eHealth-Plattform Vivy: holpriger Start überwunden

Autor: Susanne Ehneß

Die Gesundheitsakte „Vivy“ ist seit Mitte 2018 für Ärzte und Krankenkassen verfügbar. Marc Eichborn, CDO des ausführenden IT-Dienstleisters BITMARCK, erläutert im Gespräch, was die App ausmacht und was für die Sicherheit sensibler Patientendaten getan wird.

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Ansicht der App „Vivy“ auf dem Smartphone
Ansicht der App „Vivy“ auf dem Smartphone
(© Vivy)

Die App Vivy wird als Patientenakte, Gesundheitsakte, Gesundheitsplattform und gar als „persönliche Gesundheits­assistentin“ bezeichnet. Welche Definition ist korrekt?

Eichborn: „Elektronische Patientenakte“ ist ein seitens des Gesetzgebers ins Spiel gebrachter Begriff. Vivy versteht sich als übergeordnete Gesundheitsplattform, die ­sowohl die elektronische Gesundheitsakte als auch eine „persönliche Gesundheitsassistentin“ umfasst.

Für Vivy haben sich 17 Krankenkassen zusammengetan. Wie ist diese Kooperation entstanden?

Eichborn: BITMARCK erbringt seit zehn Jahren IT-Dienstleistungen für mehr als 90 Betriebs- und Innungskrankenkassen mit über 20 Millionen Versicherten. Sie bilden quasi die Basis für den potenziellen Nutzerkreis von Vivy. Deren Versicherten nutzen im Alltag immer mehr digitale Prozesse und erwarten solche Möglichkeiten auch im Bereich ihrer Gesundheit. Vor diesem Hintergrund haben wir den Markt sondiert, um den gesetzlichen Kassen eine attraktive Lösung zu bieten, mit der sie ihren Versicherten einen smarten Service anbieten können.

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Was ist der Unterschied zur Lösung „TK-Safe“ der Techniker Krankenkasse?

Eichborn: Vivy geht über eine reine Aktenfunktion hinaus. Außerdem ist Vivy eine offene Plattform, an der sowohl gesetzlich wie auch privat krankenversicherte Bürger teilnehmen können. Sie ist für mehr als 90 Kassen und unterschiedliche Kassenarten einsetzbar.

Ist vonseiten der Krankenkassen mit weiteren Eigenentwicklungen zu rechnen?

Eichborn: Neben Vivy gibt es bekanntlich weitere Lösungsansätze, sodass der Markt schon sehr gut abgedeckt ist. Das heißt aber nicht, dass Krankenkassen keine weiteren Lösungen entwickeln werden. Das wird die Zukunft zeigen.

Was ist der Nutzen der Vivy-App für Praxen und Kliniken?

Eichborn: Krankenhäusern und Praxen steht mit Vivy ein innovatives Serviceangebot zur Verfügung. Denn mit Vivy können Ärzte ohne viel Aufwand medizinische Dokumente wie OP- oder Therapieberichte, Untersuchungsergebnisse oder Entlassbriefe digital bereitstellen. Gleichzeitig können die Patienten frühere Unterlagen und Befunde mit den behandelnden Ärzten teilen. Diese erhalten so eine breitere Datenbasis und eine umfassende Krankheitshistorie. Das unterstützt den Behandlungserfolg und erleichtert das Therapiemanagement. Für Kliniken ermöglicht Vivy die sektorenübergreifende Vernetzung mit Partnern, verbessert den Austausch zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen und vereinfacht das Aufnahme- sowie Entlass- oder Überleitungsmanagement.

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Müssen Ärzte für die Nutzung Soft- oder Hardware beschaffen?

Eichborn: Nein, die Nutzung von Vivy ist ganz einfach über einen Internet-Browser oder über das Praxis-Informationssystem möglich. Für Ärzte und Praxisteams ist Vivy komfortabel und einfach zu handhaben: Sie können medizinische Dokumente entsprechend den Regeln der neuen Datenschutzgrundverordnung per Web-Upload oder durch eine direkte Bereitstellung über Vivy mit ihren Patienten teilen.

IT-Sicherheitsprüfer haben Vivy an der ein oder anderen Stelle kritisiert, zuletzt durch die Firma modzero. Können Sie die Vorwürfe entkräften?

Eichborn: Datensicherheit und deren Schutz haben bei BITMARCK höchste Priorität. Darauf haben wir auch im Ausschreibungsverfahren sehr großen Wert gelegt. Vivy geht aktiv und transparent mit dem Thema um. Eine detaillierte Stellungnahme hat Vivy online veröffentlicht (siehe Weblinks unten). Das Unternehmen arbeitet fortlaufend an der Verbesserung der Sicherheitsarchitektur und lässt die Vivy-App, die Vivy-Browser-Applikation und die ­Backend-Systeme regelmäßig durch externe IT-Sicherheits­experten überprüfen.

Wie geht es nun weiter mit Vivy?

Eichborn: In den kommenden ­Wochen werden weitere Krankenkassen und private Krankenversicherungen folgen und Vivy ebenfalls ihren Versicherten zur Verfügung stellen. Parallel wird an der Integration in die vorhandene ­IT-Landschaft bei Ärzten und in Kliniken gearbeitet.

Marc Eichborn
Marc Eichborn
(© BITMARCK)

Der Gesprächspartner

Marc Eichborn ist seit Dezember 2018 als Chief Digital Officer (CDO) bei BITMARCK tätig. Die Unternehmensgruppe realisiert IT-Lösungen für die Betriebs- und Innungskrankenkassen sowie für die DAK-Gesundheit und weitere Ersatzkassen.

Stellungnahmen

Die Stellungnahme zu den aufgedeckten Sicherheitsmängeln durch die modzero GmbH finden Sie online HIER (27.10.1018) und HIER (28.12.2018).

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