Aktuelle Studie des Instituts für Community Medicine

Telemedizin für Herzpatienten

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Die Telemedizin kann die Überlebenschancen von Herzpatienten erheblich verbessern
Die Telemedizin kann die Überlebenschancen von Herzpatienten erheblich verbessern (Bild: Bosch Healthcare)

Eine aktuelle Studie des Instituts für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald zeigt unter anderem: Die gut strukturierte Versorgung im telemedizinischen Versorgungsprogramm der AOK Nordost, „AOK- Curaplan Herz Plus“, erhöht nachweislich die Überlebenswahrscheinlichkeit.

„AOK- Curaplan Herz Plus“ erhöht nachweislich die Überlebenswahrscheinlichkeit der Teilnehmer in den ersten zwei Jahren nach Teilnahmebeginn. Die AOK hatte die Studie in Auftrag gegeben, um die Wirksamkeit des Programmes wissenschaftlich prüfen zu lassen.

Für die Analyse wurde eine Gruppe von Programmteilnehmern mit einer Kontrollgruppe von Nichtteilnehmern verglichen. Dabei standen zwei Aspekte im Vordergrund: Zum einen wolle man feststellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für die Patienten in der jeweiligen Gruppe war, ein beziehungsweise zwei Jahre nach Programmbeginn noch zu leben. Zum anderen sollte hier am konkreten Beispiel auch geprüft werden, inwieweit die Investitionen in ein solches Versorgungsprogramm auch zu gesundheitsökonomischen Effekten führen können.

Durchweg positive Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen eine positive Auswirkung des Programms, sowohl was die medizinischen als auch was die gesundheitsökonomischen Effekte betrifft. So konnte die Analyse nachweisen: Die gut strukturierte telemedizinische Betreuung in dem Programm erhöht nachweislich die Überlebenswahrscheinlichkeit der teilnehmenden Versicherten in den ersten zwei Jahren nach Teilnahmebeginn. So wiesen die Patienten in der Sensitivitätsanalyse, die aktiv an AOK-Curaplan Herz Plus teilnehmen, eine bis zu 70 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit auf als Nichtteilnehmer. Darüber hinaus konnten positive wirtschaftliche Effekte nachgewiesen werden. Dabei liegen die Einspareffekte insbesondere in der Sensitivitätsanalyse deutlich über den Programmkosten.

Dekompensation rechtzeitig erkennen

Im Kern geht es bei AOK-Curaplan Herz Plus darum, Zeichen einer drohenden kritischen Verschlechterung der Herzschwäche, einer sogenannten Dekompensation, rechtzeitig zu erkennen und sofort intervenieren zu können. So werden die Patienten noch in der regulären ambulanten Versorgung wieder stabilisiert und Krankenhausbehandlungen vermieden. Das Konzept besteht dabei grundsätzlich aus zwei wichtigen Säulen: der individuellen telefonischen Beratung und Betreuung der Patienten sowie der telemedizinischen Überwachung von Zeichen und Beschwerden der Herzinsuffizienz. Zu Letzteren zählt zum Beispiel ein durch Wassereinlagerungen ansteigendes Körpergewicht.

Patienten fühlen sich sicher

Mittlerweile sind mehr als 3.000 Versicherte der AOK Nordost in das Programm eingeschrieben, das im September mit dem ersten Preis des MSD-Gesundheitspreis 2014 ausgezeichnet wurde. AOK-Curaplan Herz Plus wird von der AOK Nordost gemeinsam mit der Gesellschaft für Patientenhilfe (DGP) und dem Unfallkrankenhaus Berlin durchgeführt. Die AOK Nordost hatte zusammen mit der DGP die Wirksamkeit ihres Programmes bereits in der Vergangenheit durch eigene Analysen und Patientenzufriedenheitsbefragungen

gemessen und positive Ergebnisse ermittelt. So ergaben diverse Befragungen, dass die teilnehmenden Versicherten sich in dem Programm gut betreut und damit auch sicherer fühlen.

Für die Studie stellte die AOK Nordost Routinedaten von Herzinsuffizienz- Patienten zur Verfügung, von denen 2.600 in AOK-Curaplan Herz Plus eingeschrieben waren. Für die Hauptanalyse wurden von diesen 2.600 Patienten nach der sogenannten „Intention to treat“-Methode 1.943 mit einer Kontrollgruppe von 3.719 Nichtteilnehmern verglichen. Beide Gruppen wiesen zu Beginn der Analyse die gleichen Voraussetzungen auf, was beispielsweise den Schweregrad der Krankheit, Alter und Geschlecht betraf. Für noch spezifischere Ergebnisse wurden in einer zusätzlichen Sensitivitätsanalyse 1.381 Patienten, die nachweislich aktiv am Programm teilgenommen haben, mit einer Kontrollgruppe verglichen.

Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann, Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald sagt dazu: „Die Ergebnisse der Evaluation zeigen deutlich die großen Chancen der telemedizinischen Versorgung für diese Patientengruppe. Nach zwei Jahren war die Überlebenswahrscheinlichkeit in der Teilnehmergruppe signifikant besser als in der Kontrollgruppe.“

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