Die Welt nach Snowden

Vertrauen ist eine binäre Größe

| Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Der NSA-Skandal führt teilweise zu Generalverdacht gegenüber US-Anbietern.
Der NSA-Skandal führt teilweise zu Generalverdacht gegenüber US-Anbietern. ( © rendermax - Fotolia.com)

Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht, die sich vertrauen. Neben der technischen Ebene haben die Schlapphut-Skandale daher auch eine zwischenmenschliche Dimension. Dem Vertrauensverlust und Generalverdacht begegnen US-Unternehmen nun mit gemeinsamem Protest.

Die Deutsche Bank warb in den 90er Jahren mit dem Slogan: „Vertrauen ist der Anfang von allem.“ Nachdem das Geldinstitut in erhebliche juristische Schwierigkeiten in Hinblick auf Ramschhypotheken, Währungstricks und Zinsmanipulationen geraten ist, möchte man mit einem Zitat von Otto von Bismarck antworten: „Das Vertrauen ist eine zarte Pflanze; ist es zerstört, so kommt es sobald nicht wieder.“

Oder, um es konkret auf den Werbespruch zu beziehen: „Kein Vertrauen ist der Anfang vom Ende.“

Informationstechnologie

Das gilt nicht nur für die Finanz-, sondern auch für realwirtschaftliche Branchen wie die IT-Industrie. Vertrauen ist ein kritischer Erfolgsfaktor. Sinkt das Vertrauen in die Produkte eines Unternehmens, sinken auch die Umsätze und Gewinne. Vor diesem Hintergrund haben die Enthüllungen von Edward Snowden eine immense wirtschaft­liche Bedeutung.

Image-Schäden

Denn es wird offen darüber diskutiert, wie westliche Geheimdienste in erheblichem Ausmaß Wirtschaftsspionage betreiben. In medialer Breite wird ausgerollt, welche Mechanismen US-Unternehmen zur Kooperation mit den „Diensten“ zwingen können (Patriot Act, Geheimgerichtsbeschlüsse). Kein Wunder, dass US-amerikanischen IT-Firmen inzwischen vielerorts so etwas wie ein Generalverdacht entgegenschlägt. Denn Vertrauen ist eine binäre Größe. Entweder man vertraut jemandem – sei es eine Person, ein Produkt oder eine Firma – oder nicht.

Hier geht es nicht nur um rein rationale Überlegungen, sondern in hohem Maße um Bauchentscheidungen. Und meldet das Bauchgefühl Zweifel an, dann ­werden die schönsten Return-on-Investment-Berechnungen, gedruckt auf Hochglanzpapier ­obsolet.

Besserung in Sicht?

Was die Spionage-Affäre angeht: Zu viel ist im Dunkeln abgelaufen. Und zu erkennbar war die Salami-Taktik – zugegeben oder nicht bestritten wurde stets nur das, was Edward Snowden enthüllte. Entscheidend ist aber: Es ist nicht erkennbar, dass Weichen anders gestellt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Die meisten Fragen zur Geheimdienstaffäre bleiben offen. Aber der Markt hat Antworten auf offene Fragen parat.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die Konsequenzen dieser Entwicklungen.

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