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Interview Verwaltungen setzen bei IT zunehmend auf Kooperationen

| Redakteur: Manfred Klein

ISPRAT, das Institut für Interdisziplinierte Studien zu Politik, Recht, Administration und Technologie e.V., hat die Chancen und Erfolgsfaktoren von Kooperationen zwischen Verwaltungen und Industrie im Bereich der Informationstechnologie untersucht. Den Public Privat Partnerships, aber auch Kooperationen zwischen den Verwaltungen selbst, werden dabei große Chancen vorhergesagt.

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Dr. Lothar Mackert, bei IBM für Defense & Security and Public Private Partnerships zuständig, engagiert sich beim ISPRAT-Institut für die Erforschung von PPPs
Dr. Lothar Mackert, bei IBM für Defense & Security and Public Private Partnerships zuständig, engagiert sich beim ISPRAT-Institut für die Erforschung von PPPs
( Archiv: Vogel Business Media )

Herr Mackert, ISPRAT hat die Möglichkeiten von IT-Kooperationen im Bereich der Öffentlichen Hand einer wissenschaftlichen Bewertung unterzogen. Welche grundlegenden Ergebnisse traten dabei zu Tage? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zeigte die Untersuchung zwischen Public Privat Partnerships und Partnerschaften zwischen Verwaltungen (ÖÖPs) und wie wirken diese auf den Gesamtmarkt ein?

Mackert: ISPRAT hat eine Reihe von wissenschaftlichen Studien gestartet, die zum einen eine faktenbasierende, neutrale Bewertung der Erfolgsfaktoren von ÖÖPs und PPPs aus rechtlicher, technischer, ökonomischer und politischer Sicht durchführen und zum anderen wichtige Aspekte von neuen Kooperationsmodellen wie Shared Services Center und Cloud Computing untersuchen. Damit will ISPRAT mehr Transparenz im Markt schaffen und die Basis für künftige innovative IT-Kooperationsmodelle legen.

ÖÖPs und PPPs haben vieles gemeinsam, da ähnliche Herausforderungen angegangen werden. Die wesentlichen Unterschiede bestehen in den sehr verschiedenen Kompetenzen, Erfahrungen und Arbeitskulturen, die Partner aus der Öffentlichen Verwaltung und der Industrie einbringen. Bei IT-Kooperationen innerhalb des öffentlichen Sektors sind die Hürden beim Start in der Regel niedriger als bei PPPs, weil die Partner weniger verschieden sind. Allerdings sind die Potenziale zur Bewältigung von wirtschaftlichen und demografischen Herausforderungen größer, wenn öffentliche und private Partner ihre Kräfte bündeln.

Wenn die Vorteile für die Öffentliche Hand so überwiegen, weshalb gibt es dann nicht mehr solcher Kooperationen? Welche Probleme verhindern dies?

Mackert: Die Zahl der IT-Kooperationen ist weit niedriger als Partnerschaften in anderen Bereichen, zum Beispiel im Hoch- und Tiefbau. ISPRAT führt dies auf eine Reihe von Gründen zurück: Im sehr dynamischen IT-Markt sind bei Vertragsschluss einer langjährigen Partnerschaft die Entwicklung der Anforderungen sowie die Potenziale nur schwer vorhersehbar. Inzwischen gibt es jedoch flexible Vertragsformen, die Risiken aus dieser Dynamik dadurch minimieren, dass Anpassungen an geänderte Anforderungen während der Laufzeit möglich sind.

Ein weiterer wichtiger Grund ist die enge Verzahnung der IT mit den Verwaltungsprozessen. Dadurch wird es im Vergleich mit Kooperationen in anderen Bereichen schwieriger, Verantwortlichkeiten der privaten Partner von denen der Öffentlichen Hand zu trennen. Allerdings können wir auch hier bereits auf positive Ansätze und Erfahrungen blicken. Erfolgreiche Modelle zeichnen sich etwa dadurch aus, dass die Kooperation auf Augenhöhe stattfindet und die Modernisierung der Verwaltungsprozesse parallel zur Erneuerung der IT umgesetzt wird.

Auch für herausfordernden Gebiete wie Personalkonzepte, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, Governance-Modelle, hoheitliche Aufgaben, etc. gibt es heute bereits gute und erprobte Ansätze und Erfahrungen, sodass ISPRAT IT-Kooperationen heute als sehr viel weniger riskant ansieht, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war.

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