Statistisches Bundesamt: eGovernment-Interview zum Zensus 2011

Volkszählung 2.0 per IT, Open Data und Open Government

23.09.2010 | Redakteur: Gerald Viola

Zensus 2011, Open Data und Open Government beim Statistischen Bundesamt
Zensus 2011, Open Data und Open Government beim Statistischen Bundesamt

Wie bewerten Sie Open-Government-Ansätze – wie etwa in den USA? Chancen oder Risiken?

Weigl: Das von der US-Regierung initiierte „Open Government“-Projekt hat das Ziel, die Regierungsgeschäfte und staatlichen Verwaltungsaktivitäten für die Bevölkerung zu öffnen und damit einen direkten Kontakt zu den Bürgern herzustellen.

Dieser Ansatz ist bei uns auch unter dem Begriff der „Bürger-Partizipation“ bekannt, unter dem einige Kommunen in Deutschland wie Hamburg, Köln, Freiburg ihren Haushalt als „Bürgerhaushalt“ im Internet zur Diskussion stellen. Die Aufgaben von Destatis sind aber keine Verwaltungsaufgaben im eigentlichen Sinne. Destatis ist eine Fachbehörde und tritt als Informationsdienstleister in Erscheinung.

Für uns als Statistikbehörde ist eher die von „Open Government“ abgeleitete „Open Government Data“-Initiative relevant. Sie bedeutet: freier Zugang zu Regierungsdaten – in unserem Fall Statistikdaten – damit Bürger, Verwaltung und Wirtschaft besseren Nutzen aus den riesigen vorhandenen Datenmengen ziehen können. Der Initiative geht es um veröffentlichungsfähige Daten, die nicht dem Datenschutz unterliegen, also nicht um personenbezogene Daten.

Die von der Öffentlichen Hand finanzierten und erhobenen Daten sollen in einem zentralen Verzeichnis in menschen- und maschinenlesbarer Form zur Verfügung gestellt werden, so eine Forderung der Initiative.

Die Forderung schließt auch die lizenzfreie Abgabe der Daten ein. Dadurch würde sich eine „Win-Win-Situation“ zwischen Regierung und Volk ergeben, weil aufgrund von „Offenen Systemen“ neue Anwendungen von Drittanbietern entstehen können.

Aber auch die Effizienz der Verwaltung könnte erhöht werden, da Daten oft mehrfach erhoben werden und über den freien Zugang Doppelgleisigkeiten vermieden werden könnten. Die Verbreitungspolitik von Destatis erfüllt diese Anforderungen schon weitestgehend und wird durch die Open-Government-Initiative gestützt.

Freier Zugang zu den statistischen Daten, offene Schnittstellen zur Datenbank GENESIS-Online und lizenzfreie Weiterverwertung von Dritten ist garantiert.

Was wir bisher nicht anbieten, ist die Option einer offenen Kommentierung oder Diskussion der veröffentlichten Sachverhalte (beispielsweise von Pressemitteilungen oder ähnlichem).

Eine offene Diskussionsplattform setzt voraus, dass sogenannte Web-2.0-Technologien (Blogs, Foren, Twitter) eingesetzt werden. Bei der Nutzung von Web-2.0-Technologien entsteht eine Reihe von sicherheitsrelevanten Fragen, weil damit ein potenziell höheres Risiko von Hacker- und Virenattacken einhergeht.

Für das Statistische Bundesamt hat die IT-Sicherheit höchste Priorität. Außerdem besteht die Notwendigkeit, Kommentierungen ständig zu beobachten, um politisch unkorrekte oder beleidigende Darstellungen zu entfernen.

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