IT-Infrastruktur an Schulen

Von der Kreidezeit ins digitale Zeitalter

| Autor / Redakteur: Ralf Koenzen* / Susanne Ehneß

„Ein Blick ins wahre Leben offenbart das ganze Dilemma: Mangels eigenem Fachpersonal kümmern sich derzeit oft IT-interessierte Lehrer oder sogar der Hausmeister um das schulinterne WLAN“
„Ein Blick ins wahre Leben offenbart das ganze Dilemma: Mangels eigenem Fachpersonal kümmern sich derzeit oft IT-interessierte Lehrer oder sogar der Hausmeister um das schulinterne WLAN“ (© picsfive - stock.adobe.com)

Ab Januar 2019 sollen fünf Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in die IT-Ausstattung der Schulen fließen. Ralf Koenzen von LANCOM Systems erläutert die Barrieren und Chancen.

Ende Juli ließ Frankreichs Präsident Macron Smartphones vom Schulgelände verbannen. In der Folge gab es hitzige Diskussionen über ein generelles Handyverbot an Schulen. Immer wieder wurde die Frage gestellt: Passt dieser Schritt zu einem modernen Schulmodell in einem Zeitalter, in dem die Digitalisierung längst Alltag ist? Vermutlich nicht.

Allerdings gibt es im Hinblick auf die Digitalisierung an Schulen noch ganz andere Baustellen. So sind selbst wesentliche Grundsatzfragen bis heute in vielen Einrichtungen nicht geklärt. Etwa die nach der Umsetzung umfassender medienpädagogischer Konzepte, mit denen sich Lehrkräfte und Schüler den „neuen“ Medien gezielt ­annähern können. Und scheinbar ganz banale Fragen wie: Wer kümmert sich überhaupt um Installation, Pflege, Wartung?

Digitale Kompetenzen

Damit Schüler optimal gefördert und für die Zukunft vorbereitet werden können, muss die Schule ein Ort sein, an dem der Nachwuchs neben traditionellem Wissen und Können auch digitale Kompetenzen erwirbt. Der Umgang mit digitalen Medien will gelernt sein. Hier geht es nicht nur um technische Fähigkeiten, sondern vor allem auch um den richtigen Umgang mit Content, der durch die Informationsflut im Netz zu einer wahren Kunst geworden ist. Digitale Inhalte müssen gefiltert, ­Quellen überprüft sowie eigene Inhalte mediengerecht erstellt und aufbereitet werden.

Fest steht: je früher sich Schüler mit dem digitalen Umfeld vertraut machen, desto flexibler und sicherer sind sie auch im Umgang damit. Voraussetzung dafür ist eine zeitgemäße technische Infrastruktur. Zumal es heute in vielen Schulen selbst an der Basisausstattung fehlt. Funktionstüchtige Beamer und Computer sind vielerorts Mangelware; auch das WLAN ist oft auf einzelne Räume begrenzt, wenn überhaupt vorhanden.

Die ersten Barrieren fallen

Die jahrelange Austeritätspolitik hat im Bildungssektor Spuren hinterlassen. So ist für die meisten Länder in Deutschland eine Finanzspritze vom Bund erforderlich, um diese Defizite wieder auszugleichen. Diese Art der Förderung stößt auch bei denjenigen auf Zustimmung, die auf IT-kompetenten Nachwuchs angewiesen sind: in einer aktuellen Umfrage befürworten 82 Prozent der Unternehmensentscheider in Deutschland die Bereitstellung von Breitband-Internet und WLAN in Schulen, notfalls mit Bundesmitteln finanziert.

Im Weg stand hier allerdings bisher das sogenannte Kooperationsverbot, das im Grundgesetz verankert ist und die Bildungshoheit der Bundesländer sichern soll. Das Verbot hat jedoch auch finanzielle Folgen: So waren selbst dringend benötigte Finanzspritzen vom Bund bislang tabu.

Damit soll bald Schluss sein. Ende Oktober einigten sich die Länder bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Hamburg auf eine Lockerung des Kooperationsverbots, am 28. November stimmte der Bundestag der nötigen Grundgesetzänderung zu. Fehlt im letzten Schritt nur noch die Zustimmung der Länderkammer, die allerdings bis zuletzt auf wackeligen Beinen stand. So könnte nach langem Hin und Her nun endlich die Finanzierung stehen.

Der Digitalpakt Schule des Bundes umfasst 5 Milliarden Euro, die ab Januar 2019 in die IT-Ausstattung von Deutschlands Schulen fließen sollen – vorausgesetzt, die Grundgesetzänderung passiert den Bundesrat mit der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit. Dann stehen pro Schule im Schnitt rund 100.000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommen eigene Mittel, die Kommunen und Länder für die digitale Infrastruktur aufwenden. Fehlt noch ein konkreter Plan für die praktische Umsetzung.

Wie geht es weiter?

Eine der größten Herausforderungen beim Thema IT-Ausstattung und WLAN in Schulen stellt die Diskrepanz zwischen den Anforderungen an das Netz und den personellen Ressourcen dar. Mit schnell mehr als tausend Schülern und entsprechendem Lehrkörper steht die IT in vielen Schulen den komplexen Anforderungen in größeren Wirtschaftsunternehmen kaum nach.

Ein Blick ins wahre Leben offenbart das ganze Dilemma: Mangels eigenem Fachpersonal kümmern sich derzeit oft IT-interessierte Lehrer oder sogar der Hausmeister um das schulinterne WLAN. Die Betreuung einer professionellen, digitalen Infrastruktur sprengt allerdings deren zeitlichen Rahmen, und auch das nötige, immer komplexer werdende Expertenwissen ist eine Herausforderung.

Hier müssen die Träger, allen voran die Kommunen, ansetzen: Denkbar sind zentrale IT-Stellen in der Verwaltung, die sich von dort um die Netzwerke ihrer Schulen kümmern. Wichtig sind auch beispielhafte Erfolgsmodelle, an denen sich funktionierende Prozesse abschauen lassen. WLAN-Referenzinstallationen an ausgewählten Schulen können Bedenken abbauen und eine große Motivation sein.

Natürlich gibt es schon heute Schulen, die auf die professionelle Betreuung durch ein Systemhaus oder eigene Netzwerktechniker setzen. Das ist aber eher die Ausnahme, zumal selbst bei Integratoren mittlerweile die Admin-Ressourcen knapp werden und es dauern kann, bis im Fehlerfall endlich ein Techniker vor Ort ist.

Cloud statt Admin

Wirkliche Abhilfe schaffen könnte ein Ansatz, der derzeit in der Wirtschaft auf dem Vormarsch ist: Cloud-basierte Netzwerkmanagementlösungen und Software-defined Networking (SDN). Dieses Modell könnte nun auch den Schulen beim Sprung ins digitale Zeitalter weiterhelfen. So werden zwar die Geräte – also Access Points, Router, Switches und natürlich die nötige Verkabelung – direkt vor Ort in der Schule angebracht, Betreuung und Wartung erfolgen allerdings hoch automatisiert mit geringstem Aufwand aus der Ferne.

Der Autor: Ralf Koenzen
Der Autor: Ralf Koenzen (© Lancom/Paul Hiller)

Als „Schnittstelle“ zur Cloud sind IT-Dienstleister übrigens ebenso denkbar wie kommunale IT-Abteilungen oder Rechenzentren. Alle Konfigurationen werden mittels SDN automatisch berechnet, ausgerollt und bedarfsweise flexibel angepasst. Auch die Wartung des Netzes erfolgt auf diese Weise – inklusive der so wichtigen Sicherheitsupdates. Selbst anspruchsvollste Sicherheitskonzepte, die eine saubere Trennung von sensiblen Verwaltungsdaten und operativem Unterrichtsnetz oder die Nutzung von Web-Filtern umschließen, lassen sich mit minimalem Aufwand realisieren.

Fazit

Für eine erfolgreiche Digitalisierung an Schulen steht technologisch gesehen heute alles bereit: leistungsfähige, sichere WLAN-Technologien, zuverlässige Breitband-Router sowie Cloud-Lösungen, die die gesamte Netzwerkverwaltung bei Bedarf aus der Obhut der Schulen nehmen und zentral abbilden. Auch die passenden medienpädagogischen Konzepte liegen vielerorts schon in der Schublade. Wenn jetzt noch das Kooperationsverbot fällt und der Weg frei gemacht wird für eine Finanzierung der Infrastruktur, könnte das Netz aus der Cloud bald bundesweit Schule machen. Hoffen wir, dass die letzte Hürde genommen wird und der Bundesrat am 14. Dezember zustimmt.

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* Der Autor: Ralf Koenzen, Gründer und Geschäftsführer von LANCOM Systems

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In den Hochschulen haben wir seit den 1980er Jahren Internet-Anschlüsse, PC-Pools aus dem...  lesen
posted am 07.12.2018 um 15:22 von woksoll

Ach du lieber Gott, da hat aber jemand süße Träume. Es mangelt an Kompetenzen in allen Bereichen...  lesen
posted am 04.12.2018 um 09:28 von Owala

Gut geschrieben Herr Koenzen. Zu empfehlen ist aus Ressourcen- und Kompetenzengpässen heraus der...  lesen
posted am 03.12.2018 um 15:07 von Unregistriert


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