Verbesserung der Lebensqualität

Telemedizin für chronisch Leberkranke

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Der „Personal Health Manager“

Dazu haben die Wissenschaftler die IT-Applikation „Personal Health Manager“ entwickelt. Patienten können sie bequem als App auf ihrem Tablet abrufen. Sie führt alle Daten von Geräten, die Blutdruck, Herzfrequenz, Gewicht, Temperatur und Leberwerte messen, sowie die Behandlungspläne aus der Care Flow Engine zusammen. „Es geht insbesondere darum, typische Komplikationen, die bei Lebererkrankungen entstehen, optimal zu behandeln“, sagt Kiefer. Das geschieht durch Tests, Fragen, Aufgaben oder Handlungsanweisungen.

Zum Beispiel wird der Patient regelmäßig aufgefordert, sein Gewicht und seine Leberwerte zu messen und Gedächtnisaufgaben zu lösen. Das lässt Rückschlüsse zu, wie stark er etwa an Enzephalopathie und Aszites leidet. Das System bewertet die Ergebnisse automatisch, schlägt Anpassungen von Medikamentendosen vor und gibt Handlungsempfehlungen, die dann von Arzt und Patient gemeinsam diskutiert werden. „Die Technologie ist zwar aktuell für Lebererkrankungen angepasst, im Prinzip aber für die telemedizinische Behandlung jeder chronischen Krankheit geeignet. Das bestehende System daraufhin anzupassen, ist unser mittelfristiges Ziel“, sagt Kiefer. Ein erster Prototyp der IT-Plattform wurde im letzten Jahr von Medizinern positiv getestet. Aktuell wird eine Studie in Großbritannien mit 20 Leberpatienten vorbereitet.

Sensoren messen Vitalität der Zellen

Die Mess-Sensorik für die Leberzellen hat am IBMT der Physiker Dr. Thomas Velten entwickelt: „Unsere Sensoren messen kontinuierlich die Vitalität der Zellen im Bioreaktor. Und das direkt an den Zellen. Das ist eine wichtige Ergänzung zu den konventionellen biochemischen Analysen. Durch die eingebauten Sensoren muss nicht für jede Messung in den Bioreaktor eingegriffen werden. Die Gefahr der Kontamination der Zellen bei der Behandlung ist dadurch gebannt. Dabei kommt die Impedanzspektroskopie zum Einsatz. Impedanz ist der Fachbegriff für den Stromwiderstand bei Wechselstrom. Geht es den Zellen schlechter, so ändert sich deren Impedanzspektrum. Bisher konnte der Effekt in kleineren Laborreaktoren nachgewiesen werden. Ende des Jahres wollen die Forscher das in größeren Bioreaktoren wiederholen, die vom Volumen her eine menschliche Leber ersetzen können. Die Online-Messung der Zellvitalität ist ein wichtiges Puzzleteil des IT-basierten Systems zur Unterstützung der Leber“, schließt Velten.

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