Interview

Thüringer CIO krempelt die Ärmel hoch

| Autor: Manfred Klein

Das Thüringer Finanzministerium ist für eGovernment verantwortlich
Das Thüringer Finanzministerium ist für eGovernment verantwortlich (Bild: Finanzministerium_Thüringen)

Konsolidierung und Zentralisierung beherrschen die Agenda des Thüringer CIO und Finanzstaatssekretärs Dr. Hartmut Schubert. Schubert setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit den Ministerien und den Kommunen.

Herr Schubert, wie kam es zu den zahlreichen Aktivitäten der vergangenen Wochen?

Schubert: Der Koalitionsvertrag, die Richtschnur für die neue Thüringer Landesregierung setzt einen Schwerpunkt in den Bereichen eGovernment und Digitalisierung. Diese Vereinbarung ist ein klares Statement für eGovernment und stärkt mir den Rücken. Denn meine Vorgänger sind nicht zuletzt daran gescheitert, dass es vonseiten der Landesregierung nicht gewollt war, die Landes-IT zentral zu steuern und das Thema ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen. Der Koalitionsvertrag, den die neuen Regierungsfraktionen vor gut anderthalb Jahren geschlossen haben, holt das jetzt nach. Und das war dringend nötig. Natürlich stehen wir noch am Anfang. Wir haben zwar in Thüringen mit den Verantwortlichen in der Verwaltung bereits viele Beschlüsse verabschiedet und Entscheidungen getroffen, aber jetzt müssen wir die Umsetzung angehen.

Welche Schritte sind als nächstes geplant?

Schubert: Im Freistaat hat sich in den vergangenen Jahren in der Landesverwaltung eine ausgesprochen disparate IT-Landschaft entwickelt. Diese Entwicklung ist zum einen natürlich der Ressorthoheit geschuldet, die es jedem Haus erlaubt, nach eigenen Vorstellungen zu agieren und dem schon genannten Umstand, dass vorhergehende Landesregierungen andere Verwaltungsbereiche in den Mittelpunkt stellten. Zum anderen verlief die technologische Entwicklung in den vergangenen Jahren so rasant, dass die Verwaltung eigentlich gar nicht mehr richtig planen konnte. In Summe leidet die Manövrierfähigkeit erheblich. Unter organisatorischen, vor allem aber finanziellen Gesichtspunkten ist das einfach unvernünftig.

Deshalb steht in Thüringen in den nächsten Jahren zuerst eine umfassende IT-Konsolidierung im Lastenheft. Sobald es technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, werden die zahlreichen IT-Standorte in den verschiedenen Ressorts aufgelöst und ins Landesrechenzentrum überführt. Natürlich hat das Finanzministerium als federführendes Ressort bei diesem 'Strukturwandel' mit den bekannten Vorbehalten und Ängsten in den anderen Ressorts zu kämpfen. Als CIO des Landes Thüringen sehe ich es daher als eine meiner wichtigen Aufgaben an, mit den Kollegen zu reden und Überzeugungsarbeit zu leisten. Ich glaube, wir sind dabei bereits ein gutes Stück vorangekommen.

Weiterhin arbeitet das Thüringer Finanzministerium natürlich daran, die Landesverwaltung zu modernisieren und sie für die Anforderungen des Informationszeitalters fit zu machen. In diesem Zusammenhang spielt auch das Vorhaben Transparenzgesetz eine Rolle. Die Thüringer Regierungskoalition misst einem Transparenzgesetz große Bedeutung bei und will eine entsprechende Vorlage noch in diesem Jahr in den Landtag einbringen.

Neben den juristischen Vorbereitungen würde zur erfolgreichen Umsetzung eines solchen Gesetzes eine elektronische Akte in der Landesverwaltung beitragen. Ohne eine, die elektronische Veröffentlichung vorbereitende Infrastruktur, ist die Umsetzung eines Transparenzgesetzes technisch gar nicht möglich oder zumindest sehr aufwändig. Denn offensichtlich müssen wir die Daten ja erst einmal elektronisch verfügbar haben. Eine Komponente hierfür wäre ein einheitliches Dokumentenmanagementsystem.

Die Einführung eines solchen Systems ist kürzlich vom Kabinett beschlossen worden. Bereits jetzt arbeiten schon einige Bereiche der Landesverwaltung mit der eAkte. Bis zum Jahr 2023 soll die eAkte dann flächendeckend in allen Ressorts eingesetzt werden.

Weshalb lässt sich das Land damit so lange Zeit?

Schubert: Ich weiß, dass das vielen zu langsam geht. Aber ehrlich gesagt, wenn man ein solches System für 17.000 IT-Arbeitsplätze einer Landesverwaltung einführen will, dann geht das nicht von heute auf morgen. Schnellschnell geht zu Lasten der Performance und der IT-Sicherheit. Die Bediensteten müssen mitgenommen und geschult werden. Eine Verwaltung muss verlässlich arbeiten, überstürztes und unorganisiertes Handeln ist da fehl am Platz.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Der wichtigste Aspekt wurde nicht angesprochen - IT-Personal in der Landesverwaltung ! Mit keinem...  lesen
posted am 03.06.2016 um 11:33 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44063535 / Projekte & Initiativen)