Wie aus Bürgerbeteiligung eine Bürgerselbstverwaltung wird

Vom bloßen Mitwirken zum politischen Macher der Bürgergesellschaft

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„Unser Dorf soll schöner werden“ – das war einmal

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis über die Hilfsprojekte hinaus auch andere Maßnahmen der Stadtentwicklung (etwa der Bau eines öffentlichen Parks oder die Renovierung einer Schule) auf einer solchen Plattform angegangen werden. Gerade vor dem Hintergrund der europäischen Währungskrise, die sich katastrophal auf die Lage der öffentlichen Haushalte auswirken könnte und damit Investitionen in die Infrastruktur noch weiter einschränken würde, ein hoffnungsvolles Zeichen.

Das Engagement der Bürger geht mit diesen neuen Möglichkeiten über frühere Wettbewerbe wie „Unser Dorf soll schöner werden“ weit hinaus. Gemeinsame Projekte der Bürger lassen Vertrauen entstehen und stärken die Gemeinschaft. Solche neuen Plattformen sind aber nicht auf die Bürger begrenzt. Auch Unternehmen werden sich beteiligen. Neben dem Bürger­engagement wird es künftig auch ein Unternehmensengagement geben. Für die Kommunalpolitik bedeutet dies ein riesiges Potenzial an „Fremd-Engagement“.

Hierdurch ergeben sich auch neue Chancen für Entrepreneure, die „Projektfirmen auf Zeit“ einrichten und führen könnten. Im Rahmen einer moderner Wirtschaftsförderung könnten Städte und Gemeinden gute Rahmenbedingungen für solches unternehmerisches Handeln schaffen, wie zum Beispiel Unterstützung von Communities oder die Bekanntmachung von Plattformen.

Parallel zu Crowdfunding gibt es seit einiger Zeit auch das Crowd­investing zur Finanzierung von Start-ups. Junge Unternehmen können so sich, ihre Vision, ihre Methoden, ihr Portfolio und ihre Strategie vorstellen. Kann der Entrepreneur überzeugen, so wird sein Start-up von verschiedenen Leuten unterstützt. Die Unterstützer erhalten je nach geleistetem Betrag eine Beteiligung am Unternehmen. Im Unterschied zum konventionellen Aktienhandel liegt das Augenmerk auf vielen kleinen Geldgebern – man spricht daher von einer Schwarmfinanzierung. Im Bereich Crowdinvesting rechnet der Crowdfunding-Monitor für das Jahr 2012 mit einem Investitionsvolumen von 4 bis 5 Millionen Euro.

Die Web-2.0-Technologien werden den Trend zum Selbermachen und der Akquise privater Unterstützer weiter vorantreiben. Ablesen lässt sich das auch an der wachsenden Bedeutung des Online-Fundraisings. Erhebungen in den USA belegen, dass jüngere Zielgruppen und Neuspender sich erfolgreicher via Internet ansprechen lassen.

Zudem nutzen solche Plattformen das Innovationspotenzial vieler Einzelner. Und auch das soziale Kapital der Gesellschaft oder einer Gemeinde wird dadurch aktiviert. Denn diese Fundraising-Plattformen sprechen ganz andere Zielgruppen an als die klassischen Spendenaktionen oder andere konventionelle Projekte, die auf die Realisierung verschiedener Vorhaben abzielen.

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