Open Government Collaboration

Verwaltungen schöpfen die Potenziale noch nicht aus

| Redakteur: Manfred Klein

Dennoch, könnte es sich dabei nicht um einen bloßen Hype handeln? Und wenn ja, woran lässt sich das festmachen?

von Lucke: Gerne wird mit Gartners Hype Cycle argumentiert, da neue Technologien viele Beobachter rasch zum Gipfel der überzogenen Erwartungen verleiten, dem dann der lange Weg durch das Tal der Enttäuschungen und der Pfad der Erleuchtung folgen. Open Government ist derzeit ein Schlagwort für viele Ansätze, die in ihrer Summe ein offenes Regierungs- und Verwaltungshandeln auf Basis moderner Informations- und Kommunikationstechnologien umschreiben.

Jeder dieser Ansätze, zu denen neben Open Government Data auch Transparenz 2.0, die Partizipation 2.0, die Zusammenarbeit 2.0, Open Budget 2.0, Open Innovation zur Lösung gesellschaftlicher Fragen sowie offene Prozess- und Wertschöpfungsketten gehören, sind sehr anspruchsvoll und bedeuten für Politik und Verwaltung eine eigene echte Herausforderung. Im Kern geht es um eine IT-gestützte Öffnung bestehender Strukturen und eine verstärkte Bürgerorientierung. Hier stehen wird noch ganz am Anfang.

Wir müssen ein Verständnis eines offenen Regierungs- und Verwaltungshandelns finden, das auch in unsere Verwaltungskultur passt. Der derzeitige Hype erzeugt Aufmerksamkeit für die Themen. Vielleicht folgt eine breite inhaltliche Auseinandersetzung. Bis zur Freigabe von Mitteln und einer Umsetzung ist es noch ein langer Weg.

Es ist aber mehr als ein Hype, denn die Werkzeuge und das Internet, die diese breite Öffnung erst ermöglichen, sind auch morgen noch da. Und sie werden bereits intensiv von den Bürgern genutzt. Die Bürger werden meiner Einschätzung nach nicht nur eine weitere Öffnung von Staat und Verwaltung einfordern. Sie werden wie etwa mit FragdenStaat
(https://fragdenstaat.de) auch selbst Hand anlegen, wenn der Staat bestimmte Angebote nicht bereitstellen will.

Welche Effekte hätte ein umfassendes Open-Government-Konzept in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Kultur?

von Lucke: Konsequent weitergedacht bedeutet eine Öffnung von Staat und Verwaltung, dass sich für die Wirtschaft neue Chancen, aber eben auch substanzielle Veränderungen ergeben werden.

Einige Unternehmen, die auf offene Verwaltungsdaten setzen und ihre Geschäftsmodelle und Angebote darauf aufbauen, werden sich am Markt neu positionieren können. Bei anderen Unternehmen wird das Geschäftsmodell in sich zusammenbrechen, etwa weil die bisher exklusiven Inhalte dank Open Access und Open Data frei zugänglich geworden sind oder die Intransparenz des Marktes verschwunden ist. Offene Prozess- und Wertschöpfungsketten in einem Internet der Dinge und Dienste bieten ganz neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, insbesondere auch mit der Verwaltung.

Die Politik wird feststellen, dass Bürger nun jederzeit in der Lage sind, sich online zusammenzuschließen, um Themen zu setzen, Alternativen zu erarbeiten und eine offene Meinungsbildung zu initiieren. Die Bürger interessieren sich nicht mehr nur für die Wahlen, sondern auch für das politische Tagesgeschäft und den Umgang mit den Haushaltsmitteln.

Meiner Einschätzung nach werden Bürger mittelfristig ein offenes Monitoring des Regierungs- und Verwaltungshandelns über das Internet vornehmen. Ganz im Sinne einer retrospektiven Gesetzesfolgenabschätzung müsste dies in einer offene Evaluation mit Rückkopplung in die Parlamente münden.

Kunst und Kultur könnten von einer Öffnung profitieren, etwa wenn alte Meisterwerke für breite Bevölkerungsschichten frei zugänglich werden und junge Leute so motivieren, selbst künstlerisch tätig zu werden. Lokale Crowd-Funding-Plattformen helfen, die Kunst-, Kultur- und Musikszene in den Städten und Gemeinden durch örtliche „Mikro-Mäzene“ nachhaltig zu beleben und sie so unabhängig von öffentlichen Haushaltszuweisungen zu machen.

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