Interview mit SAP-Public-Sector-Chef Guido Schlief

Unzureichende IT-Unterstützung von Verwaltungsprozessen

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Wie wollen Sie auch zukünftig erfolgreich sein? Wo sehen Sie neue Trends und Entwicklungen, bei denen SAP die Öffentliche Verwaltung besonders gut unterstützen kann?

Schlief: Folgende Trends sehe ich: Erstens werden Fachprozesse in den Verwaltungen nach unserer Wahrnehmung nicht ausreichend oder mit veralteter IT unterstützt. Wirft man einen Blick auf die größeren Fachanwendungen, kann man Stand heute festhalten, dass die meisten davon auf veralteten Programmiersprachen basieren und viele der in den letzten Jahren durchgeführten Erneuerungen mehr in Richtung Facelift denn echtes Redesign gingen. SAP bietet eine ideale Entwicklungsplattform gerade für die COBOL-basierten Verfahren – einerseits durch die Nähe zu ABAP (Objekt-Orientierung), andererseits durch die Flexibilität über den parallelen JAVA-Entwicklungsstack.

Welche Hilfen bietet SAP darüber hinaus für Verwaltungen an ...

Schlief: Darüber hinaus bietet SAP für bestimmte Fachprozesse fertige Anwendungen: So haben wir beispielsweise eine Fachanwendung für die polizeiliche Vorgangsbearbeitung entwickelt. Über ein dynamisches Fallmanagement haben Polizei­einheiten damit die nötige Flexibilität, um integriert zu arbeiten. Damit kommen wir dem zunehmenden Ruf nach Vernetzung nach.

Zweitens werden Mobilität und Erreichbarkeit immer wichtiger. Arbeitsplätze werden künftig mobiler werden – so zum Beispiel in Bezug auf die Anforderungen von Führungskräften an mobile Dokumente, mobiles Reporting oder Ad-hoc-Analysen. Im Bereich Mobile Government arbeiten wir mit Kunden an einer personalisierbaren City App, die es Bürgern und Unternehmen erlaubt, personalisierte Informationen abzurufen und Prozesse mit der Behörde durchzuführen.

Dies könnte auch als Treiber für die Etablierung des neuen Personalausweises (nPA) genutzt werden, indem neue Smartphones im Zusammenspiel mit der City App eine Authentifizierung via nPA erlauben.

Drittens ist mit der Verabschiedung des eGovernment-Gesetzes der Startschuss für den Neustart im eGovernment gefallen. Wir sehen hier eine Chance für eine ernstgemeinte Neuausrichtung. In Zukunft wird es nicht darum gehen, reine Informationsportale bereitzustellen oder ein Bündel von Online-Prozessen vorzuhalten.

Es geht vielmehr um eine durchgehende Prozessoptimierung über einen flexiblen Online-Zugang bis in das Fachverfahren unter Ausnutzung der potenziellen Automatisierungsmöglichkeiten. Dies ist eine Antwort darauf, wie die Verwaltung künftig mit weniger Personal eine bessere oder zumindest gleichbleibende Servicequalität liefern kann.

Ein weiterer wichtiger Baustein für die Verwaltung der Zukunft wird das Management großer Datenmengen sein. Die Analyse großer und heterogener Datenbestände wird für den Entscheidungsprozess in der Sachbearbeitung künftig immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dabei wird es entscheidend sein, diese Analyse möglichst flexibel und auf Basis aller aktuell verfügbaren Daten durchzuführen.

Mit SAP HANA bieten wir eine Plattform, die solche Analysen bereits heute nahezu in Echtzeit ermöglicht. Hierdurch entstehen künftig völlig neue Geschäftsprozesse, zum Beispiel in der Betrugsfallbekämpfung. Hier bin ich nicht mehr nur auf Ex-post-Analysen angewiesen, sondern kann diesen Service in meinen Genehmigungsprozess für bestimmte Leistungen einbauen. So kann ich beispielsweise unberechtigte Leistungen vor der Auszahlung stoppen.

Im Übrigen ist auch der Folgefall des angesprochenen Szenarios interessant: Ich zahle unberechtigt aus und generiere damit eine Forderung. Viele Behörden haben im Laufe der letzten Jahre immense Forderungsbestände aufgebaut. Diese müssen möglichst intelligent abgebaut, sprich beigetrieben werden. Mit SAP HANA können alle zur Verfügung stehenden Informationen zu den Schuldnern analysiert werden. Der Sachbearbeiter kann sich für seine Fälle ad hoc ein Bild machen und dann die richtige und erfolgversprechendste Taktik für Schuldner oder Schuldner-Cluster nutzen.

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