Interview mit Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann

„Verwaltung wird zum digitalen Dienstleister“

| Redakteur: Manfred Klein

Die Digitale Agenda des Landes soll in Sachsen-Anhalt der zentrale Leitfaden in Sachen Digitalisierung werden
Die Digitale Agenda des Landes soll in Sachsen-Anhalt der zentrale Leitfaden in Sachen Digitalisierung werden (Bild: Boris Zerwann)

Sachsen-Anhalt macht sich auf, den digitalen Wandel zu stemmen. Welche Rolle dabei die Digitale Agenda des Landes spielt, darüber sprach eGovernment Computing mit dem Wirtschaftsminister des Landes, Armin Willingmann.

Herr Willingmann, welche wirtschaftlichen und politischen Zielsetzungen verfolgt das Land Sachsen-Anhalt mit seiner Digitalen Agenda?

Willingmann: Die Digitale Agenda ist für uns der zentrale Leitfaden, um unser Land in Sachen „Digitalisierung“ in den nächsten Jahren modern und zukunftsfest aufzustellen. Denn der digitale Wandel ist ja kein Schnupfen, der vorübergeht, sondern die durchgreifende Veränderung unserer Zeit in Wirtschaft, Gesellschaft, privatem Leben. Das haben wir natürlich auch in Sachsen-Anhalt erkannt und deshalb gemeinsam mit vielen Akteuren diese Agenda erarbeitet. Im Rahmen der Agenda werden wir vonseiten des Landes vor allem die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, angefangen vom Ausbau schneller Internetverbindungen, über die Ausstattung von Schulen mit digitaler Technik bis hin zur gezielten Förderung von Wirtschaft und Wissenschaft.

Der Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Armin Willingmann, will bei der Digitalisierung niemanden zurücklassen
Der Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Armin Willingmann, will bei der Digitalisierung niemanden zurücklassen (© www.AndreasLander.de)

Allein bis 2020 werden wir mithilfe der Europäischen Union etwa 300 Millionen Euro an Fördergeldern für den Breitbandausbau ausreichen. Im Rahmen unserer Regionalen Innovationsstrategie (RIS) werden wir zudem weitere 150 Millionen Euro für den Ausbau unserer Forschungsinfrastruktur und weitere 111 Millionen Euro für konkrete Forschungsprojekte bereitstellen. Unser Ziel ist es, nicht nur möglichst breite und schnelle Datenautobahnen aufzubauen.

Wir wollen die Unternehmen bei uns im Land über unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen auch dabei unterstützen, neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Denn diese bilden die Basis für mehr Wachstum und für neue Arbeitsplätze. Übrigens auch und gerade für ländliche Regionen bieten sich hier Chancen. Denn im digitalen Zeitalter wird es für ein Unternehmen, das seine Geschäfte über das Internet betreibt, nicht mehr allzu entscheidend sein, wo sich der Hauptsitz befindet, wenn allerorten Zugang zu schnellem Internet vorhanden ist.

Welche Funktionen soll der Digitalisierungsbeirat in diesem Zusammenhang erfüllen?

Willingmann: Der digitale Wandel wirkt sich auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche und Themenfelder aus. Das sieht man auch an unserer Agenda. Wir wollen die Öffentliche Verwaltung zum digitalen Dienstleister weiterentwickeln, in Schulen und Hochschulen wird es um digitales Lernen und Forschen gehen, im Bereich Gesundheit spielt Telemedizin eine Rolle – um nur Beispiele zu nennen. Um die Potenziale in einzelnen Bereichen zu erschließen, setzen wir auf Experten, die dort jeweils schon Erfahrungen gesammelt haben und die bereit sind, die Landesregierung bei der Umsetzung der Digitalen Agenda und der darin enthaltenen Projekte zu unterstützen.

Wir stehen hier vor einer umfangreichen Herausforderung, die wir nur dann erfolgreich bewältigen, wenn wir uns gemeinsam ans Werk machen. Das gilt übrigens auch für die Arbeit innerhalb der Landesregierung: Nicht allein das Wirtschafts- und Digitalisierungsressort ist gefragt – alle anderen Ministerien müssen mitziehen. Deshalb waren auch alle Ministerien aufgerufen, an der Erstellung der Agenda mitzuwirken und nun auch Experten für den Digitalisierungsbeirat zu benennen.

Der 10-Punkte-Plan zur Digitalen Agenda fordert unter anderem gute Arbeitsbedingungen im digitalen Zeitalter. Auch soll beim digitalen Wandel niemand zurückgelassen werden. Gleichzeitig ist es wahrscheinlich, dass die Digitalisierung zu massiven Veränderungen in der Arbeitswelt führen wird – auch in Bereichen, die bislang von Automatisierungswellen verschont wurden, wie etwa der Dienstleistungsbranche. Mit welchen Maßnahmen will die Agenda hier gegensteuern?

Willingmann: Wir wollen Arbeitnehmer genauso unterstützen wie Unternehmen, wenn es darum geht, Herausforderungen des digitalen Wandels zu meistern. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass an der einen Stelle Arbeitsplätze wegfallen, an anderer wiederum neue entstehen werden. Dieses Phänomen war in den vorherigen industriellen Revolutionen nicht anders.

Damit aber niemand in diesen Veränderungsprozessen zurückbleibt, wird eine ganz zentrale Aufgabe auf Landesebene darin bestehen, ausreichend Weiterbildungsangebote vorzuhalten. Es gilt doch schon heute: Je besser der Arbeitnehmer qualifiziert ist, desto geringer ist sein Risiko, arbeitslos zu werden. Ich warne aber auch vor Panik. Gerade wenn es Unternehmen gelingt, neue Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln, entstehen auch neue Jobs oder verändern sich vorhandene.

Darüber hinaus werden wir in den kommenden Jahren gerade auch in Sachsen-Anhalt weiter mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben. In Sachsen-Anhalt werden mehr ältere Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, als junge Menschen nachkommen. Insofern rechne ich gegenwärtig nicht mit größeren Ungleichgewichten zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage.

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leere Phrasen. was soll man damit anfangen ???  lesen
posted am 31.03.2018 um 11:35 von Unregistriert


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