Digitale Rechnung

Stichtag 18. April: EU macht ernst mit eInvoicing

| Autor / Redakteur: Dariusz Biernacki* / Ira Zahorsky

Sämtliche Verwaltungskörperschaften müssen ab 18. April 2019 strukturierte eRechnungen von ihren Auftragnehmern empfangen können – zumindest im Fall von öffentlichen Aufträgen.
Sämtliche Verwaltungskörperschaften müssen ab 18. April 2019 strukturierte eRechnungen von ihren Auftragnehmern empfangen können – zumindest im Fall von öffentlichen Aufträgen. (Bild: © WrightStudio - stock.adobe.com)

Heute ist der Stichtag für die Umsetzung der Richtlinie 2014/55/EU durch alle EU-Mitgliedstaaten. Von jetzt an müssen sämtliche Verwaltungskörperschaften in Europa in der Lage sein, zumindest im Fall von öffentlichen Aufträgen, strukturierte eRechnungen von ihren Auftragnehmern zu empfangen.

In den letzten Jahren hat sich zunehmend ein branchenübergreifender Trend hin zur Digitalisierung des traditionellen papiergebundenen Rechnungsverkehrs herauskristallisiert. Für Staatsregierungen bedeutet dies mehr Kontrolle über die Mehrwertsteuererhebung und für Unternehmen ist es eine Möglichkeit, ihre Buchhaltung sowohl effizienter als auch kostengünstiger zu gestalten.

Lateinamerika geht bei digitalen Rechnungen beispielhaft voran…

In jenem besagten Teil der Welt ist die eRechnung zweifellos am weitesten verbreitet – nicht zuletzt, weil dort die Anzahl an Unternehmen, die zur elektronischen Rechnungsstellung verpflichtet sind, am höchsten ist. In den meisten lateinamerikanischen Ländern, einschließlich Argentinien, Brasilien und Uruguay, gilt dies seit ein paar Jahren vor allem für den Rechnungsaustausch mit öffentlichen Verwaltungseinrichtungen. In Bolivien und Kolumbien wird die eRechnungspflicht zudem auf weitere Unternehmensarten ausgeweitet mit dem Ziel, Papierrechnungen vollständig abzuschaffen.

Ab 18. April Pflicht in der EU

Ab 18. April 2019 müssen nach Umsetzung der Richtlinie 2014/55/EU sämtliche Verwaltungskörperschaften von EU-Mitgliedsstaaten in der Lage sein, zumindest im Fall von öffentlichen Aufträgen strukturierte eRechnungen von ihren Auftragnehmern zu empfangen. In einigen Mitgliedstaaten ist der elektronische Rechnungsaustausch bereits Pflicht bei sämtlichen Transaktionen mit dem öffentlichen Sektor. So haben die Regierungen Belgiens, Spaniens und der Niederlande eigens zu diesem Zweck bereits die Einführung entsprechender eInvoicing-Plattformen beschlossen. Inspiriert von den Erfolgen und positiven Erfahrungen Lateinamerikas hat Italien zudem am 1. Januar 2019 als erstes EU-Mitglied eine eInvoicing-Pflicht für B2B-Transaktionen eingeführt. Welche Maßnahmen in Bulgarien und Rumänien zur Umsetzung der Richtlinie 2014/55/EU ergriffen werden, ist der EU-Kommission nach eigener Aussage hingegen nicht bekannt.

Globale Projekte, lokale Herausforderungen

Internationale Unternehmen befinden sich nun in einer besonders schwierigen Lage, denn sie müssen den verschiedenen Lösungen gerecht werden, die von den einzelnen Mitgliedstaaten zur Einhaltung der eInvoicing-Richtlinie eingeführt wurden. Bei der Etablierung entsprechender effizienter Geschäftsabläufe bedarf es einer dynamischen Anpassung an die landesspezifischen Anforderungen und Vorschriften in Bezug auf Dokumentenformate, digitale Signaturen und den Einsatz bestimmter Kommunikationskanäle zum Austausch mit den Regierungsplattformen.

Rechtskonformität als Schlüssel zum Erfolg

Die Anpassung der eigenen Lösungen an die lokalen Anforderungen und Rechtsvorschriften bezüglich der Ausstellung und Archivierung digitaler Rechnungen stellt, wie gesagt, insbesondere für internationale Unternehmen eine Herausforderung dar. So wurden in Brasilien drei verschiedene Arten von eRechnungen eingeführt, während Portugal auf den Einsatz zertifizierter eInvoicing-Software besteht. Italien wiederum verlangt die Verwendung des landesspezifischen Rechnungsformats Fattura XML sowie die Anbindung von Unternehmen an die regierungseigene SDI-Plattform. In Taiwan und der Türkei ist elektronische Rechnungsstellung dagegen nur für bestimmte Branchen Pflicht.

PEPPOL und nationale eInvoicing-Plattformen

Um global agierenden Unternehmen die Einführung von eRechnungen für Transaktionen mit dem öffentlichen Sektor zu erleichtern, übernehmen einige Länder den CEN BII-Standard (Business Interoperability Interfaces for Public Procurement in Europe), der vom Europäischen Komitee für Normung (CEN) entwickelt wurde. Die europäische Non-Profit-Organisation PEPPOL (Pan-European Public Procurement On-Line) hat auf CEN BII aufbauend eine Reihe technischer Spezifikationen definiert, die in bestehenden Lösungen und Services für elektronische Beschaffung und Kommunikation implementiert werden können, um diese miteinander kompatibel zu machen. Das PEPPOL-„Format“ standardisiert also den Versand elektronischer Dokumente und erleichtert somit die effiziente Kommunikation mit sämtlichen beteiligten Verwaltungseinrichtungen in der EU im Rahmen öffentlicher Aufträge. Auch Schweden und Kroatien, wo der Einsatz elektronischer Rechnungen für B2G-Transaktionen jeweils ab April und Juli 2019 verpflichtend sein werden, kündigten vor Kurzem die baldige Einführung einer auf PEPPOL basierenden eInvoicing-Lösung an.

Dariusz Biernacki, Bereichsleiter für Datenaustausch und Dokumentenmanagement bei Comarch
Dariusz Biernacki, Bereichsleiter für Datenaustausch und Dokumentenmanagement bei Comarch (Bild: Comarch / Andreas Gruhl)

*Der Autor, Dariusz Biernacki, ist Bereichsleiter für Datenaustausch und Dokumentenmanagement bei Comarch.

Elektronische Rechnungen an die Bundesverwaltung

eRechnung in der ZRE

Elektronische Rechnungen an die Bundesverwaltung

28.11.18 - Seit 27. November 2018 muss die unmittelbare Bundesverwaltung den Eingang und die Verarbeitung elektronischer Rechnungen ermöglichen. Die Zentrale Rechnungseingangsplattform des Bundes ist live. lesen

Viele Kommunen sind nicht bereit für die eRechnung

Digitalisierung

Viele Kommunen sind nicht bereit für die eRechnung

13.11.18 - Laut Gesetz müssen Kommunen ab April 2020 in der Lage sein, Rechnungen vollständig digital empfangen und weiterverarbeiten zu können. Die Zeit bis zum Stichtag sollte rege genutzt werden, denn laut einer Studie des Instituts ibi research – im Auftrag von GiroSolution und giropay – sind 39 Prozent der befragten Kommunen noch nicht bereit für die eRechnung. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45875593 / Fachanwendungen)