UBM / Nürnberg Messe

Überraschungscoup: MT-Connect und Medtec Europe sollen 2019 zur „Medtec Live“ verschmelzen

| Autor: Peter Reinhardt, Kathrin Schäfer

Dr. Roland Fleck, CEO Nürnberg Messe Group, und John van der Valk, Managing Director UBM EMEA Amsterdam, auf der Eröffnungspressekonferenz zur MT-Connect. In der Hand halten sie bereits den Flyer zur neuen Messe Medtec Live.
Dr. Roland Fleck, CEO Nürnberg Messe Group, und John van der Valk, Managing Director UBM EMEA Amsterdam, auf der Eröffnungspressekonferenz zur MT-Connect. In der Hand halten sie bereits den Flyer zur neuen Messe Medtec Live. (Bild: Thomas Geiger / NuernbergMesse)

Paukenschlag am ersten Messetag: Nach nur zwei Veranstaltungen kooperiert die Fachmesse MT-Connect ab 2019 mit der Medtec Europe. Die neue Veranstaltung heißt „Medtec Live“. Devicemed hat Fakten und Zahlen sowie die ersten Reaktionen von Branchenexperten zusammengefasst.

  • UBM und Nürnberg Messe planen, ihre Messekompetenzen beim Thema „Medizintechnik“ ab 2019 in Nürnberg zu bündeln
  • Vorhaben steht unter Vorbehalt der Freigabe durch die Kartellbehörden
  • Premiere im Messezentrum Nürnberg geplant für 21. bis 23. Mai 2019

Die beiden internationalen Messeveranstalter UBM und Nürnberg Messe beabsichtigen künftig ihre Kompetenzen im Segment Medizintechnik zu bündeln. Das haben sie heute Morgen auf der Pressekonferenz zur Eröffnung der diesjährigen MT-Connect verkündet.

Die neue Messe mit dem Namen „Medtec Live“ soll ab 2019 in Nürnberg die bisherigen Formate Medtec Europe (in Stuttgart) und MT-Connect (in Nürnberg) ersetzen. Die Idee wurde dem Bundeskartellamt zur Prüfung vorgelegt und steht deshalb noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die Kartellbehörden. Für den Fall eines positiven Ausgangs des Prüfungsverfahrens wollen die Nürnberg Messe und UBM das Vorhaben vorantreiben und dann baldmöglichst über Details zur künftigen Medtec Live öffentlich informieren.

Das sagen die Verantwortlichen über die neue Messe

Für John van der Valk, Managing Director von UBM EMEA Amsterdam, ein richtiger Schritt mit wertvollem Kundenmehrwert: „Entsprechend dem aktuellen Vorschlag böte Medtec Live künftig den Vorteil, dass alle wichtigen nationalen und internationalen Akteure der Medizintechnik sich an einem Ort treffen. Dies spart Zeit und Kosten für unsere Kunden und bietet einen 360-Grad-Blick auf die gesamte Branche”.

Für Dr. Roland Fleck, CEO der Nürnberg Messe Group, ein konsequent gesetzter Meilenstein: „Wir sind stolz, dass Medtec Live ab 2019 in Nürnberg stattfinden soll. Im Herzen der deutschland- und europaweit starken Medizintechnik-Regionen Bayern und Baden-Württemberg gelegen, soll die Medtec Live zukünftig zur europäischen Plattform der Medizintechnikbranche werden.“ Peter Ottmann, CEO der Nürnberg Messe Group , unterstreicht die Entscheidung für Nürnberg als geplanten Standort für die Medtec Live: „Mit dem neuen zu entwickelnden Messeformat gehen wir einen spannenden Schritt, der auch ganz klar die besondere Attraktivität des Standorts Nürnberg für internationale Messen und Kongresse unter Beweis stellt.“

Drei Messen – eine zu viel für die Medizintechnikbranche?

Die Ankündigung der beiden Messeveranstalter kommt überraschend, ist die MT-Connect doch erst 2017 als Wettbewerbsveranstaltung zur Medtec Europe ins Leben gerufen worden. Mit dem aktuellen Termin knapp eine Woche vor der Medtec Europe war die MT-Connect außerdem in eine direkte Angriffsposition gegangen. Für den Medizintechnikmarkt war diese Situation nicht vorteilhaft: Denn drei Zuliefermessen für die Medizintechnik auf deutschem Boden (die Compamed ist mit zirka 800 Ausstellern seit Jahren die unangefochtene Nummer 1) waren auf Dauer eine zu viel. Dies machte sich auch in den Ausstellerzahlen bemerkbar: 601 Aussteller auf der Medtec Europe 2017 stehen nur noch 480 Aussteller auf der Medtec Europe 2018 gegenüber, die am 17. April in Stuttgart startet. Und auch die MT-Connect konnte in ihrem zweiten Messejahr mit nur 150 Ausstellern nicht an den Erfolg von 2017 mit 200 Ausstellern anknüpfen.

Erste Reaktionen auf die Ankündigung zur Medtec Live

Ilse Widmann, Marketing-Direktorin bei der MST-Group, begrüßt denn auch die geplante Zusammenlegung. „Ich find's gut“, sagt sie spontan, nachdem sich MST als Erstaussteller auf der MT-Connect 2017 in diesem Jahr gegen eine erneute Präsenz in Nürnberg entschieden hatte. Auf der Medtec Europe zählt MST seit vielen Jahren zu den Ausstellern. Nicht ganz so vorteilhaft findet sie allerdings den Termin im Mai gelegt, da dieser Monat mit Feiertagen bereits sehr wenige Werktage bietet.

Niklas Kuczaty von der Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik im VDMA wollte indes spontan kein Statement geben. Nur so viel sei gesagt: Als Partner und Unterstützer der Medtec Europe war die Arbeitsgemeinschaft in die Überlegungen zur bevorstehenden Messekooperation einbezogen und ist auch steht auch für folgende Gespräche zur Verfügung.

Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbandes Elektromedizinische Technik und zugleich Mitglied im Expertenbeirat der MT-Connect, sieht in der geplanten Kooperation das Netzwerk-Konzept bestätigt. Insofern steht er der kommenden Medtec Live positiv gegenüber: „Die Technologien werden immer komplexer – und mit ihnen auch die Komponenten. Hersteller benötigen daher einen funktionierenden Marktplatz, auf dem sie sich über Entwicklungspartnerschaften austauschen können, um sich selbst auf die Kernkompetenzen konzentrieren zu können." Dafür sieht er mit Medtec Live gute Chancen.

Jörg Warrelmann, Sales Director Medical Europe der Business Unit Lighting and Imaging von Schott, ist als Besucher auf der MT-Connect unterwegs und hat hier vor allem den Kongress im Visier. „Der ist leider eher kleiner geworden.“ Warrelmann setzt daher seit geraumer Zeit verstärkt auf soziale Netzwerke. Vor allem mit Linked In habe er gute Erfahrungen gemacht. „Anders als auf Messen oder Kongressen kann ich da anstelle des Vertriebs ganz gezielt Entwickler und Produktmanager ansprechen.“ Ein Besuch der neuen Messe Medtec Live ist für ihn daher eher unwahrscheinlich.

Manfred Beeres, Pressesprecher des BV-Med, findet vor allem an der Vernetzung von Messe und Kongress Gefallen – und der starken Vernetzung über die verschiedenen Cluster in Nürnberg/Erlangen und Bayern. Das hat den Verband dazu bewogen, sich in diesem Jahr erstmals als ideeller Träger zu engagieren. „Das Konzept ist gut – und das gilt auch für die neue Konstellation ab 2019.“ Insofern kann er sich sehr gut vorstellen, dass sich der BV-Med hier weiter engagiert.

Dagegen ist Thomas Oestereich, Vertriebsleiter beim MT-Connect-Aussteller BGS Beta-Gamma-Service (BGS), eher skeptisch, was die bevorstehende Kooperation angeht. „Wir hatten zwar als Aussteller auf der MT-Connect 2017 vergleichsweise gute Kontakte, sind aber von der diesjährigen Messe enttäuscht.“ Mangels guter Kontakte hat BGS schon seit zwei Jahren nicht mehr auf der Medtec Europe in Stuttgart ausgestellt. „Wenn sich nun zwei Kranke ins Bett legen, kann dabei niemand gesund werden“, so Oestereichs bildlicher Vergleich.

Die Entwicklung der Medtec Europe

Zum Hintergrund: Die Erstveranstaltung der Medtec Europe im Jahr 2001 fand noch auf dem Messegelände auf dem Stuttgarter Killesberg statt. 2008 folgte dann der Umzug auf das Gelände der neuen Landesmesse Stuttgart in unmittelbarer Nähe zum Flughafen. Hier wie dort präsentierte sich die Messe lange Zeit als Erfolgsmodell, das nach und nach europaweit adaptiert wurde. Zwischenzeitlich gab es Ableger in Irland, Großbritannien, Frankreich und Italien, die aber inzwischen allesamt wieder in die Medtec Europe „integriert sind“, wie es so schön heißt.

Sowohl die Besucher- als auch die Ausstellerzahlen der Medtec Europe waren zuletzt nicht mehr wirklich zurfriedenstellend.
 (1) Den sprunghaften Schwund erklärt der Veranstalter zum Teil mit einer leicht modifizierten Zählweise, bei der Mehr-Tages-Besucher nur einfach erfasst werden.
 (2) Laut Ausstellerliste (online) vom 6.4.2018.
 (3) erwartet.
Sowohl die Besucher- als auch die Ausstellerzahlen der Medtec Europe waren zuletzt nicht mehr wirklich zurfriedenstellend.
 (1) Den sprunghaften Schwund erklärt der Veranstalter zum Teil mit einer leicht modifizierten Zählweise, bei der Mehr-Tages-Besucher nur einfach erfasst werden.
 (2) Laut Ausstellerliste (online) vom 6.4.2018.
 (3) erwartet. (Bild: Reinhardt / Devicemed)

Aber seit dem Höhepunkt 2012 mit über 1.000 Ausstellern und rund als 14.000 Besuchern, setzte eine Negativentwicklung ein, die sich bis heute in rückläufigen Ausstellerzahlen widerspiegelt. Auch ganze Gemeinschaftsstände wie der des Medizintechnik-Clusters Österreich haben der Messe den Rücken gekehrt – und mit ihnen Besucher. So ist eine Negativspirale in Gang gekommen, deren Trend trotz einer Vielzahl von inhaltlich-programmatischen und strukturellen Verbesserungsmaßnahmen bislang bestenfalls gestoppt, aber noch nicht wieder in Wachstum umgekehrt werden konnte.

Newcomer MT-Connect: Ausstellerrückgang im zweiten Jahr

Andererseits musste auch die Nürnberg Messe feststellen, dass im Verdrängungswettbewerb gegen die Medtec Europe so einfach keine hinreichend große Messe zu etablieren ist. Dem ursprünglich angemeldeten Anspruch, langfristig zur Weltleitmesse zu wachsen, folgten doch eher ernüchternde Zahlen: knapp 200 Aussteller und 1.900 Besucher im Jahr 2017. Dieses Jahr ist die Ausstellerzahl sogar auf rund 150 gesunken.

Kooperation ist die logische Konsequenz

Eine Kooperation der beiden Messeveranstalter scheint also die logische Konsequenz, wobei sowohl der Standort Stuttgart wie auch der neue gemeinsame Messestandort Nürnberg ihre spezifischen Vorteile haben. Nachteilig für Besucher und Aussteller aus der Schweiz ist an Nürnberg die deutlich längere Anreise mit dem Zug. Während der ICE von Zürich nach Stuttgart (Hauptbahnhof) weniger als 3 Stunden unterwegs ist, braucht er für die Strecke nach Nürnberg je nach Uhrzeit zwischen 6 und 7 Stunden. An einem Tag ist das nicht mehr zu bewältigen. Analog verschlechtert sich auch die Anreise für Besucher aus Frankreich. Hingegen haben Besucher aus dem Bereich des Medizintechnik-Clusters Oberösterreich oder Tschechien bei der Anreise nach Nürnberg Vorteile.

Vorteile Messe-Standort Stuttgart

  • Nähe zur Schweiz und zu Frankreich
  • Nähe zu Tuttlingen als „Weltzentrum der Medizintechnik“
  • Nähe zu zahlreichen Zulieferern im Großraum Baden-Württemberg
  • Internationaler Flughafen in unmittelbarer Nähe
  • Neues, modernes Messegelände

Vorteile Messe-Standort Nürnberg

  • Zentrale Lage in der europäischen Metropolregion Nürnberg
  • Nähe zum Medical Valley
  • Nähe zu Siemens Healthineers und zahlreichen weiteren Medizintechnik-Herstellern im Großraum Nürnberg, Erlangen, Feucht
  • Nähe zum Uniklinikum Erlangen und zahlreichen weiteren Kliniken sowie Forschungseinrichtungen

Wie reagiert die Messe Stuttgart?

Spannend ist nun zu beobachten, wie die Messe Stuttgart als bisheriger Gastgeber von UBM und damit der Medtec Europe auf die entstehende Medizintechnik-Vakanz reagiert. Denkbar ist durchaus, dass hier schon bald Gespräche mit der Industrie über eine wie auch immer geartete Austauschplattform zum Thema Medizintechnik folgen werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Stuttgart für den starken Schweizer Markt als Tor zu Europa gilt. Sollte das Kartellamt dem Antrag von UBM und der Nürnberg Messe stattgeben, besteht in Stuttgart die Chance für einen Neuanfang.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Partnerportal Devicemed.

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