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Komplizierte Verfahren Startups gehen bei öffentlichen Ausschreibungen oft leer aus

Autor: Ira Zahorsky

Startups bieten Lösungen, die auf dem aktuellen Stand der technologischen Entwicklung sind. Da sie jedoch Vorgaben wie Nachweise zur Bonität oder Referenzkunden oft noch nicht erbringen können, bleiben sie bei öffentlichen Ausschreibungen außen vor.

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Die öffentliche Verwaltung sollte den Vergabeprozess anpassen, um auch Startups eine erfolgreiche Beteiligung zu ermöglichen.
Die öffentliche Verwaltung sollte den Vergabeprozess anpassen, um auch Startups eine erfolgreiche Beteiligung zu ermöglichen.
(© Coloures-Pic - stock.adobe.com)

Auch aufgrund der Corona-Pandemie wollen Bund, Länder und Gemeinden mehr in die Digitalisierung investieren. Um mehr Startups in den Vergabeprozess zu holen, „müssen wir den Vergabeprozess auch stärker auf Startups ausrichten“, so Bitkom-Präsident Achim Berg. Bislang gehen diese jungen Unternehmen, die für aktuelle technologische Entwicklungen stehen, bei öffentlichen Ausschreibungen oft leer aus – oder sie bewerben sich erst gar nicht.

Die Umfrage des Bitkom unter 206 Startups ergab folgende Hauptgründe für den Verzicht auf eine Beteiligung:

  • der Vergabeprozess dauert zu lange (40 %)
  • fehlende Zeit, sich mit Ausschreibungen zu beschäftigen (36 %)
  • die Unterlagen sind zu kompliziert (31 %)
  • die geforderten Nachweise etwa zur Bonität oder zu Referenzkunden schließen das eigene Startup aus (31 %)
  • öffentliche Aufträge sind nicht lukrativ genug (17 %)
  • Startups haben ohnehin keine echte Chance (17 %)

Von den Unternehmen, die bereits an öffentlichen Ausschreibungen teilgenommen haben, wurden 40 Prozent „immer“ oder „häufiger“ berücksichtigt. Ein Viertel hat „selten“ den Zuschlag bekommen und knapp ein Drittel noch nie. So würden sich zwar 23 Prozent der Befragten „auf jeden Fall“ und 33 Prozent „eher“ nochmals an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen. Doch 37 Prozent halten das für „unwahrscheinlich“ und 7 Prozent werden „auf keinen Fall“ erneut teilnehmen.

Dabei könnte die Politik mit einer Anpassung des Vergabeprozesses „zum einen ganz unmittelbar Startups unterstützen, zum anderen aber Lösungen einkaufen, die auf dem neuesten Stand der technologischen Entwicklung sind“, ist Berg überzeugt. Die Kriterien müssten dabei „auch für junge Startups erfüllbar sind, die keine fünf Bilanzen und zehn Referenzkunden vorweisen können.“

Der Bitkom hat in dem Positionspapier „7 Punkte für mehr Startups in der öffentlichen Vergabe“ Maßnahmen zusammengefasst, um mehr Startups eine erfolgreiche Beteiligung an öffentlichen Ausschreibungen zu ermöglichen. Dazu gehören unter anderem:

  • bestehende innovative Vergabekriterien und -verfahren anzuwenden,
  • neue Vergabekriterien zu schaffen,
  • die gezielte Schulung und Vernetzung von Startups und Vergabeverantwortlichen sowie
  • eine Digitalisierung des Vergabeverfahrens selbst.

An Startups, die stärker mit der öffentlichen Hand zusammenarbeiten wollen, wendet sich auch die Smart Country Convention am 27. und 28. Oktober 2020.

(ID:46812589)

Über den Autor

 Ira Zahorsky

Ira Zahorsky

Redakteurin und Online-CvD, IT-BUSINESS