Green IT im Stromnetz Studie zu Verteilnetzen stellt fest: IT senkt Kosten der Energiewende

Redakteur: Ulrike Ostler

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) müssen mit der richtigen IT Zehntausende Kilometer neuer Stromtrassen nicht gebaut werden. Zudem könnten die pro Jahr zusätzlich anfallenden Betriebskosten um ein Fünftel niedriger ausfallen.

Firmen zum Thema

Der Schlüssel für die Einsparungen sind intelligente Strommesser in jedem Haushalt und eine bessere Steuerung der Stromverteilung, um die stark schwankende Zufuhr aus alternativen Energiequellen auszugleichen.
Der Schlüssel für die Einsparungen sind intelligente Strommesser in jedem Haushalt und eine bessere Steuerung der Stromverteilung, um die stark schwankende Zufuhr aus alternativen Energiequellen auszugleichen.
(Bild: BMWi)

Die IT kann‘s richten. Nach der umfangreichen BMWi-Studie „Moderne Verteilnetze in Deutschland“ könnte dank IT die Energiewende deutlich billiger sowie bürger- und umweltfreundlicher ausfallen. Darauf weist der Branchenverband-Verband Bitkom hin.

So sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bikom: „Die Verteilnetzstudie der Bundesregierung zeigt: Die Energiewende ist nur mit IT vernünftig realisierbar. Nun muss der Gesetzgeber aktiv werden.“

Laut Koalitionsvertrag muss noch in diesem Jahr die Grundlage geschaffen werden, um so genannte Smart Meter Gateways einzuführen. Mit diesen Geräten kann sich ein Stromabnehmer mit seinem Lieferanten, dem Netzbetreiber und anderen Akteuren des Energiesystems verbinden.

Rohleder stellt noch einmal die Vorteile heraus: „Die Teilnahme an einem entsprechend intelligenten Energienetz wird einfach, sicher und bezahlbar.“ 2015 müsse die Regulierung zudem endlich Anreize setzen, dass sich für Netzbetreiber die Investitionen in Intelligente Netztechnologien lohnen.

55 Prozent weniger neue Stromtrassen nötig

BMWi und Bitkom sind nicht die ersten, die den großen Nutzen von Smart-Metern für die Energiewende evaluieren. Im Juli 2014 hatte bereits eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) diesen beziffert.

Die neue Studie im Auftrag des BMWi hat nun den Ausbaubedarf der deutschen Verteilnetze abgeschätzt. Demnach könnte der notwendige Ausbau der Verteilnetze halbiert werden.

Diese Netze transportieren den Strom in die Ortschaften und Häuser. Ihre aktuelle Gesamtlänge beträgt derzeit rund 1,7 Millionen Kilometer (km). Ohne IT müssten bis zum Jahr 2032 zwischen 130.000 km bis 280.000 km zusätzliche Leitungen gebaut werden. Das würde 23 bis 49 Milliarden Euro kosten.

Deutschland zuckelt hinterher

Änderung im Netzausbaubedarf im Vergleich zum Referenzergebnis (konventioneller Netzausbau ohne Erzeugungsmanagement) sowie der nicht eingespeiste Strom bis zum Jahr 2032 („EEG 2014“
Änderung im Netzausbaubedarf im Vergleich zum Referenzergebnis (konventioneller Netzausbau ohne Erzeugungsmanagement) sowie der nicht eingespeiste Strom bis zum Jahr 2032 („EEG 2014“
(Bild: BmWi)

Laut den Gutachtern der RWTH Aachen, dem Oldenburger Institut für Informatik (OFFIS) sowie dem Beratungsunternehmen E-Bridge Consulting kann „eine optimale Kombination aus innovativen Planungskonzepten unter Verwendung intelligenter Technologien die notwendigen Investitionen halbieren und die durchschnittlichen jährlichen Zusatzkosten bis zu 20 Prozent senken“. Konkret müssten also mindestens 57.000 km Leitungen gar nicht erst gebaut werden – fast das Anderthalbfache des Erdumfangs.

Nach Ansicht des Bitkom hängt Deutschland bei der intelligenten Integration der Erneuerbaren Energien ins Stromnetz hinterher. So investierte China nach einem Analystenbericht von Bloomberg im Jahr 2013 bereits 4,3 Milliarden Dollar in Smart Grids, die USA 3,6 Milliarden.

„Deutschland könnte weltweit Vorreiter sowohl bei der Erzeugung der erneuerbaren Energien sowie deren intelligenter Integration ins Netz werden – aber nur, wenn nun schnell gehandelt wird“, sagt Rohleder. So lege Deutschland zu Recht den Fokus auf die Sicherheit der Intelligenten Energienetze. Dieser Faktor werde immer wichtiger.

Intelligente Steuerung

Beispielsweise schlägt die BMWi-Studie vor, dass die Netzbetreiber künftig Solar- und Wind-Anlagen in geringem Maße auch steuern können. Sollte ein Abregeln von maximal 3 Prozent der Leistung dieser Anlagen möglich sein, würde das den notwendigen Ausbau der Verteilnetze um 40 Prozent senken. Wenn – wie bereits heute an manchen Sonntagen – die Mehrheit des Stroms aus Erneuerbaren Energien stammt, dann muss auch deren kommunikative Anbindung sicher sein.

Deshalb stehen mit den – vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifizierten – Smart Meter Gateways künftig hochsichere Kommunikationsgeräte zur Verfügung. Sie ermöglichen eine verschlüsselte Kommunikation mit den anderen Akteuren des Energiesystems. „Die Energiewende kann nur durch den stärkeren Einsatz von IT gelingen“, sagt Rohleder. „Die Politik muss jetzt den Aufbau dieser Infrastruktur zügig vorantreiben, indem sie die Ankündigungen aus dem Koalitionsvertrag umsetzt.“

(ID:42993912)