Schnelles Internet in Deutschland

Überblick: Breitbandversorgung der einzelnen Bundesländer

| Autor: Ira Zahorsky

Bremen, Hamburg und Hessen

Bremen

Nach der zweiten Zielvorgabe der Bundesregierung sollten bis 2014 für 75 Prozent (2018 für 100 Prozent) aller privaten Haushalte Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung stehen. Eigene georeferenzierte Breitband-Infrastrukturdaten stehen im Land Bremen zurzeit nicht zur Verfügung. Nach dem von der Bundesregierung bereit gestellten und vom TÜV-Rheinland betriebenen Breitbandatlas als auch nach Angaben der Telekommunikationsunternehmen wurde das für 2014 genannte Ziel der Breitbandstrategie im Bereich der privaten Haushalte im Land Bremen bereits marktgetrieben technologieneutral erreicht.

So bestehen Glasfaserinfrastrukturen im Land Bremen überwiegend bis zu den Kabelverzweigern (FTTC/VDSL-Technologie). Neben diesen Infrastrukturen bestehen rückkanalfähige Koaxialnetze (Kupfer-Koaxial/Glasfaser; Kabelfernsehnetz) die im Netz der Kabel Deutschland AG auf DOCSIS-3.0-Standard in Bremen und Bremerhaven aufgerüstet wurden. Der Ausbau mit Glasfaser-Hochleistungsnetzen stellt sich in Bremen im Bereich der privaten Haushalte prioritär im Bereich der so genannten „letzten Meile“ (TAL-Anschlüsse) mit Ausbau von Glasfaser in das Gebäude (FTTB) bzw. zum jeweiligen Teilnehmeranschluss (FTTH) dar.

Im Bereich der leitungsgebundenen Infrastrukturen sollte das langfristige Ziel eines flächendeckenden Ausbaus somit sein, die Glasfasertechnologie immer näher zum Kunden zu bringen. Ein Abschlussdatum für ein solches Ziel beziehungsweise einer solchen der Breitbandstrategie übergreifenden Entwicklung ist hierbei in Abhängigkeit von den jeweiligen wachsenden Bedarfen und Anwendungen der Nutzer sowie den hiermit in Zusammenhang stehenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen entsprechender Infrastrukturausbaumaßnahmen der Telekommunikationsunternehmen zu sehen.

Um aber einen solchen Prozess, auch über den in der Breitbandstrategie genannten Zielen hinaus, kontinuierlich zu unterstützen, sieht Bremen insbesondere in der Verbesserung der Rahmenbedingungen einen zentralen kommunalen Aufgabenbereich. Hierzu finden seitens des Wirtschaftsressorts und der Wirtschaftsförderung Bremen/Bremerhaven (WFB/BIS) Gespräche mit den beteiligten Telekommunikationsunternehmen statt. Im Fokus der noch nicht abgeschlossenen Abstimmungen stehen die Prüfungen von Maßnahmen zur kontinuierlichen Optimierung der Breitbandinfrastrukturen. Ziel des Landes ist es hierbei, einen unterstützenden Informations-, Organisations- und Kommunikationsrahmen zwischen Verwaltung, den beteiligten TK-Unternehmen sowie den Kunden und deren potenziell wachsenden Anforderungen zu entwickeln, der zur Förderung und Beschleunigung marktgetriebener wettbewerblicher Lösungen hinsichtlich der weiteren Entwicklung und des weiteren Ausbaus von Hochleistungsnetzen (Glasfaser) im Land Bremen beiträgt.

Hamburg

In Hamburg lag Mitte des Jahres 2013 die Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen mit einer Leistung von mindestens 50 MBit/s nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums bereits bei 88 Prozent der Haushalte. Ein Marktteilnehmer gibt sogar an, bereits fast 95 Prozent der Haushalte mit Verbindungen über 100 Mbit/s versorgen zu können. Eine große Zahl von Häusern/Wohnungen ist bereits mit FTTH oder vergleichbaren Strukturen angebunden. Auch in den ländlichen Regionen an den Stadtgrenzen sind dort, wo der Festnetzanschluss nicht ausreicht, über die LTE-Mobilfunktechnologie Breitbandverbindungen möglich.

In einem großen Innenstadtbereich bis zum Hafen wird zudem durch einen Marktteilnehmer ein flächendeckendes öffentliches WLAN-Netz aufgebaut, das allen Nutzern eine einstündige kostenlose Nutzung ermöglicht. Mindestens ein anderes Unternehmen verstärkt ebenfalls massiv den WLAN-Hotspot-Ausbau.

Hamburg ist somit im Vergleich der Bundesländer hinsichtlich der verfügbaren Breitbandinfrastruktur hervorragend aufgestellt.

Konkrete weitere Ausbauplanungen überlässt Hamburg angesichts der dargestellten Situation den Netzbetreibern. Hamburg steht damit im Einklang mit Artikel 87 f des Grundgesetzes. Danach werden Telekommunikationsdienstleistungen als privatwirtschaftliche Tätigkeiten durch die Deutsche Telekom und andere private Anbieter erbracht.

Hessen

Auf Basis des aktuellen Breitbandatlasses des Bundes besteht für 62,4 Prozent der hessischen Haushalte eine Versorgungsmöglichkeit von mindestens 50 Mbit/s. Der Odenwaldkreis ist mit einer Versorgungsquote von 92,4 Prozent der bestversorgte Landkreis in Hessen und Deutschland.

Alle hessischen Landkreise sind aktiv. Da gibt es etwa den Odenwaldkreis, der sehr früh den volkswirtschaftlichen Nutzen einer flächendeckenden Breitbandversorgung erkannt, sehr engagiert auf die Herausforderungen reagiert hat und seit Juli 2012 ein eigenes Netz betreibt. Es gibt beispielsweise den Landkreis Marburg-Biedenkopf, der in Kooperation mit der Deutschen Telekom die Versorgung umsetzt und es gibt andere Kreise, deren Planungen abgeschlossen sind und die sich in der Übergangsphase zum Ausbau befinden.

Das Volumen des Darlehens- und Bürgschaftsprogramms ist von 200 auf 350 Millionen Euro aufgestockt worden. Das weist auf die enorme Bedeutung des Instruments hin und eröffnet weiteren Landkreisen die Möglichkeit, das Programm zu nutzen. Weiterhin unterstützt das Projekt des Landes Hessen kommunale Netze mit einem Marketing-Leitfaden, der kurz vor der Veröffentlichung steht. In der Analyse von Projektverläufen wurde festgestellt, dass hier Nachholbedarf besteht. Der Ausbau alleine reicht nicht, er muss auch bekannt gemacht werden. Je schneller die Verträge abgeschlossen werden, desto leichter fällt am Ende die Finanzierung.

Insgesamt geht es für das Land momentan darum, sich als Koordinator einzubringen, die richtigen Partner miteinander ins Gespräch zu bringen und bei Friktionen zu vermitteln. Das geschieht aus dem Projekt heraus und über die Beratungsinfrastruktur, die aufgebaut wurde und die bundesweit Beachtung gefunden hat. Die Gesamtsteuerung des Projekts obliegt einem interministeriellen Lenkungsausschuss unter Leitung von Wirtschaftsstaatssekretär Mathias Samson, die Projektsteuerung wird durch ein Referat im Wirtschaftsministerium wahrgenommen. Über die Projektleitung und Geschäftsstelle Breitband bei der Hessen Trade & Invest, der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Landes, werden vier regionale Breitbandberater gesteuert, die an das Projekt berichten und den Landkreisen als fachliche Ansprechpartner dienen. Außerdem betreuen 21 Kreiskoordinatoren die Planung und den Ausbau vor Ort. Weiterer Partner – vor allem bei der monetären Förderung – ist die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen. Über diese Struktur funktioniert der Informationsfluss von oben nach unten und zurück, außerdem kann so steuernd beeinflusst werden.

Bis Ende des Jahres 2014 sollen 75 Prozent der hessischen Haushalte eine Versorgungsmöglichkeit mit mindestens 50 Mbit/s bekommen. Bis zum Jahr 2018 soll eine Flächendeckung erreicht werden. Der Ausbau erfolgt auf Basis der NGA-Strategie des Landes.

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Breitband in Berlin allerorten möglich? Nein, nur mit Abstrichen: http://www.dslnachpankow.de/  lesen
posted am 02.06.2014 um 23:01 von Unregistriert


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