Verwaltung 2030

Trends, Ausblick und Handlungsoptionen

15.10.2009 | Redakteur: Manfred Klein

Albert Einstein sagte einmal: „Um für die Anforderungen der Zukunft gerüstet zu sein, ist es notwendig, eine Vorstellung von der Zukunft zu haben.“ Wie schnell sich die Welt verändert, zeigt der Blick zurück: Vor 20 Jahren waren wir noch im kalten Krieg, Deutschland war geteilt, die Europäische Union hatte lediglich zehn Mitglieder, der Energieverbrauch und der CO2-Ausstoß waren um ein Drittel geringer als heute und die Erdbevölkerung betrug „nur“ fünf Milliarden Menschen. Die Verwaltung kannte kaum PCs, Kommunikation lief über Festnetztelefonie mit Wählscheibe und Briefpost. Die Arbeitsausstattung war Taschenrechner und Schreibmaschine und Meetings hießen noch Besprechungen. Kaum zu glauben, dass dies erst 20 Jahre her ist.

Und wie werden wohl die Welt und die Verwaltung in den nächsten 20 Jahren aussehen?

Mit dieser Frage beschäftigt sich auf Initiative von Alexander Schmid, Associate Managing Director bei der Management- und Technologieberatung BearingPoint, ein exklusiver Kreis aus Managementberatern, Verwaltung und Politik. Dabei werden die prognostizierten Entwicklungen für Weltpolitik, Wirtschaft, Demografie, Arbeitsmarkt und Bildung, Infrastruktur, Energie und Umwelt sowie Informations- und Kommunikationstechnik zusammengetragen.

Aus diesen Trends hat der Kreis Auswirkungen auf und Anforderungen an die Verwaltung abgeleitet und zeigt Handlungsoptionen für die Zukunft auf, die im Folgenden beschrieben werden:

In der weltpolitischen Entwicklung werden sich in 20 Jahren neben den USA weitere Mächte mit offenen Hegemonialansprüchen etabliert haben, die Konflikte um Ressourcen werden sich verschärft haben und Deutschland wird nur noch als einflussreiches Mitglied einer durch Reformen erweiterten Europäischen Union (EU) Einfluss nehmen können.

Dies führt zu deutlichen Kompetenzverlagerungen hin zur EU. Bund und Länder werden ihre Umsetzungskompetenz aus Vorgaben der EU und aus anderen internationalen Verträgen erhalten. Es stellt sich daher die Frage, wie Deutschland seine Rolle in einer handlungsfähigen EU sichern kann, und wie sich die Verwaltung auf die Kompetenzverlagerung einstellen kann. Dabei werden höhere Qualifikationen, insbesondere auch die Mehrsprachigkeit der ausführenden Stellen, und eine Veränderung der Aufgaben- und Ressourcenverteilung entscheidend sein.

Die Weltwirtschaft wird jährlich um vier Prozent wachsen. Deutschland wird mit Wachstumsraten von lediglich 1,7 Prozent unterhalb des EU-Durchschnitts bleiben. Dabei werden in Deutschland dennoch rund 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. Nach einem Anstieg der Arbeitskosten werden die steigenden Energie- und Rohstoffpreise dazu führen, dass Deutschland als rohstoffarmes Land sich als Bildungsstandort in der Welt behaupten muss.

Antworten auf die globalen Herausforderungen

Daraus ergeben sich folgende Fragen: Wie kann die Verwaltung sich auf die globalen Anforderungen vorbereiten, wie können Verwaltungsangebote flexibilisiert werden, und wie kann die Verwaltung ihre zunehmende Kontrollfunktion wahrnehmen? Antworten liegen zum Beispiel in der Bildung durchgängiger Prozessketten zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Bürgern sowie in der Erhöhung der Kooperationsfähigkeit der Verwaltung.

Die Weltbevölkerung wird 2030 auf etwa 8,2 Milliarden und 2050 auf 9,2 Milliarden Menschen angewachsen sein. In den Industrienationen wird die Bevölkerungszahl hingegen eher stabil bleiben. Die Lebenserwartung wird steigen und damit der Anteil der über 65-Jährigen in Deutschland von heute 23 Prozent auf 30 Prozent angewachsen sein. In der Folge wird Deutschland zu einem wichtigen Einwanderungsland werden – und dennoch werden gleichzeitig bestimmte Landstriche entvölkert sein.

Für die Verwaltung bedeutet dies – insbesondere bei Berufen, die im Wettbewerb zur Wirtschaft stehen – Probleme in der Stellennachbesetzung, Wissensverluste durch hohe Pensionierungsraten, ein höherer Anteil von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund, steigende Pensionslasten (plus 130 Prozent) sowie Veränderungen im Nachfrageverhalten der Kunden.

Wie kann das Dienstleistungsangebot der Verwaltung dabei regional, inhaltlich und qualitativ gesichert werden? Lösungsansätze liegen in der aktiveren Nutzung von Dritten aus der Wirtschaft, in der Schaffung moderner Arbeitsplätze sowie in der Aus- und Fortbildung. Vor allem aber stellt eine effektivere Arbeitsteilung in der Verwaltung, zum Beispiel zwischen Ländern sowie Ländern und Kommunen, einen Lösungsansatz dar. Durch Arbeitsteilung und Zusammenarbeit sowie einer konsequenten Trennung von Front Office und Back Office ließen sich zum Beispiel auch in strukturschwachen Gebieten Verwaltungen leistungsfähig organisieren.

In den Bereichen Arbeitsmarkt und Bildung ist mit einer durchgehenden Verflechtung der globalen Arbeitsmärkte, verstärktem Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte, höheren Bildungsniveaus sowie abnehmender Jobsicherheit für alle Qualifikationsniveaus zu rechnen. Dies wird in der Verwaltung zu wachsenden Problemen bei der Besetzung höher qualifizierter Stellen, zur Differenzierung verfügbarer Laufbahnmodelle und Flexibilisierung der Arbeit sowie zu einem durchgehenden Kulturwandel der Arbeitsorganisation mit vermehrter Projektarbeit führen.

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