Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung

Verbände fordern eHealth-Zielbild für Deutschland

| Redakteur: Manfred Klein

Branchenverbände fordern eHealth-Zielbild
Branchenverbände fordern eHealth-Zielbild (Bild: © santiago silver – stock.adobe.com)

In einem gemeinsamen Aufruf fordern die Branchenverbände der industriellen Gesundheitswirtschaft die Bundesregierung dazu auf, ein nationales eHealth-Zielbild zu entwickeln, um die bis dato noch schleppende Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in Deutschland schnell und erfolgreich voranzubringen. Aus eGovernment-Sicht erscheinen die erhobenen Forderungen seltsam vertraut.

Aus Sicht der Medizintechnik, Biotechnologie, Gesundheits-IT und pharmazeutischen Industrie als zentrale Eckpfeiler der industriellen Gesundheitswirtschaft würde das geforderte eHealth-Zielbild allen Beteiligten im Gesundheitssystem eine notwendige Orientierung geben und es ihnen ermöglichen, konkrete Ziele zu definieren und zu erreichen.

Die Verbände rufen deshalb dazu auf, ein solches Zielbild in einem politisch moderierten Prozess ressortübergreifend und sektorübergreifend zu erarbeiten, daraus eine nationale eHealth Strategie abzuleiten und anschließend durch einen konkreten Aktionsplan flächendeckend umzusetzen. Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in Deutschland könne so wesentlich gefördert werden und Deutschland wieder Anschluss an die internationale Entwicklung finden.

Die Branchenverbände betonen: Ziel der Digitalisierung des Gesundheitssystems ist es, die qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung langfristig sicherzustellen, kontinuierlich zu verbessern und dabei finanzierbar zu halten. Gleichzeitig solle Deutschland als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort ausgebaut und gestärkt werden.

Zur Begründung der Inititiative heißt es in dem Dokument: „Durch die Digitalisierung lassen sich bestehende Prozesse in der stationären wie ambulanten Versorgung, in der Forschung und Entwicklung, in der Verwaltung und in der Anwendung für Patientinnen und Patienten im Alltag optimieren. Durch den konsequenten Einsatz von IT in der Versorgung ergeben sich laut einer aktuellen Studie schätzungsweise 39 Milliarden Euro an Effizienzpotenzialen jährlich. Zudem könnten die Sicherheit und damit die Qualität von einzelnen Prozessen durch digitale Technologien weiter erhöht werden.“

Eine Vielzahl von Ländern innerhalb und außerhalb Europas habe zu diesem Zweck Zielbilder für die digitale Transformation ihrer Gesundheitssysteme entworfen und auf dieser Basis sogenannte eHealth-Strategien als Grundlage für zielgerichtete Maßnahmen geschaffen, so die Autoren. Dies führe dort dazu, dass die Digitalisierung der Gesundheitssysteme schnell und erfolgreich voranschreitet, während das deutsche Gesundheitssystem in Erhebungen zum Digitalisierungsgrad hingegen regelmäßig schlecht abschneidet.

Die Ergebnisse der zuletzt vom Bundesministerium für Gesundheit veröffentlichten Studie zur „Weiterentwicklung der eHealth-Strategie“ ende mit der Erkenntnis, dass eine Strategie für die Digitalisierung notwendig ist. Bekräftigt werde dies auch vom Rat der Europäischen Union, der die Mitgliedsstaaten aufrufe, bestehende nationale Rechts- und Verwaltungsrahmen einer Überprüfung zu unterziehen, um so Hindernissen für die stärkere Nutzung digitalen Gesundheitsversorgung aus dem Weg zu räumen.

Erreicht werden soll das eHealth-Zielbild für Deutschland in drei Schritten:

  • 1. Entwicklung eines gemeinsamen Zielbildes für die Digitalisierung im Gesundheitssystem in einem strukturierten Prozess, begleitet durch einen Diskurs zu den Chancen und Risiken der Digitalisierung im Gesundheitssystem.
  • 2. Ableiten einer nationalen eHealth-Strategie und eines Aktionsplans mit konkreten Maßnahmen und Meilensteine zum Erreichen des Zielbildes.
  • 3. Umsetzung des Aktionsplans, begleitet durch einen breiten gesellschaftlichen Diskurs zur Stärkung der Akzeptanz für digitale Innovationen im Rahmen einer nationalen Aufklärungskampagne.

Aus der Sicht der Verbände der industriellen Gesundheitswirtschaft sollte der politisch moderierte Prozess zur Erarbeitung eines eHealth-Zielbildes ressortübergreifend von den zuständigen Ministerien angestoßen, zentral koordiniert und moderiert werden. Da es inzwischen viele Positionen und Überlegungen zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft und des Gesundheitssystems gebe, bedürfe es nun eines übergeordneten und koordinierten Prozesses, der alle Überlegungen in einem Zielbild zusammenführt.

Nur durch eine zentrale Koordinierung und unter Beteiligung aller Akteure könne eine rasche, sektorübergreifende und ressourcenschonende Umsetzung sowie eine breite gesellschaftliche Akzeptanz garantiert werden.

Für ein innovationsfreundliches und digitalisiertes Gesundheitssystem müssten bestehende Gesetze und Regelungen überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden. Die Verbände plädieren daher dafür, dass die Bundesregierung die Arbeit an einem eHealth-Zielbild zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft und der Gesundheitsversorgung unverzüglich nach der Regierungsbildung beginnt. Die ersten Maßnahmen sollten noch in dieser Legislatur umgesetzt werden.

Der vollständige Aufruf steht auf den Seiten der beteiligten Verbände zum Download bereit. Unter anderem hier.

Der Aufruf wird von den Verbänden BIO Deutschland, Bitkom, bvitg, BVMed, SPECTARIS, VDGH, vfa und ZVEI gemeinsam getragen.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Gemäss diesem Artikel, könnte man meinen, dass wir am Anfang der Festlegung einer...  lesen
posted am 01.02.2018 um 18:10 von doron.moritz@tessaris.ch


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45107503 / Projekte & Initiativen)