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Stiftung Warentest untersucht den ePostbrief Umständlich, teuer und der Zwang zum täglichen Blick ins Postfach

| Redakteur: Gerald Viola

Verbindlich, vertraulich, verlässlich – umwirbt die Deutsche Post den ePostbrief. Die Stiftung Warentest ist von der kostenpflichtigen eMail-Variante nicht überzeugt.

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der ePostbrief als Konkurrenz zur De-Mail
der ePostbrief als Konkurrenz zur De-Mail
( Archiv: Vogel Business Media )

Los geht‘s bei der Anmeldung: Wer kein Handy hat, darf nicht mitspielen, denn die TAN nach der Internet-Anmeldung geht nur aufs Mobiltelefon. Dann muss sich der Interessent in der Postfiliale legitimieren. Ein paar Tage später kommen dann die Postident-Unterlagen per Briefpost.

Die Post verwendet für die Briefe TLS, ein etabliertes Verschlüsselungsprotokoll zur sicheren Datenübertragung im Internet. Sicherheitslecks gab es in der Vergangenheit laut Medienberichten aber auch bei TLS. Das Neue am ePostbrief sei vielmehr, dass sich alle Nutzer eindeutig identifizieren müssen. So wissen Absender und Empfänger zweifelsfrei, mit wem sie es zu tun haben.

Die Stiftung Warentest: „Versicherte können zum Beispiel ihre Kündigung per ePostbrief schicken – sofern die Vertragsunterlagen keine Schriftform vorschreiben. Aber Achtung: Manche Rechtshandlungen wie die Mietkündigung sollten nicht mit der elektronischen Post geschickt werden. Sie bedürfen stets der Schriftform.“

Vertraulich ist nicht gleich vertraulich

Die Experten weiter: „Absolut vertraulich ist der Standard-E-Postbrief aber auch nicht. Die TLS-Technik verschlüsselt den eBrief vom Absender zum Postserver und vom Postserver zum Empfänger. Wird der ePostbrief gedruckt, könnten Postmitarbeiter die Texte theoretisch lesen. Wer eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wünscht, muss seine Briefe zusätzlich verschlüsseln. Absender und Empfänger müssen dafür im ePostbrief-Portal persönliche Zertifikate beantragen. Sie bekommen dann persönliche Schlüssel mit denen nur sie den jeweiligen Brief senden und öffnen können.“

Einschreibebrief: Papier ist billiger

55 Cent nimmt die Post für den Brief – ja, auch für den elektronischen. Beim Hypridbrief (die eMail wird als Papierbrief zugestellt) kassiert die Post ab vier Seiten zehn Cent pro ausgedruckter Seite zusätzlich.

Die Experten: „Einschreiben kosten ebenfalls extra: 1,60 Euro bei elektronischer Zustellung - genauso viel wie ein herkömmliches Einwurfeinschreiben. Vom Postboten zugestellte ePostbrief-Einschreiben kosten jedoch mehr als in der Filiale abgegebene. Zum Vergleich: In der Filiale kostet die Zusatzleistung Einschreiben mit Rückschein 3,85 Euro, über ePostbrief 4,58 Euro. Hintergrund: Für das Filialeinschreiben fällt keine Mehrwertsteuer an.“

Und der Blick ins teure elektronische Postfach wird zur Pflicht: „Die Allgemeinen Geschäftsbedingen der Deutschen Post schreiben es genau vor: Nutzer sollten ihr Konto mindestens einmal je Werktag kontrollieren. Im Urlaub genauso wie bei Krankheit. Die Post argumentiert: Einen Internetanschluss gibt es schließlich überall.“

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