Einsicht in Gesundheitsdaten

Verschlusssache Krankenakte?

| Redakteur: Susanne Ehneß

Zu ihren eigenen Röntgenbildern sollten auch Patienten Zugang haben
Zu ihren eigenen Röntgenbildern sollten auch Patienten Zugang haben (Bild: Minerva Studio_Fotolia.com)

Einen direkten Zugang zu ihren Gesundheitsdaten wünscht sich die deutliche Mehrheit der Deutschen. Doch Laborergebnisse oder Röntgenbilder sind für Patienten oft schwer erreichbar.

Gemäß einer Bitkom-Umfrage wollen 87 Prozent der Deutschen einen direkten Zugang zu ihren persönlichen Gesundheitsdaten haben. Dies umfasst unter anderem Diagnosen von Ärzten, Laborergebnisse, OP-Berichte oder Röntgenbilder. „Die Patienten wollen endlich selbst Herr ihrer persönlichen Gesundheitsdaten werden“, bekräftigt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die Daten von Patienten liegen an den unterschiedlichsten Stellen und es ist für die Behandelten nicht immer leicht, überhaupt an sie heranzukommen.“

Auch für die Mediziner selbst ist der Zugang zu nötigen Patientendaten nicht immer einfach. Dabei muss sich der jeweils behandelnde Mediziner bei einem Arztwechsel anhand der Krankengeschichte sowie aktueller Befunde und Verordnungen ein Bild über den Gesundheitszustand seines neuen Patienten machen – ohne Patientenakte kaum machbar.

Der Bitkom betont, dass Patienten laut Bundesdatenschutzgesetz und Bürgerlichem Gesetzbuch das Recht haben, jederzeit und „unverzüglich“ ihre Patientenakte einzusehen. Auf Wunsch müssten Kopien oder Ausdrucke angefertigt werden, die allerdings kostenpflichtig seien. „Arztpraxen und Kliniken sollten die Einsicht in die Behandlungsakte zu einem selbstverständlichen Service für ihre Patienten machen“, fordert Rohleder.

Der Bitkom setze sich seit langem dafür ein, dass Gesundheitsdaten wie Befunde, Röntgenbilder oder Verordnungen von Medikamenten auf Wunsch des Patienten vom behandelnden Arzt in einer elektronischen Akte gespeichert werden. Der Patient solle dabei selbst entschieden können, welche Informationen gespeichert werden und wem er diese – zum Beispiel im Rahmen einer Behandlung – zugänglich machen will.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Auch an das kürzlich verabschiedete E-Health-Gesetz knüpft der Bitkom große Hoffnungen – wie die Einführung eines digitalen Patientenfachs, eines elektronischen Medikationsplans sowie eines digitalen Patientenfachs, das ein eigenverantwortliches Verwalten von Gesundheitsdaten ermöglicht.

„Der Medikationsplan soll Ärzten einen Überblick über die verschriebenen Medikamente verschaffen und so unerwünschte Wechselwirkungen vermeiden helfen“, erklärt Rohleder. Wichtig sei das vor allem bei Menschen, die bei mehreren Ärzten in Behandlung sind und mehrere verschreibungspflichtige Medikamente gleichzeitig einnehmen. Das sei vor allem bei chronisch Kranken oder älteren Patienten der Fall. In Deutschland sterben rund 20.000 Menschen pro Jahr an den unerwünschten Wechselwirkungen von Medikamenten.

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