leben von Einsatzkräften abhängen. Die Bundesanstalt für den Digitalfunk hat deshalb unsere volle Unterstützung.

Wenn das System denn endlich eingeführt worden ist, ist es vermutlich schon längst veraltet. Manche Kritiker behaupten sogar, es sei bereits jetzt veraltet. So hat Hessen die Ausschreibung für die Beschaffung der Endgeräte erst einmal ausgesetzt, um zu gewährleisten, dass in jedem Fall die neueste Generation an Endgeräten angeschafft werden kann. Wie beurteilen Sie die technischen Qualitäten des Systems?

Wendt: Die Ausschreibungen für die Endgeräte jetzt erst einmal zu stoppen ist ja richtig, denn es macht keinen Sinn, das Verfahren jetzt abzuwickeln, wenn erst in einigen Jahren das Netz vollständig steht. Die technischen Qualitäten des Netzes beurteilen wir sehr optimistisch, wir werden in Deutschland ein sehr leistungsstarkes Netz bekommen. Aber nur wenn die Länder auch die zusätzlichen Ausstattungsmerkmale beschaffen, werden wir als Polizei auch die Ansprüche erfüllen können, die an uns gestellt werden. Der reine Funkverkehr von Gerät zu Gerät reicht bei weitem nicht, wir brauchen Datenübertragungskapazitäten nicht nur für Abfragen, sondern auch für Fingerabdrücke, Bild- und Tonübertragungen.

Im Übrigen kann sich Deutschland im Moment auf europäischer Ebene mit Ländern wie Österreich, Schweden, Norwegen und Portugal vergleichen, die sich ebenfalls in der Aufbauphase landesweiter TETRA-Netze befinden.

Immerhin wird jedoch das deutsche BOS-Digitalfunknetz mit 500.000 Nutzerinnen und Nutzern das größte flächendeckende TETRA-Netz weltweit darstellen.

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