Das V-Modell XT

Stand und Zukunft des IT-Standards

11.12.2006 | Autor / Redakteur: Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy, Marco Kuhrmann / Gerald Viola

Das V-Modell XT ist mittlerweile als IT-Standard der Öffentlichen Hand etabliert und beschreibt die Vorgehensweise bei der Organisation und Durchführung von IT-Entwicklungsprojekten. In diesem Beitrag wird Bilanz über die ersten Einsatzmonate des V-Modell XT gezogen. Weiterhin werden aktuelle Entwicklungen und Trends aufgezeigt.

Die oftmals zitierten Studien der Standish Group zeigen schon seit dem ersten Erscheinen 1994 besorgniserregende Zahlen. So sind nur etwa 25 Prozent aller untersuchten Projekte uneingeschränkt als Erfolg zu bezeichnen – und das kontinuierlich seit 1994. Die restlichen drei Viertel der untersuchten IT-Projekte überziehen das Budget oder den Zeitrahmen, leiden zum Teil an erheblichen Qualitätsmängeln oder werden als Fehlschlag gewertet und eingestellt. In einer Zeit, in der IT-Systeme nahezu jeden Bereich des täglichen Lebens bestimmen, ist das ein unhaltbarer Zustand. Bei Projekten wie dem Maut-System oder der Software für das Arbeitslosengeld II gehen die Schäden in Milliardenhöhe.

Mittlerweile herrscht Konsens darüber, dass insbesondere große und kritische Projekte mithilfe strukturierter und standardisierter Vorgehensmodelle beherrschbarer gemacht werden. Für die Öffentliche Verwaltung und die öffentlichen Auftraggeber ist seit 2005 das V-Modell XT verpflichtend anzuwenden. Dieses stellt unter Berücksichtigung aktueller Erkenntnisse aus der Forschung und fundiertem Praxiswissen eine Richtschnur für die Durchführung von Projekten dar.

Um die Eignung des V-Modell XT in der Praxis zu untermauern, wurde mit Unterstützung des Entwicklerteams der TU München und TU Kaiserslautern eine umfangreiche Pilotierungsphase durchgeführt. In mehr als zehn Pilotprojekten in Industrie und Behörden, die in allen Anwendungsbereichen des V-Modells angesiedelt waren, wurden in intensiver Projektarbeit die Stärken aber auch Verbesserungspotenziale des V-Modells ermittelt. In dieser Phase konnten neben der Unterstützung von Produktentwicklung und Prozessanpassung auch etwa 700 Schwachstellen des neu entwickelten V-Modells gefunden und beseitigt werden.

Projektspezifisches V-Modell XT – Tailoring reduziert den Umfang

Die Pilotprojekte sollten zeigen, ob der Nutzen für den Anwender den Aufwand überwiegt. Am Beispiel des Projekts „WiBe 4.0“, das die Entwicklung der neuen Software für die Unterstützung des Verfahrens zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung (IT-WiBe) zum Ziel hatte, konnte dies für das typische Szenario des öffentlichen Auftraggebers sehr detailliert ermittelt werden. Projektpartner und Auftraggeber war hier das Bundesministerium des Innern, vertreten durch die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt). Dieses Projekt wurde von Anfang bis Ende von V-Modell-Entwicklern begleitet und dabei dokumentiert und ausgewertet.

Die für die Anwendung des V-Modells notwendige projektspezifische Anpassung (Tailoring) führte im WiBe-Projekt zu einer Umfangsreduktion des projektspezifischen V-Modells von über 50 Prozent im Vergleich zum Gesamtmodell. Durch das Entfallen nicht relevanter Aktivitäten und Produkte (in diesem Fall die Hardwareanteile des V-Modells), reduziert sich hier der spätere Aufwand. Die relevanten Anteile wiederum ergeben sich dann aus dem automatisierten Tailoring. Relevante Anteile bestehen pro Projekt aus einer Teilmenge der Vorgehensbausteine (Projektdisziplinen wie Anforderungsfeststellung), Produkten (beispielsweise ein Lastenheft), Rollen (Projektleiter) und den durchzuführenden Aktivitäten, die bereits in einem initialen Projektplan aufgeführt sind. Da alle relevanten Ergebnisse in den Vorgehensbausteinen enthalten sind, muss man beim Tailoring nicht mehr jedes Produkt einzeln betrachten (wie beim V-Modell 97), sondern fokussiert einen ganzen Aufgabenbereich. Dies reduziert die Komplexität der initialen Vorgänge eines V-Modell-Projekts für den Anwender. Darüber hinaus sind noch weitere Anpassungen möglich, die dann im Projekttagesgeschäft greifen. So müssen beispielsweise nicht immer alle durch das Tailoring ermittelten Produkte eins zu eins erstellt werden.

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