Entwicklungsstand

Telematikinfrastruktur für den Betrieb mit Echtdaten freigegeben

| Autor: Ira Zahorsky

Die „Datenautobahn für das Gesundheitswesen“ kann nun in den Praxisbetrieb übergehen.
Die „Datenautobahn für das Gesundheitswesen“ kann nun in den Praxisbetrieb übergehen. (Bild: eyetronic_Fotolia.com)

Die Telematikinfrastruktur – die „Datenautobahn für das Gesundheitswesen“ – ist nun für den zukünftigen Betrieb mit Echtdaten von rund 70 Millionen elektronischen Gesundheitskarten aufgebaut und wurde Ende April nach intensiver Prüfung durch die Gematik zur Nutzung freigegeben.

In einem ersten Schritt wurden die Fachdienste der Krankenkassen zur Unterstützung des Versichertenstammdatenmanagements (VSDM) bereits Mitte 2014 angebunden. Ende April wurde die Telematikinfrastruktur (TI) nun für den Betrieb mit Echtdaten freigegeben. Sobald die dazugehörigen Zugangsgeräte, wie der Konnektor, fertig sind, kann die TI damit in den (Zahn-)Arztpraxen und Krankenhäusern in den Praxisbetrieb übergehen.

Weitere Projekterfolge

Ebenfalls Ende April wurde ein erstes Bestandsnetz von Heilberuflern – das sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen (SNK) – an die TI angebunden. Auch ein bestehendes Zahnärzte-Netz soll nun eingebunden werden. Zudem wurde in der TI ein Konfigurationsdienst bereitgestellt, um damit Software-Updates und aktualisierte Konfigurationen der dezentralen Komponenten anzubieten.

Um das Gesundheitswesen datenschutzkonform und sicher zu vernetzen, müssen sich darüber hinaus alle Beteiligten im Netz als zugangsberechtigt identifizieren lassen – seien es Versicherte, Heilberufler, medizinische Institutionen, dezentrale Komponenten (wie z. B. Konnektoren in den Praxen) oder auch Dienste der zentralen TI-Plattform. Die technische Identifikation erfolgt verschlüsselt über von der Gematik zugelassene Sicherheitsinfrastrukturen (Public Key Infrastructures – PKI).

Testphase ab Herbst

Voraussichtlich im Herbst 2015 kann mit der Erprobung bei allen Teilnehmern begonnen werden. Bereits vorher werden die Inbetriebnahme und die Zulassung abgeschlossen. An der Erprobung des Online-Versichertenstammdatenabgleichs nehmen in zwei Testregionen insgesamt je 500 Praxen von niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten und Psychotherapeuten sowie fünf oder sechs Krankenhäuser teil. Nach aktueller Planung soll sich die Erprobung der Qualifizierten Elektronischen Signatur (QES) und der sicheren Kommunikation der Leistungserbringer (KOM-LE) der Erprobung des VSDM anschließen.

In der Testregion Nordwest (Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) wurde bereits im März die Teilnehmergewinnung erfolgreich abgeschlossen und von der Gematik geprüft. Auswahlkriterien waren unter anderem, dass Praxen mit verschiedener Größe und unterschiedlichen IT-Verwaltungssystemen ausgewählt wurden. Auch sollten Praxen mit mobilen Kartenlesegeräten und unterschiedlichen Internetanbindungen dabei sein. Damit soll sichergestellt werden, dass künftig alle Systeme in die Telematikinfrastruktur eingebunden werden können.

Wissenschaftliche Bewertung

Die Erprobung wird durch eine wissenschaftliche Evaluation der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg begleitet, deren Ziel es ist, die Akzeptanz und Praxistauglichkeit der neuen technischen Prozesse mit der elektronischen Gesundheitskarte zu analysieren. Dies soll aus Sicht der Anwender erfolgen, also der an der Erprobung teilnehmenden Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser sowie aus Sicht der Beteiligten, also der Patienten. Darüber hinaus sollen die Auswirkungen der Einführung der Anwendungen und Basisdienste auf interne Prozesse und Strukturen in den Institutionen der Leistungserbringer betrachtet. Aus den Ergebnissen der wissenschaftlichen Evaluation werden Empfehlungen für den bundesweiten Rollout abgeleitet.

Notfalldatenmanagement

Die Gematik-Gesellschafter hatten im November 2014 das Vorhaben „Notfalldatenmanagement-Sprint“ beschlossen, in dem bereits heute Prozesse aus der späteren Projektphase des Notfalldatenmanagements (NFDM) evaluiert werden. Hierbei soll bereits ohne Anbindung an die Telematikinfrastruktur untersucht werden, ob das Einwilligungsverfahren des Versicherten in die freiwillige Anwendung und das erstmalige Anlegen eines Notfalldatensatzes alltagstauglich sind sowie durch die Patientenverwaltungssysteme ausreichend unterstützt werden. Da die Integration von NFDM in die Primärsysteme für die Akzeptanz bei Versicherten und Ärzten bedeutsam ist, können so gegebenenfalls Optimierungspotenziale frühzeitig erkannt und genutzt werden, bevor die eigentliche Erprobung beginnt.

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