Wie aus Bürgerbeteiligung eine Bürgerselbstverwaltung wird

Vom bloßen Mitwirken zum politischen Macher der Bürgergesellschaft

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Heimatliebe im I­nternetzeitalter

Und Crowdfunding-Plattformen wie Startnext, Pling oder Seedmatch werden zusehends Bestandteil einer vernetzten Jugendkultur auf Facebook & Co. So wurde zum Beispiel ein Teil des Budgets des von Studenten der TU Ilmenau gedrehten Films „Die vierte Gewalt“ durch Crowdfunding auf Startnext-Plattform finanziert. Die Spender erhielten, je nach Höhe der Spende, entweder ein personalisiertes Dankeschön-Schreiben, einen kostenlosen Download des fertiggestellten Films, ein T-Shirt, eine DVD des Films oder eine Karte für die Premiere im Audimax der TU Ilmenau.

Städte und Gemeinden sollte sich dafür einsetzen, dass möglichst viele Freiräume durch Änderung gesetzlicher Rahmenbedingungen für derartige Aktivitäten geschaffen werden. Es müssten beispielsweise Barrieren abgebaut werden, wenn es darum geht, dass ein Initiator, der sein Kapital via Crowdfunding erhielt, Projekte wie den Bau einer öffentlichen Fußgängerbrücke, die Renovierung eines Denkmals oder andere gemeinnützigen Investitionen schnell und unbürokratisch umsetzen kann. Spinnt man den Faden weiter, so kann man die von den Bürgern geleistete Co-Produktion der Verwaltung auf eine ganz neue Ebene heben.

Sicher ist es erst einmal primär Aufgabe der Stadtverwaltung dafür zu sorgen, dass die Straßen keine Schlaglochpisten sind. Aber die Realität ist in vielen Städten und Gemeinden nun mal eine andere: Viele Kommunen sind überschuldet, Haushaltslöcher klaffen in den Büchern und die kommunale Selbstverwaltung steht auf der Kippe. Bürgerschaftliches Engagement, auch im Investitionsbereich, spielt eine immer wichtigere Rolle. Viele wollen nicht mehr einfach auf den Staat warten, wenn etwas im Argen liegt. Und die Verwaltung hat schon genug Probleme und finanzielle Belastungen. Immer mehr Bürger übernehmen selbst die Verantwortung und versuchen, Missstände in ihrem Einflussgebiet zu beseitigen.

Crowdfunding kann innerhalb dieses Trends in doppelter Hinsicht eine Art Katalysator sein: Einerseits werden so die Summen aufgebracht, die ein einzelner engagierter Bürger zu tragen nicht in der Lage wäre. Größere, kostenintensive Projekte können so in der Gemeinde und der Stadt verwirklicht werden.

Andererseits entsteht dadurch, dass sich mehr Menschen an einem Projekt beteiligen – sich deshalb auch mehr für dieses Projekt interessieren – eine viel höhere Sensibilität für die Missstände in der eigenen Kommune. Die beteiligten Unterstützer bekommen das Gefühl, etwas für das friedliche Zusammenleben in ihrer Gemeinschaft getan zu haben. Dieses Gefühl erzeugt Stolz und eine tiefere Verbindung der Menschen zu ihrer Heimat.

Kennedy sagte in seiner Amts­antrittsrede 1961 den berühmten Satz „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“

Das Web 2.0 wird dieser alten Forderung neuen Schwung verleihen. Der neue Trend des machenden, anstatt bloß mitwirkenden Bürgers wird also durch das Web 2.0 noch verstärkt und in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung gewinnen.

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