Interview Strategische Kooperationen senken die IT-Kosten

Redakteur: Manfred Klein

Die Zentralstelle für IT und Multimedia des Landes Rheinland-Pfalz will die in der IT-Strategie des Landes festgeschriebenen Ziele zur Konsolidierung und Virtualisierung der IT-Landschaft konsequent umsetzen.

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Eine wichtige Rolle bei diesem Vorhaben spielen Rahmenverträge und strategische Kooperationen mit ausgewählten Herstellern. eGovernment Computing befragte Jürgen Häfner, den Leiter der Zentralstelle für IT, zu den Hintergründen dieser Strategie.

Herr Häfner, Rheinland-Pfalz setzt bei der Umsetzung seiner eGovernment- und IT-Strategie auf die Kooperation mit Unternehmen. Mit dem Virtualisierungsspezialisten VMware hat das Land jetzt einen Rahmenvertrag geschlossen. Welche Zielsetzung verfolgt das Land damit?

Häfner: Wir sind grundsätzlich stark an strategischen Kooperationen mit den für die Landesverwaltung maßgeblichen Unternehmen der IT-Branche interessiert und haben mittlerweile eine Reihe landesweiter Verträge abgeschlossen. Neben den damit einhergehenden Einsparungen führt dies insgesamt zu einer Qualitätsverbesserung hinsichtlich des Vertragsmanagements. Dies ist ein Effizienzgewinn, auf den wir stolz sind, den wir aber für unsere ureigenste Aufgabe halten. Sowohl die Landesregierung als auch die Ressorts erwarten diese Vorteile von dem zentralen IT-Management.

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Welche Rolle sollen zum Beispiel Virtualisierungstechnologien spielen, um die Effizienz der Landes-IT zu verbessern?

Häfner: Bei immer leistungsfähigerer verfügbarer Hardware ist es nahe liegend, sowohl die im Rechenzentrum des Landesbetriebs Daten und Information (LDI) als auch die in den Ressorts verbleibenden bisher physikalisch getrennte Server auf einer gemeinsamen Hardware zu betreiben, um insgesamt eine effektivere Ausnutzung dieser Systeme zu erreichen. Möglich wird dies durch Softwarelösungen verschiedener Anbieter am Markt, von denen VMware in der Landesverwaltung Rheinland-Pfalz derzeit den größten Verbreitungsgrad hat. Je mehr Anwendungen von der Virtualisierung profitieren, desto höher fallen die strukturellen Energieeinsparungen aus.

In unserem Rechenzentrum im LDI spielen künftig sowohl die Netzwerkvirtualisierung als auch die Speichervirtualisierung eine immer größere Rolle. So können wir das Netzwerk mandantenfähig machen und mehrere Verwaltungen auf einer technischen Plattform bedienen. Durch den Einsatz von virtuellen Firewalls wird auch dem individuellen Schutzbedarf einer jeden Verwaltung angemessen Rechnung getragen.

Auch im Speicherumfeld lassen sich durch die Nutzung virtueller Speichernetze sämtliche Plattensysteme und Bandbibliotheken zu einem gemeinsamen Speicherpool zusammenfassen, aus dem alle Anwendungen je nach Bedarf schöpfen können. Die Kapazitätsausnutzung verbessert sich im Durchschnitt um 70 Prozent – entsprechend weniger Speichermedien müssen neu gekauft und anschließend betrieben und gewartet werden. In den Ressorts ermöglicht die Virtualisierung eine bessere und schnellere Aufgabenerfüllung durch vorhandenes IT-Personal. Das Verhältnis der Serversysteme, die pro Administrator betreut werden können, ist deutlich optimierbar. Es entsteht anfänglich zwar ein Mehraufwand, um das erforderliche Fachwissen für die Virtualisierungstechnik zu schaffen, jedoch überwiegen langfristig die Vorteile der Technologie.

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Auch bei der Energieeffizienz soll die Virtualisierung Vorteile bringen. Welche Effekte erhofft sich das Land hier?

Häfner: Energieeffizienter IT-Einsatz ist ein Teilaspekt der von uns konsequent verfolgten Green-IT-Strategie. Unter Green IT verstehen wir die Summe aller Aktivitäten, um die Nutzung von Informationstechnologie über deren gesamten Lebenszyklus hinweg umwelt- und ressourcenschonend zu gestalten. Dies beginnt bereits beim Beschaffungsprozess, in dem wir strenge Kriterien an die Energieeffizienz der IT-Güter stellen und setzt sich bis zur umweltgerechten Entsorgung der Technologie fort.

Im Rahmen der Formulierung unserer Strategie zum Einsatz von Virtualisierungslösungen haben wir an drei Standorten die vorhandenen Server-Infrastrukturen und mögliche optimierte Ziel-Szenarien untersucht. Wir kamen dabei zu dem Ergebnis, dass über einen Zeitraum von drei Jahren allein an diesen Standorten die Energiekosten für den Betrieb und die Kühlung um rund 80.000 Euro gesenkt werden können. Mit diesen Einsparpotenzialen sind durch die damit verbundene CO2-Reduktion deutliche positive Effekte für den Umweltschutz möglich.

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Wie sollen diese Lösungen in die laufenden IT-Projekte und Planungen eingebunden werden?

Häfner: Die Zentralstelle für IT und Multimedia verfolgt konsequent die in der IT-Strategie festgeschriebenen Ziele der Konsolidierung und Virtualisierung. Der LDI wird als zentraler Dienstleister gestärkt und auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet. Es erfolgen stetige Investitionen in zukunftsfähige Rechenzentrumsinfrastrukturen. Wir beurteilen in laufenden Gesprächen mit den Ressorts, ob bei aktuellen Projekten Raum für Virtualisierung und Konsolidierung im Rechenzentrum besteht.

Der Rahmenvertrag enthält auch eine Beitrittsklausel. Welche Vorteile können die Kommunen, Hochschulen und andere Landesinstitutionen davon erwarten?

Häfner: Der Vertrag ermöglicht auch ohne die Erreichung eines initialen Volumens bestmögliche Bezugskonditionen für Software-Lizenzen und -Pflegeleistungen. VMware gewährt hier einen kundenspezifischen Grundrabatt, der um die spezifischen Rabatte der Distributoren ergänzt wird. Dies entspricht dem tatsächlichen Beschaffungsverhalten der Öffentlichen Hand, da ein landesweit vorhandener Bedarf in der Regel nicht gebündelt, sondern nur sukzessive abgerufen werden kann.

Aus wettbewerbs- und vergaberechtlichen Gründen ist eine unmittelbare Beschaffung anderer Stellen über den Vertrag jedoch nicht möglich. Es muss jeweils ein Vergabeverfahren unter Wahl der korrekten Vergabeart durchgeführt werden.

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