Statistisches Bundesamt: eGovernment-Interview zum Zensus 2011

Volkszählung 2.0 per IT, Open Data und Open Government

23.09.2010 | Redakteur: Gerald Viola

Zensus 2011, Open Data und Open Government beim Statistischen Bundesamt
Zensus 2011, Open Data und Open Government beim Statistischen Bundesamt

Welche Entlastungen konnten dadurch erreicht werden?

Weigl: Alles in allem konnten in den Konjunkturstatistiken in den letzen Jahren erhebliche Entlastungswirkungen bei den Unternehmen erzielt werden. Allein im Dienstleistungsbereich und im Handwerk konnten bereits über 70.000 Unternehmen von ihren vierteljährlichen Berichtspflichten entlastet werden.

In anderen Wirtschaftsbereichen haben Tests dagegen zum Teil gezeigt, dass die Verwaltungsdaten nicht hinreichend aktuell oder nicht von hinreichender Qualität – gemessen an den rechtlichen Anforderungen und am Nutzerbedarf – waren.

Diese Beispiele machen deutlich, dass wir ähnlich wie beim Zensus auch in anderen Statistikbereichen die Entwicklung einer belastungsarmen, modernen Statistik durch die Verwendung von Verwaltungsdaten oder einen Mix aus Verwaltungsdaten und ergänzenden Erhebungen vorantreiben.

Die in der Frage angesprochene Methodenkompetenz ist dabei weniger unser Problem. Vielmehr machen wir auf dem eingeschlagenen Weg die Erfahrung, dass ohne bessere Rahmenbedingungen der Verwaltungsdatenverwendung in der Statistik Grenzen gesetzt sind.

Wer die Verwendung von Verwaltungsdaten für Zwecke der amtlichen Statistik will, muss ihr bessere Möglichkeiten des Zugangs und bei der Schaffung von „statistiktauglichen“ Verwaltungsdaten einräumen.

Kann das Statistische Bundesamt die Rolle eines Expertenpools für Analysen zu staatlichen Steuerungszwecken einnehmen?

Weigl: Diese Rolle nehmen wir bereits heute im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrags wahr. Das Statistische Bundesamt, aber auch unsere Partner in den Landesämtern und der Städtestatistik, hat eine Kernkompetenz in der statistischen Analyse. Steuerung – ob im Staat oder der Privatwirtschaft – lebt vom Soll-Ist-Vergleich, also der Analyse, in unserem Fall der statistischen Analyse.

Weil sich die staatliche Steuerung in der Demokratie unter den Augen des Volkes vollziehen soll, ist es gut, dass die Ist-Werte unparteilich und nachvollziehbar ermittelt werden, nämlich von den statistischen Ämtern und nicht von jenen, die die Soll-Werte vorgeben.

Wir legen bewusst offen, wie unsere Ergebnisse zustande gekommen sind und sagen auch, wie sie qualitativ einzuschätzen sind. Wir liefern also „Interpretationshilfen“.

Unsere Grenze ist dort, wo aus den Fakten Implikationen abgeleitet werden sollen nach dem Motto, „die Politik sollte diese oder jene Maßnahme ergreifen“. Das liegt eindeutig auf der normativen, politischen Ebene, bei der es nicht nur um Fakten geht, sondern auch um Überzeugungen.

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