Interview mit SAP-Public-Sector-Chef Guido Schlief

Unzureichende IT-Unterstützung von Verwaltungsprozessen

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Was ist aus Ihrer Sicht für die weitere Modernisierung der Verwaltungen unabdingbar?

Schlief: Aus IT-Sicht steht hier vor allem die Standardisierung und Harmonisierung mit Mittelpunkt. Ohne Standardisierung können Verwaltungen weder die Effizienzpotenziale im eigenen Hause heben, noch die Synergien aus verwaltungsübergreifenden Formen der Zusammenarbeit wie Shared Services oder eGovernment heben.

Stichwort Shared Services: Verwaltungen können es sich künftig schon aufgrund der demografischen Entwicklung und Haushaltssituation nicht mehr leisten, alle Aufgaben selbst zu erledigen. Hier gilt es, passende Formen der Zusammenarbeit zu finden.

Schaut man in das benachbarte Ausland, so findet man hier spannende Projekte, die diesen Grundgedanken bereits erfolgreich umgesetzt haben. Ich nenne an dieser Stelle das Projekt P-Direct aus den Niederlanden. Hier kurz die Fakten:

  • Optimierung der personalwirtschaftlichen Prozesse in der niederländischen Verwaltung für über 120.000 Beschäftigte in 12 Ministerien und 45 Behörden.
  • Etablierung einer Shared-Service-Center-Organisation („P-Direkt“) mit 440 Mitarbeitern und 27 standardisierten HR-Dienstleistungen.
  • Reduzierung der HR-bezogenen Mitarbeiter um 50 Prozent.
  • Einsparpotenzial bis zum Jahr 20210: 250 Millionen Euro.

eGovernment und mobile Government sind unabdingbar und sollten noch einmal mit frischem Mut angegangen werden. Kunden sollten sich bei der Umsetzung möglicher Projekte frühzeitig einen Partner zu suchen, der bei der Konzeption und Umsetzung die gesamte Tragweite erfassen kann.

Ganz wichtig ist hierbei der Plattformgedanke: Es werden künftig keine Punkt-zu-Punkt- und Insellösungen mehr aufgesetzt, sondern eine einheitliche IT-Plattform für eGovernment und mGoverment verwendet.

Das Thema Big Data ist in diesem Fall ebenfalls sehr ernst zu nehmen, da eine Fülle von Informationen gehalten und verarbeitet werden müssen. Dies erfordert eine Datenhaltung und -verarbeitung durch In-Memory-Technologie, um diese gespeicherten Datenmengen für eGovernment-Prozesse schnell verfügbar zu machen.

Ein kurzer Ausblick auf 2014?

Schlief: Bezüglich IT-Innovationen liegt der Public Sector noch zehn Jahre hinter der Industrie zurück. Der Nachholbedarf ist schon länger erkannt, Konzepte für die Modernisierung sind erstellt. Die Umsetzung wurde jedoch oft gebremst, teilweise auch aufgrund von Ängsten und fehlendem Mut zur Veränderungsbereitschaft mancher Führungskräfte und Mitarbeiter.

Aufgrund der immer größeren Herausforderungen der Verwaltungen hinsichtlich Demografie, Haushaltslage, aber auch der Anforderungen der Bürger nach Transparenz, wird der Druck weiter steigen. Ich gehe daher von einer Beschleunigung der IT-Modernisierung im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung aus, sodass 2014 mehr Einführungsprojekte rund um Kernverfahren auf- und umgesetzt werden.

Als führendes deutsches IT-Unternehmen werden wir auch 2014 weiter in die Entwicklung industriespezifischer Lösungen für den Public Sector investieren, um einen Wertbeitrag zur Modernisierung der Verwaltungen zu leisten. Darüber hinaus werden wir die Zusammenarbeit mit unseren Partnern ausbauen.

Den Dialog mit unseren Kunden wollen wir weiter intensivieren und sie frühzeitig bei der Entwicklung neuer Lösungen und Technologien einbinden, um frühzeitig Feedback zu erhalten. Wir freuen uns sehr auf diese enge Zusammenarbeit.

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