Landesweite Koordinierungsstelle in Baden-Württemberg eingerichtet

Verbesserte Rahmenbedingungen für die Telemedizin

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: „Die durch Telemedizin gestützte Versorgung und Behandlung muss künftig besser an Kriterien der ‘evidenzbasierten Medizin’ angepasst werden."
Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: „Die durch Telemedizin gestützte Versorgung und Behandlung muss künftig besser an Kriterien der ‘evidenzbasierten Medizin’ angepasst werden." (Bild: Uli Regenscheit)

Mit 600.000 Euro fördert das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg den Aufbau einer landesweiten Koordinierungsstelle für ein „Zentrales Netzwerk der Telemedizin-gestützten Versorgung“ mit dem Ziel, telemedizinische Technologien zum Wohl der Patienten entscheidend voranzubringen.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.sagt dazu: „Die durch Telemedizin gestützte Versorgung und Behandlung muss künftig besser an Kriterien der ‘evidenzbasierten Medizin’ angepasst werden, also belegen, dass sie vorteilhafter oder gleichwertig und kostengünstiger ist als bisherige Methoden. Nur so können telemedizinische Technologien zum Wohl der Patienten entscheidend vorangebracht werden“ und ergänzt weiter, dass die Aufgabe der Koordinierungsstelle darin bestünde, Sorge zu tragen, dass zukünftige Telemedizinprojekte die Prototypenentwicklung sowie die Pilotphase überdauern und langfristig die Chance erhalten, als evidenzbasierte Medizin anerkannt und in die Regelversorgung überführt zu werden. Aber auch Gesundheitsministerin Katrin Altpeter erwartet im Hinblick auf den demografischen Wandel speziell für den ländlichen Raum eine optimalere Versorgung für chronisch kranke Menschen.

Die vorhandene Kompetenz soll gebündelt werden

Die Koordinierungsstelle soll die bereits in Baden-Württemberg vorhandene Kompetenz in der Telemedizin bündeln und als Ansprechpartner für alle fungieren, die ein Projekt im Bereich der Telemedizin planen oder Partner für Telemedizinprojekte suchen. Sie soll gleichzeitig aber auch Vermittler zwischen medizinischen Einrichtungen, Herstellern von Medizinprodukten, Verbänden und Patienten sein, um die Entwicklung telemedizinischer Anwendungen und Geräte und deren Implementierung in die medizinische Versorgung voranzubringen. Eine Unterstützung telemedizinischer Projekte von der frühen Phase an soll deren Nachhaltigkeit sichern.

Das Wissenschaftsministerium übernimmt die Anschubfinanzierung

Die Koordinierungsstelle ist am Institut für Medizintechnologie (IMT) angesiedelt, einer gemeinsamen Einrichtung der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und der Hochschule Mannheim. Die Förderung durch das Wissenschaftsministerium dient als fünfjährige Anschubfinanzierung, danach soll sich die Koordinierungsstelle als Verein selbst tragen.

Neben dem Land Baden-Württemberg leisten auch das Universitätsklinikum Mannheim, die Stadt Mannheim, sowie die Landesagentur Biopro Baden-Württemberg GmbH organisatorische und fachliche Unterstützung.

Der Leiter der Koordinierungsstelle, Prof. Dr. Gerald Weisser, der als Mediziner und Physiker dem Geschäftsfeld Informationstechnik und Qualitätssicherung am Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Mannheim vorsteht, koordniert seit 15 Jahren Telemedizin-Projekte.

Enge Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Heidelberg

Die Koordinierungsstelle wird eng mit der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg zusammenarbeiten, gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg wird für das Qualitätsmanagement ein Handbuch mit Empfehlungen für die nachhaltige Implementierung der Qualitätssicherung im Bereich der Telematik in Baden-Württemberg erarbeitet. Die dazu nötigen Forschungsarbeiten werden für eineinhalb Jahre mit zusätzlich 130.000 Euro aus Landesmitteln gefördert.

Viele Telemedizinprojekte scheitern bereits in der Pilotphase

Eine Studie, die 2013 im Auftrag des Sozialministeriums durchgeführt wurde, zeigt, dass viele Telemedizinprojekte nicht in der Lage sind, die Hürde der Pilotphase zu überspringen, da die Anschlussfinanzierung durch die Gesetzliche Krankenversicherung fehlt. Der einfache Grund: Es gibt bislang keine Abrechnungsziffern für die Vergütung ambulanter telemedizinischer Leistungen. Und das wiederum ist darin begründet, dass telemedizinisch gestützte Versorgungs- und Behandlungsmethoden bisher nur vereinzelt zeigen konnten, dass sie Vorteile für die Patienten bringen oder zumindest gleichwertig sind, sprich: die Behandlung kostengünstiger gestalten. Von dieser Tatsache sind auch die Hersteller von Medizinprodukten in Baden-Württemberg betroffen, da ihnen der Absatzmarkt fehlt und eine Investition in weitere Innovationen kaum Sinn machen würde.

Leitprojekte, die zeigen wollen, dass telemedizinisch gestützte Behandlungsmethoden Zukunftspotential besitzen, sind an diverse Auflagen gebunden: Sie müssen unter anderem den Datenschutz beachten, die Qualität der ärztlichen Leistungen sichern, wobei gleichzeitig spezifische Qualitätssicherungsstandards für telemedizinische Leistungen einzuhalten sind. Dazu sind Vorgaben des Medizinprodukterechts zu berücksichtigen. Zu all dem kommen noch technische Anforderungen wie das Sicherstellen der Migrationsfähigkeit in die Telematikinfrastruktur der jeweiligen Nutzer.

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