Uneingeschränkter Zugang zu eGovernment-Angeboten

Vollständig barrierefrei

| Autor / Redakteur: Olaf Drümmer / Susanne Ehneß

Tags

Die meisten dieser Anforderungen werden über zusätzliche, unsichtbare Markierungen in den PDF-Seitenbeschreibungen realisiert, die man als „Tags“ bezeichnet. Diese Marken statten PDF-Elemente mit Zusatzinformationen zu Inhalt, Position und Art des Elements aus, und binden alle Elemente in eine semantische Gesamtstruktur ein. So werden Überschriften definiert, Bildunterschriften und Navigationselemente. Grafiken und Bilder lassen sich mit einem „Alternativtext“ versehen.

Dies ist die Grundlage für ein zweckmäßiges Nutzen eines PDFs trotz Barrieren wie Blindheit, stark verringertes Sehvermögen oder Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit, die die Nutzung technischer Hilfsmittel erforderlich machen.

Screenreader

Screenreader sind darauf angewiesen, dass alle Inhalte in Textform vorliegen, um diese dann per Sprachsynthese vorlesen oder auf einer Braille-Zeile als Blindenschrift ausgeben zu können. Die Nutzung von Spezialmäusen, Sprachsteuerung und anderer Hilfsmittel für eine effektive Navigation und Interaktion mit Dokumenten erfordert den Zugriff auf die inhaltliche Struktur des Dokumentes in Gestalt der Tag-Struktur.

Dies gelingt durch das logische Verknüpfen der Tags, wodurch auch alle Inhaltsbestandteile einer semantischen Rolle zugeordnet sind. Diese können dann in eine logische Lesereihenfolge verbunden werden, ganz unabhängig davon, auf welcher Seite und an welcher Stelle sie platziert sind.

Diese Tags kann man mit Programmen wie „Adobe Acrobat“ nachträglich in bestehenden PDFs definieren – das ist allerdings ein äußerst mühsames und zeitintensives Unterfangen. Wesentlich effektiver ist es, entsprechende Vorarbeiten in Erstellungsprogrammen zu leisten – wie beispielsweise in „Microsoft Word“, „Powerpoint“ oder „Open Office“ und „Libre Office“ beziehungsweise für professionelle Publikationen in „Adobe Indesign“.

Sie bieten bereits die Möglichkeit, ein in bereits guter Qualität getaggtes PDF direkt aus der Anwendung heraus zu erstellen, auch wenn dieses in einigen Punkten noch nicht PDF/UA-Qualität erreicht. Ergänzende Werkzeuge unterstützen den Anwender dabei, die verbleibende Lücke zur PDF/UA-Konformität zu schließen.

Matterhorn-Protokoll

Wer einen unmittelbaren Eindruck bekommen möchte, wie beispielsweise blinde oder stark sehbehinderte Personen sich ein Dokument vorlesen lassen oder darin navigieren, lädt sich das kostenlose Bildschirmvorleseprogramm NVDA („Nonvisual Desktop Access“, auf deutsch etwa „Schreibtischzugang für Nicht-Sehende“) auf den Windows-Rechner. NVDA wird von zwei blinden Entwicklern in Australien programmiert und durch Spenden finanziert.

Ergänzendes zum Thema
 
Rechtliche Basis: BITV 2.0

Doch wie prüft ein Autor, ob die von ihm erstellten Dokumente auch wirklich den in PDF/UA hinterlegten Vorgaben entsprechen? Dazu ist seit 2013 das von der PDF Association in Abstimmung mit der ISO erarbeitete Matterhorn-Protokoll als verbindlicher Prüfkatalog für barrierefreie PDF-Dokumente und -Formulare verfügbar. Es besteht aus 31 Prüfabschnitten, die sich aus 136 einzelnen, präzise definierten Fehlerbedingungen zusammensetzen. Dies erleichtert Autoren die Erstellung und Überprüfung PDF/UA-konformer PDF-Dateien und -Formulare. Jeder Prüfabschnitt bildet einen speziellen Bereich der Konformitätsanforderungen ab, wie zum Beispiel „Festlegung der Textsprache“ oder „Metadaten“.

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Leider musste ich mir den Beitrag vorlesen lassen :(, weil ich nicht sehen kann.  lesen
posted am 09.04.2015 um 16:11 von Unregistriert


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