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IT-Wissen in Unternehmen und Öffentlicher Verwaltung Verliert Deutschland den Anschluss?

| Autor / Redakteur: Maren Lesche / Gerald Viola

Man sollte meinen, dass die „Generation Internet“ eigentlich in der IT zu Hause ist. Eine Vermutung, der Achim Berg, Beiratsvorsitzender der Initiative IT-Fitness und Vorsitzender der Geschäftsführung der Microsoft Deutschland GmbH, im Gespräch mit eGovernment Computing heftig widerspricht.

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Achim Berg, Beiratsvorsitzender der Initiative IT-Fitness und Vorsitzender der Geschäftsführung der Microsoft Deutschland GmbH
Achim Berg, Beiratsvorsitzender der Initiative IT-Fitness und Vorsitzender der Geschäftsführung der Microsoft Deutschland GmbH
( Archiv: Vogel Business Media )

Und dabei werden nicht nur in der Wirtschafts, sondern auch in der Öffentlichen Verwaltung IT-Wissen für die beruflichen Perspektiven immer wichtiger.

Wie steht es um den derzeitigen IT-Analphabetismus in Deutschland?

Berg: Leider wesentlich schlechter, als man vermuten würde: Laut einer IDC-Umfrage haben derzeit 15 Prozent der Beschäftigten in Deutschland keinerlei IT-Kenntnisse. Das bedeutet, dass mehr als jeder siebte Arbeitnehmer nicht mit einem PC umgehen kann! Man kommt heutzutage aber in fast keinem Beruf – selbst als Schornsteinfeger, Bäcker oder Landwirt – ohne Computer und Internet aus. In der Gesamtbevölkerung ist der Qualifizierungsbedarf in Sachen IT-Kenntnisse besonders bei Menschen ohne Arbeit, bei Frauen, aber auch bei Schülern und Azubis besonders groß. Das ergab eine aktuelle Untersuchung von 120.000 anonymisierten Auswertungen unseres IT-Fitness-Tests. So smart wie sie beim Thema Chatten und Gaming sein mögen – viele junge Menschen, die an der Schwelle von Ausbildung und Beruf stehen, weisen besorgniserregende Wissenslücken auf, wenn es um den beruflichen Umgang mit dem PC geht.

Warum ist Weiterbildung Ihrer Meinung nach so wichtig?

Berg: Was passiert, wenn nicht in Fortbildung investiert wird, hat das DIW ausgerechnet: Deutschland verschenkt pro Jahr rund 4,5 Milliarden Euro durch fehlende Qualifizierungsmaßnahmen. Wenn man bedenkt, dass 75 Prozent des Produktivitätszuwachses der deutschen Wirtschaft auf IT zurückzuführen sind, wird klar, dass vor allem der Vermittlung berufsrelevanter IT-Kenntnisse mehr Bedeutung beigemessen werden muss. Viele Entscheider in Unternehmen haben das bereits erkannt.

Könnten Investitionen in Weiterbildung verhindern, dass Deutschland im internationalen Vergleich den Anschluss verliert oder ist der Zug schon abgefahren?

Berg: Die Einschätzung der Personalverantwortlichen ist definitiv besorgniserregend: Im Hinblick auf berufsrelevante IT-Kenntnisse wird der digitale Graben zwischen Deutschland und anderen europäischen Staaten größer. Während andere Länder den Anteil an IT-Analphabeten in den kommenden Jahren signifikant reduzieren können, wird er bei uns in den kommenden vier Jahren sogar noch steigen. Deutschland droht den Anschluss an Westeuropa zu verlieren. Um das zu verhindern, sind jedoch umfangreiche Investitionen in Aus- und Weiterbildung nötig. Das muss gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation eine gemeinsame Anstrengung von Wirtschaft und Politik sein. Die in der „Stuttgarter Erklärung“ des IT-Gipfels und übrigens auch in der Regierungserklärung angekündigten Bildungsmaßnahmen sind ein erster wichtiger Schritt.

Sie müssen jedoch nun auch konsequent in der Praxis umgesetzt werden, damit Deutschland den Rückstand schnell aufholen kann.

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