Interview

Thüringer CIO krempelt die Ärmel hoch

| Autor: Manfred Klein

Welche weiteren Vorhaben will der Freistaat umsetzen?

Schubert: Wir wollen die Palette der eGovernment-Angebote im Land erweitern. Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger sollen immer mehr Verwaltungsangelegenheiten online erledigen können. Allerdings betrifft das die Landesverwaltung – vielleicht mit Ausnahme der Steuerverwaltung, denn inzwischen geben bereits 67 Prozent der Bürger ihre Steuererklärung elektronisch ab, womit Thüringen Spitzenreiter bei Elster ist, – nicht in dem Maße wie die Kommunen. Die meisten Verwaltungsangelegenheiten wickelt der Bürger mit seiner Kommune ab. Ähnlich wie beim Serviceportal und den Anwendungen Zuständigkeitsfinder und Formularservice will das Land eine Plattform bieten, die die Kommunen mitnutzen können. Der Bürger sieht dann gar nicht, dass sein Antrag technisch gesehen im Landesrechenzentrum verarbeitet wird. Ein aktuelles Beispiel aus Thüringen ist die ITP-App. Für die Eingliederungshilfe läuft über die Verwaltungsplattform ThAVEL Thüringer Antragsystem für Verwaltungsleitungen – ein passgenaues elektronisches Verfahren, an dem verschiedene Behörden beteiligt sind.

Wie wird bei der IT-Konsolidierung die Zusammenarbeit mit den Kollegen in den verschiedenen Ressorts der Landesverwaltung organisiert?

Schubert: Zusammen mit der IT-Strategie hat das Land entsprechende Strukturen ausgebildet. Zunächst bin ich als CIO der Hauptverantwortliche im Freistaat für das Thema IT und eGovernment der Landesverwaltung. Im Finanzministerium sitzt eine Koordinierungsstelle. Ressortübergreifend wirkt der Lenkungsausschuss, ein Gremium in dem alle Zentralabteilungsleiter der einzelnen Ressorts einen Sitz haben. Dieses Gremium tagt etwa zwei- bis dreimal im Jahr, wobei alle IT-Maßnahmen gemeinsam abgestimmt werden.

Reicht diese doch relativ geringe Frequenz aus?

Schubert: Ja, das ist völlig ausreichend, weil die einzelnen Themen auf der Fachebene intensiv vorbereitet und dann nach den Maßgaben des Lenkungsausschusses umgesetzt werden. Der Lenkungsausschuss gibt also die strategische Marschrichtung vor. Das Votum des Lenkungsausschusses wirkt als Empfehlung für die Kabinettbefassungen. Differenzen können in der Regel schon hier vorab ausgeräumt werden. Kurzum: dieses Gremium ist sehr wertvoll, weil alle Ressorts dort unterschiedliche Positionen ausdiskutieren und sich auf die nächsten Schritte verständigen können. Denn natürlich wollen die Zuständigen vor Ort ihrer Verantwortung auch weiterhin nachkommen. Und natürlich müssen wir den besonderen technischen und organisatorischen Anforderungen der Fachbereiche Rechnung tragen. Dennoch kann heute nicht mehr jeder sein eigenes Süppchen kochen. Da reichen die Zutaten, sprich die Ressourcen, schon lange nicht mehr. Das wissen und merken alle Kolleginnen und Kollegen. Wir sind deshalb bislang immer zu einer Einigung gekommen, die allen schmeckt.

Müssen die Entscheidungen, wie in vielen Fällen im IT-Planungsrat auch, einstimmig getroffen werden?

Schubert: Ja, die Beschlüsse müssen einstimmig getroffen werden, das gibt die Geschäftsordnung des Gremiums vor. Da das Ressortprinzip in der Landesverwaltung gilt, wäre mit einem Mehrheitsbeschluss ja nichts erreicht. Wie für den IT-Planungsrat gilt auch hier: Wenn nur einer nicht mitzieht, dann ist – zum Beispiel unter dem Gesichtspunkt der Kosteneinsparung - nichts gewonnen.

Hinzu kommt, dass der Lenkungsausschuss als ein Abstimmungs- und nicht als ein Entscheidungsgremium fungiert. Die wichtigen Entscheidungen müssen ohnehin vom Kabinett verabschiedet werden. Die vorgelagerte Abstimmungsstruktur führt im Freistaat Thüringen zügig zu tragfähigen Ergebnissen.

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Der wichtigste Aspekt wurde nicht angesprochen - IT-Personal in der Landesverwaltung ! Mit keinem...  lesen
posted am 03.06.2016 um 11:33 von Unregistriert


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