Homogenes eGovernment

Standards für die Öffentliche Verwaltung

| Redakteur: Susanne Ehneß

Standardisierung im öffentlichen Raum
Standardisierung im öffentlichen Raum (Bild: Öfit)

Weniger komplex und gleichzeitig kompatibel mit anderen Produkten und Diensten: Standardisierte IT ist für eine weitreichende Verbreitung und unkomplizierte Handhabung Grundvoraussetzung. Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT (Öfit) hat Nutzen und Risiken von Standardisierungsprozessen für die Öffentliche Hand genauer beleuchtet.

Relevante Ziele von Standards öffentlicher IT sind Interoperabilität, Qualität, Sicherheit und Flexibilität. Der Nutzen für Verwaltungsmitarbeiter ist also vom Nutzen für Mitarbeiter in der freien Wirtschaft nicht so weit entfernt. Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT (Öfit), zugehörig zu Fraunhofer Fokus, erkennt die Aufgabe von Standards im Sinne einer „ordnenden Funktion“: „Zusammen schaffen und gestalten die für einen bestimmen Bereich, wie zum Beispiel die öffentliche IT, relevanten Standards einen gemeinsamen Rahmen, in dem sich die von den beteiligten Akteuren entwickelten und bereitgestellten Technologien, Produkte, Verfahren und Dienstleistungen bewegen.“

Für die verschiedenen Bereiche öffentlicher IT bedürfe es geeigneter und aufeinander abgestimmter fachunabhängiger, fachspezifischer und fachübergreifender IT-Standards. „Eine wichtige Rolle kommt deshalb der öffentlichen Hand zu. Sie tritt als Gesetzgeber und Regulierer, als Beschaffer, Betreiber, Anbieter und Nutzer von IT in verschiedenen Funktionen in Erscheinung“, so das Kompetenzzentrum Öfit. In einem Whitepaper werden nun entsprechende Lösungsansätze präsentiert, mit denen eine systematische Strategie für die Standardisierung öffentlicher IT entwickelt und umgesetzt werden soll.

Das Whitepaper kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Inhalt des Whitepapers

Das Papier des Kompetenzzentrums befasst sich mit

  • Zweck und Nutzen von Standards,
  • Probleme und Risiken von Standards,
  • der Rolle der Öffentlichen Hand,
  • existierenden Standards sowie
  • Standardisierungsprozessen.

Das Kompetenzzentrum Öfit beschreibt abschließend folgende Lösungsansätze:

  • Erhöhung der Transparenz und stärkere Einbeziehung der Stakeholder: Staatlich und staatlich koordiniert erarbeitete IT-Standards sind bisher eher auf verwaltungsinterne Anforderungen zugeschnitten als auf die weitergehenden Anforderungen des öffentlichen Raums, welcher Wirtschaft, Bürger und Zivilgesellschaft mit einbezieht. Daher sollten die Transparenz dieser Standardisierungsprozesse erhöht und die verschiedenen Stakeholder-Gruppen öffentlicher IT stärker mit einbezogen werden. Dies gilt insbesondere für technische Experten hinsichtlich der Umsetzung der Standards.
  • Verbesserte und breitere Nutzung der Normungsorganisationen: Im Sinne einer Systematisierung und Institutionalisierung sollte auch überlegt werden, ob und falls ja welche (Teile von) IT-Standards der öffentlichen Hand eventuell besser in den Normungsorganisationen auf deutscher, europäischer oder internationaler Ebene (DIN/DKE, CEN/CENELEC/ETSI, ISO/IEC/ITU) mit ihren bewährten Strukturen und Prozessen aufgehoben sein könnten. Die öffentliche Hand könnte in diesen Fällen durch eine aktive Mitwirkung in den jeweils zuständigen Normungsgremien ihre Sicht und Interessen als Stakeholder einbringen. So entwickelte und fortgeschriebene Normen könnten dann gegebenenfalls für bestimmte Verantwortungsbereiche der öffentlichen Hand verbindlich umgesetzt werden. Die Einbeziehung der Stakeholder würde bei diesem Vorgehen durch die entsprechenden Mechanismen der Normungsorganisationen gewährleistet.
  • Stärkere Orientierung auf europäische und internationale Standards: Die Standards sollten dahingehend überprüft werden, ob es vergleichbare Standards auf europäischer Ebene gibt und/oder ob die eigenen Standards zu internationaler Norm weiterentwickelt werden können.
  • Stärkung offener und freier Standards: Nicht jeder Standard kann und sollte selbst entwickelt werden. Oftmals führen De-facto-Standards von Herstellern, Industriekonsortien oder nicht-staatlichen Standardisierungsorganisationen schneller und flexibler zur Durchsetzung neuer Technologien am Markt, als es mit einer formalen Normung möglich ist. Da proprietäre Standards allerdings Wettbewerbsbeschränkungen mit sich bringen können, sollten insbesondere die Erstellung, Fortschreibung und Nutzung offener und freier Standards gefördert werden.
  • Orientierung auf funktionale Standards: Es reicht in der Regel aus, funktionale und organisatorische Komponenten eines IT-Systems zu identifizieren und deren jeweilige Schnittstellen zu anderen Komponenten und geeignete Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen festzulegen. Die konkrete interne Umsetzung der Funktionen einer Komponente kann dem Hersteller überlassen werden.
  • Agile Fortschreibung: Die für den öffentlichen Raum relevanten Standards müssen kontinuierlich überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dabei müssen sorgfältig geplante und abgestimmte Fortschreibungszyklen eine angemessene Balance zwischen Fortschreibungsbedarf einerseits und Dauerhaftigkeit von Standards und den darauf beruhenden Produkten andererseits gewährleisten.
  • Entwicklung einer Standardisierungsstrategie für die öffentliche IT: Unter Einbeziehung der verschiedenen Stakeholder-Gruppen sollte eine systematische Strategie für die Standardisierung öffentlicher IT entwickelt werden. Hierbei sollten insbesondere die Ziele bestimmt, Kriterien für die Bewertung der Ergebnisse erarbeitet und geeignete Prozesse und Strukturen festgelegt werden.
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