NKR legt weiteren Monitor Digitale Verwaltung vor

Steigender Problemdruck bei Verwaltungsdigitalisierung

| Autor: Manfred Klein

die OZG-Umsetzung ist vermutlich das größte IT-Projekte der Republik. So heißt es denn im Monitor auch: „Um sich vor Augen zu führen, welche Mammutaufgabe mit der flächendeckenden Bereitstellung der 460 landes- und kommunalbezogenen OZG-Leistungen verbunden ist, hilft eine grobe Überschlagsrechnung: Nimmt man an, dass die 460 Leistungen mehr oder weniger einzeln implementiert werden müssen und rechnet man lediglich mit 400 Kreisen und kreisfreien Städten anstatt mit 11.000 Kommunen, ergibt sich dennoch eine Gesamtzahl von gut 180.000 Implementierungen. Ausgehend von den verbleibenden drei Jahren der planmäßigen OZGUmsetzung sind das ca. 60.000 Implementierungen pro Jahr oder 5.000 pro Monat.“

Ohne ein hohes Maß an Gemeinschaftsentwicklung und einem Fokus auf die Nachnutzbarkeit dezentraler Lösungen könne eine Flächendeckung in absehbarer Zeit und zu vertretbaren Kosten also nicht gelingen. Allerdings seien Gemeinschaftsentwicklungen über alle Länder hinweg noch nicht zur Gewohnheit geworden und stoßen aus verschiedensten Gründen auf Bedenken, heißt es dazu kritisch.

Zugleich seien die regionalen IT-Landschaften so unterschiedlich, dass das einfache „Verpflanzen“, das heißt die Übertragbarkeit von Lösungen, nicht oder nicht ohne weiteres möglich sei. Also Ursache dafür machen die Autoren des Monitors das Fehlen gemeinsamer Schnittstellenstandards und modularisierter, im besten Fall als Open Source bereitgestellte Softwarelösungen sowie eine föderale eGovernment-Architektur aus, welche die Wiederverwendbarkeit und Kombinierbarkeit solcher Modul-Lösungen unterstütze.

Die Gretchenfrage der OZG-Umsetzung

Dazu die Autoren weiter: „Die Architekturfrage wird damit zur Gretchenfrage der OZG-Umsetzung. Wer diese nicht beantwortet, hofft auf ein Wunder, um das OZG erfolgreich, das heißt nutzerorientiert, wirtschaftlich und nachhaltig, in die Fläche zu bringen.“

Deutschland sei hier an einem Erkenntnispunkt angelangt, an dem andere Länder schon vor Jahren gestanden hätten – entsprechend inspirierend seien die Architekturlösungen, die dort besichtigt werden könnten. Im Monitor heißt es dazu weiter: „Und auch hierzulande sind Konzepte und Lösungen vorhanden, die Ausgangspunkt einer föderalen eGovernment-Architektur sein können. Darin einfließen sollten die Forderungen der Kommunen und ihrer IT-Dienstleister nach einer föderierten Microservices- bzw. Container-Architektur genauso wie die Vorschläge der FITKO für eine föderale Entwicklungs- und Integrationsplattform und die Überlegungen zur Registermodernisierung“. Die Online-ServiceInfrastruktur-Plattform (OSI) von Dataport zeige exemplarisch, wie so etwas auch praktisch funktionieren könne.

Ob die FITKO die ihr zugedachten Aufgaben auch erfüllen könne, hänge jedoch auch davon ab, es gelinge die organisatorischen Hürden zu nehmen. Dazu heißt es im Bericht: „FITKO kann der organisatorische Nukleus einer effektiven föderalen IT-Zusammenarbeit sein. Gerade im Hinblick auf die Architektur- und Standardisierungsfrage kann FITKO segensreich wirken. Die geplanten Mitarbeiterzahlen reichen dafür sicherlich nicht aus. Es ist zu hoffen, dass sich nach dem initialen Aufbau von FITKO bald Routine einstellt und die formale Rahmenorganisation weniger Aufmerksamkeit bedarf und weniger Aufwand verursacht als bisher“.

Kritisch bewertet der Monitor auch die zur Verfügung stehenden Ressourcen bei der OZG-Umsetzung: „Ausgehend von den 500 Millioenen Euro des Bundes müssten die restlichen 1,5 Milliarden Euro von den Ländern zur Verfügung gestellt werden. Nicht alle Länder haben bereits ausreichende Mittel eingeplant. Es ist wichtig, dass die Länder diese Mittel in absehbarer Zeit in ihre Haushalte einstellen. Es braucht zudem Verabredungen, wie Kommunen finanziell unterstützt bzw. durch anderweitige Leistungen der Länder entlastet werden können.“

Den vollständigen Monitor zur Digitalen Verwaltung finden Sie hier.

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Als Bürger frage ich mich, was wollen wir und wie, wann und wodurch wollen wir das erreichen? Was...  lesen
posted am 09.10.2019 um 13:17 von PH

Es ist unpassend Estland oder auch gerne UK als Münsterländer heranzuziehen. Dort gibt es einr...  lesen
posted am 01.10.2019 um 20:16 von Unregistriert


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