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eco erwartet bis 2025 Umsatzzuwächse um 75 Prozent für die Internetwirtschaft „Start in eine digitale Dekade der Superlative“

| Autor: Julia Mutzbauer

Die Coronakrise hat in vielen Bereichen zu einem deutlichen Schub der Digitalisierung geführt. Gleichzeitig ist das Internet zu einer unverzichtbaren Infrastruktur im Alltag und im Arbeitsleben geworden. Laut einer Studie von eco wird sich die Internetwirtschaft in den kommenden Jahren zu einer der wichtigsten Industrien in Deutschland entwickeln.

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Für den Zeitraum 2020 bis 2025 rechnet die eco Studie zur Internet­wirtschaft mit einem Wachstumspotenzial von durchschnittlich 10,3 Prozent pro Jahr
Für den Zeitraum 2020 bis 2025 rechnet die eco Studie zur Internet­wirtschaft mit einem Wachstumspotenzial von durchschnittlich 10,3 Prozent pro Jahr
(© denphumi - stock.adobe.com)

Das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des eco Verbands und der Unternehmensberatung Arthur D. Little zeigt: Obwohl die Krise bei einzelnen großen Segmenten der IT-Branche für wirtschaftliche Einbrüche gesorgt hat, ist bis 2025 mit einer Umsatzsteigerung um knapp 75 Prozent auf rund 253 Milliarden Euro zu rechnen. Die Internetbranche hat derzeit einen Anteil von 4,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Nach den Angaben der Studie wird dieser bis zum Jahr 2025 mit 7 Prozent noch einmal deutlich wachsen. Zusätzlich sollen in diesem Bereich immer mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. So werden im Jahr 2025 mehr als eine halbe Million Menschen in der IT-Branche beschäftigt sein, heißt es.

„Die aktuelle Studie belegt, dass sich die Internetwirtschaft bis 2025 weiter als Wachstumsmotor für die Gesamtwirtschaft in Deutschland etabliert. Dies ist unter anderem auf das gestärkte Vertrauen von Investoren in den Markt zurückzuführen, die proaktiv Investments identifizieren. Das verfügbare Kapital und COVID-19 wirken vielmehr unterstützend als beschränkend“, erläutert Lars Riegel, Partner bei Arthur D. Little.

Die Krise als Digitalisierungsmotor

Die Krise wirkt sich vor allem auf die eHealth-Branche aus. „Die Entwicklungen in der Coronakrise erhöhen Transparenz, Bewusstsein und Offenheit gegenüber digitalen Lösungen in der Gesundheitsbranche und wirken so als Katalysator für ihre Marktdurchdringung. Ziele wie der Schutz vor Neuinfektionen, der Datenaustausch in Echtzeit und die Reduktion von administrativem Dokumentationsaufwand werden nur durch den Einsatz digitaler Anwendungen realisierbar. Die Nachfrage im Segment erlebt dadurch einen starken, nachhaltigen Schub“, erklären die Autoren der Studie. Der Marktanteil für digitale Anwendungen im Gesundheitsbereich liegt in diesem Jahr bei rund drei Milliarden Euro. Mit 20,4 Prozent pro Jahr wird das Segment stark wachsen, das Umsatzvolumen wird sich bis 2025 weit mehr als verdoppeln und 7,7 Milliarden Euro erreichen.

Auch der Bildungssektor wurde druch die Corona-Pandemie stark beeinflusst. Hier mussten Entscheider kurzfristig Digitalisierungskonzepte erarbeiten und umsetzen. Bis 2025 wächst der Digitalisierungsanteil im Bildungbereich mit einer durchschnittlichen Rate von 25,7 Prozent pro Jahr und erreicht bis dahin ein Gesamtvolumen von mehr als 6,75 Milliarden Euro.

Zustätzlich ist die Nachfrage nach Public Cloud Services wie PaaS (Platform as a Service), SaaS (Software as a Service) und IaaS (Infrastructure as a Service) gestiegen. Dadurch erfahren Services & Applications einen nachhaltigen Wachstumsschub mit einem Umsatzplus von insgesamt 6,2 Prozent gegenüber dem Referenzverlauf. Auch Cybersecurity-Lösungen werden durch die Krise insgesamt stärker nachgefragt.

Der Corona-Effekt auf den Umsatz der Internetwirtschaft
Der Corona-Effekt auf den Umsatz der Internetwirtschaft
(© Arthur D. Little & eco)

Trotz eines Umsatzrückgangs von 1,2 Prozent für die gesamte IT-Branche, wird die Internetwirtschaft 2020 voraussichtlich rund 145 Milliarden Euro umsetzen. Weiterhin werden Bereiche wie E-Commerce (B2B und B2C) sowie Betreiber von beitragspflichtigen Portalen, Classified Marketplaces, Werbeträger, Online-Vermarktungsunternehmen und Anbieter von Transaktionsdiensten profitieren. Rund 40 Prozent des Umsatzvolumens – 57 Milliarden Euro – werden 2020 in diesem Bereich generiert. Für den Zeitraum 2020 bis 2025 rechnet die Studie mit einem Wachstumspotenzial von durchschnittlich 10,3 Prozent pro Jahr. Ein weiteres Drittel des gesamten Umsatzvolumens wird 2020 durch digitale Geschäftsmodelle in Anwenderindustrien (Smart Industries) und durch die Vermarktung digitaler Inhalte (Paid Content) erzeugt.

Bedarf an Bandbreite steigt

Ebenso stellt die Studie mögliche Szenarien zur digitalen Infrastruktur für die darauffolgende Dekade ab 2030 auf. Bis 2030 werden voraussichtlich rund 33 Millionen deutsche Haushalte über einen Breitbandanschluss verfügen. Durch eine zunehmende Marktdurchdringung von Videokonferenzen, Augmented Reality, Cloud Gaming, 4KStreaming, videobasierter Onlinewerbung und weiteren datenintensiven Anwendungen, werden Anforderungen an Latenzzeit und Bandbreite exponentiell ansteigen. Um diese Datenmengen bewältigen zu können, plädiert der Verband der Internetwirtschaft dafür, schon jetzt den Ausbau digitaler Infrastrukturen massiv zu beschleunigen.

Außerdem wird sich nach einer Studie von Arthur D. Little mit dem Bundesverband Breitbandkommunikation e. V. (Breko) zwischen den Jahren 2019 und 2025 der Download von Daten um das Siebenfache und der Upload von Daten sogar um das Neunfache erhöhen. Um diesen steigenden Anforderungen gerecht zu werden, müsse sich der Infrastrukturmix in Deutschland kontinuierlich weiterentwickeln und anpassen.

Eine Forderung, die auch Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, unterstützt: „Die Corona-Krise zeigt: Die digitalen Vorreiter profitieren von ihrer frühzeitigen Transformation. Deshalb wollen wir in Nordrhein-Westfalen den Ausbau der Infrastrukturen und die digitale Bildung vorantreiben und in Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung den Weg der Digitalisierung konsequent weitergehen.“

„Die nächsten Jahre sind der Start in eine digitale Dekade der Superlative“, sagt eco Vorstandsvorsitzender Oliver Süme. „Die Digitalisierung – das zeigt nicht nur Corona – wird auch in Zukunft eine immer bedeutendere Rolle innerhalb der deutschen sowie europäischen Wirtschaft einnehmen, und langfristig steigt der Anteil der Internetwirtschaft in allen Branchen“, fügt Süme hinzu. Darum müsse spätestens jetzt ein Umdenken in Unternehmen erfolgen. Süme weiter: „Vom Big Player bis zum Mittelstand – von digitalen Infrastrukturanbietern bis zur Smart-Industrie – die Internetwirtschaft wird für das Wohl unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle spielen.“

Über die Studie

Seit 2008 analysieren der eco Verband und Arthur D. Little die Entwicklungen der Internetwirtschaft in Deutschland. Die vorherige Studie aus dem Jahr 2015 hat die Größe des Wachstums der Internetwirtschaft im Jahr 2019 mit einer Genauigkeit von 95,5 Prozent vorhergesagt. Die nun vierte Auflage der gemeinsamen Studie wird von Huawei, Leaseweb Deutschland GmbH und toplink GmbH unterstützt.

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Über den Autor

 Julia Mutzbauer

Julia Mutzbauer

Redaktion, eGovernment Computing