eRechnung

Umstellungshürden lassen sich reduzieren

| Autor: Manfred Klein

Der Einsatz solcher Verfahren dürfte – insbesondere bei kleineren Kommunen – deren technische Möglichkeiten sprengen. Welche Kooperationsmöglichkeiten sehen Sie hier?

Schmitt: Wie erwähnt, dürfte die „hausinterne“ Umsetzung durch die IT-Administration der Verwaltung nicht nur kleinere Kommunen vor erhebliche Probleme stellen. Die bei Kooperation mit Serviceprovidern zu treffende Make-or-buy-Entscheidung müsste deshalb eigentlich relativ eindeutig ausfallen. Weiterhin setzt sich in den Bereichen Internet und IT über alle Branchen hinweg das Prinzip durch, sich auf die jeweiligen Kernkompetenzen zu fokussieren und dadurch erfolgreicher und wettbewerbsfähiger zu werden. Das bedeutet für die Kommunen, komplexe (IT-) Spezialthemen jenseits des kameralistischen oder doppischen Fachwissens sinnvollerweise mit Spezialisten zu realisieren.

Diese verfügen über einschlägige Erfahrung aus ähnlichen Projekten, können existierende Bausteine aus realisierten Projekten einbringen und flexibel auf Veränderungen reagieren. Letztlich wird man dadurch schneller und effizienter zum Ziel gelangen, ohne von den eigentlichen Hauptaufgaben abgelenkt zu werden. Businessmodelle und Abrechnungsformen der Provider unterscheiden sich jedoch zum Teil erheblich, was insbesondere die Vergleichbarkeit unter Kostenaspekten schwierig machen kann. Grundsätzlich sind deshalb einfache, transparente und kalkulierbare Modelle ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Providers.

Ihr Unternehmen kommt aus den Niederlanden. Welche Erfahrungen haben die Kommunen dort mit der eRechnung gemacht, und was ist auf deutsche Verhältnisse übertragbar?

Schmitt: Wir haben in den Niederlanden in mehrerer Hinsicht andere Voraussetzungen. Zum einen ist der Markt der Mitbewerber überschaubarer. Die Städte und Gemeinden dort sind extrem bemüht, das schlechte Image, welches immens verspäteten Zahlungen und einer Vielzahl überfälliger Rechnungen geschuldet ist, aufzupolieren. Insoweit ist deren Motivation nicht ausschließlich gesetzlichen Vorgaben geschuldet. Entscheidend für unsere Kooperationen in den Niederlanden mit Amsterdam, Haarlem, Rotterdam oder Tilburg ist aber vor allem unsere Expertise.

Die Erfolge der eRechnung sind aber hier wie dort sehr gut messbar und motivieren alle Beteiligten an der Umsetzung nach Kräften mitzuwirken. Wir haben in unseren Projekten das sogenannte Onboarding der Lieferanten als den kritischen Erfolgsbestandteil identifiziert. Auch in Deutschland ist der Anschluss möglichst aller Lieferanten an die eInvoicing-Plattform entscheidend für den Erfolg des Projektes. Unsere eInvoicing-Plattform ermöglicht den Lieferanten die Rechnung in unterschiedlichen Formaten und auf unterschiedlichen Wegen einzureichen. Damit so viele Lieferanten wie möglich in möglichst kurzer Zeit auf eRechnung umgestellt werden können, bieten wir grundsätzlich alternative Wege wie zum Beispiel die Rechnungseingabe über ein Portal oder die Konvertierung von PDF-Rechnungen.

Dadurch reduzieren wir die Umstellungshürden und erhöhen die Akzeptanz der elektronischen Rechnung. Um die 26.000 Lieferanten von Amsterdam anzuschließen und den jeweils präferierten Weg der Rechnungseinreichung zu identifizieren, haben wir Onboarding-Routinen und Automatismen entwickelt, ohne die diese Aufgabe nicht zu bewältigen gewesen wäre. Dieses Vorgehen ist ohne Einschränkung auf den deutschen Markt übertragbar und hier gleichermaßen hilfreich.

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Mich würden an der Stelle genauere Zahlen interessieren, z.B. wie groß ist das...  lesen
posted am 05.02.2019 um 15:10 von Dina Haack


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