Statistisches Bundesamt: eGovernment-Interview zum Zensus 2011

Volkszählung 2.0 per IT, Open Data und Open Government

23.09.2010 | Redakteur: Gerald Viola

Zensus 2011, Open Data und Open Government beim Statistischen Bundesamt
Zensus 2011, Open Data und Open Government beim Statistischen Bundesamt

Fakt ist aber auch – und das sollte nicht unterschätzt werden: Unsere Nutzer kommen nicht nur aus der Politik. Wir beantworten im Jahresdurchschnitt mehr als 400.000 Anfragen, auch aus der Verwaltung, der Wirtschaft, den Hochschulen, den Medien und von Privatnutzern. Das finde ich sehr bemerkenswert.

Die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes sind sehr interessiert an Fakten. Und ich glaube, das Gütesiegel „amtlich“ wird gerade von dieser Nutzergruppe sehr geschätzt.

Wie schätzen Sie die Europäisierung der Statistik ein (Stichwort Eurostat)? Welche Statistikpflichten ergeben sich hieraus?

Weigl: Das Europäische Statistische System hat starke Auswirkungen auf die deutsche Statistik. So beruhen etwa 60 Prozent der nationalen Statistiken auf einer EU-Rechtsgrundlage. Die Durchführung neuer Statistiken geschieht weitestgehend auf Initiative der EU-Kommission.

Zwar ist inzwischen der Prozess der EU-weiten Vereinheitlichung der Wirtschaftsstatistiken weitgehend abgeschlossen, aber es zeigen sich neue weitreichende europäische Anforderungen an die deutsche Statistik für die nächsten Jahre. Unter anderem in den Bereichen Soziales, Umwelt und Nachhaltigkeit bereitet die Kommission neue Initiativen vor oder ist dabei, sie zu verabschieden.

Darüber hinaus gewinnt die amtliche Statistik auch auf europäischer Ebene zunehmend als Instrument politischer Entscheidungsprozesse an Bedeutung. Als Beispiel ist hier die statistische Begleitung der Umsetzung der Strategie EUROPA 2020 zu nennen.

In dieser Strategie entwickelt die EU-Kommission politische Zielvorgaben in den Bereichen Beschäftigung, Forschung und Innovation, Bildung, Klimaschutz und Energie sowie Armutsbekämpfung. Die Messung der Fortschritte in diesem Prozess ist Aufgabe der amtlichen Statistik.

Ein weiterer Beleg für die politische Relevanz der amtlichen Statistik ist ihre Rolle in der Umsetzung der Empfehlungen der vom französischen Staatspräsidenten Sarkozy eingesetzten Kommission zur Messung der wirtschaftlichen Leistungen und des sozialen Fortschritts.

Diese Kommission unter der Leitung der Nobelpreisträger Prof. Joseph Stiglitz und Prof. Amarty Sen hat in ihrem Abschlussbericht Empfehlungen für die Weiterentwicklungen der statistischen Berichterstattung und der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ausgesprochen. Die amtliche Statistik stellt sich dieser Aufgabe auf nationaler und europäischer Ebene in enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und der OECD.

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