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KGSt-Umfrage Stärkt Open Source die Digitale Souveränität?

| Autor: Manfred Klein

Geht es um das Thema Digitale Souveränität, dann ist das Unwohlsein im Public Sector groß. So das Ergebnis einer KGSt-Umfrage. Doch was ist damit gewonnen? eGovernment Computing sprach mit Marc Groß von der KGSt.

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(© ar130405 – stock.adobe.com)

Herr Groß, die Studie „Open Source in Kommunen“ bezeichnet sich als Denkanstoß, fragt tatsächlich aber in weiten Bereichen bezüglich Open Source und Digitale Souveränität letztlich nur ein Stimmungsbild ab. Welche belastbaren Schlussfolgerungen lassen sich dann noch aus der Studie ziehen?

Groß: Lieber Herr Klein, Sie wählen den Begriff Studie. An dieser Stelle sind wir deutlich bescheidener. Wir sprechen erst einmal von einer Befragung. Für die Darstellung der Umfrageergebnisse haben wir das Format des KGSt-Denkanstoßes gewählt. Sie zielen darauf ab, Orientierung zu geben, zu inspirieren und die konstruktive Auseinandersetzung mit dem Themen zu fördern. Und in diesem Fall wollten wir dies ganz konkret für das Thema Open Source tun. Ihre Rückmeldung und die viele anderer zeigen uns erst einmal, dass wir dieses Ziel erreicht haben.

Marc Groß: „Digitale Souveränität ist ein übergeordnetes Ziel“
Marc Groß: „Digitale Souveränität ist ein übergeordnetes Ziel“
(Bild: KGSt)

In Ihrer Frage greifen Sie gleich zwei Themen auf: Digitale Souveränität und Open Source. Das Thema Digitale Souveränität spielt in unserer Befragung keine unmittelbare Rolle. Es liegt ja auf der Hand, dass in einer zunehmend digitalisierten Welt die digitale Souveränität eine Schlüsselgröße ist, und ihre Stärkung ist von strategischer Bedeutung. Da sind wir uns sicherlich schnell einig. Digitale Souveränität ist also ein übergeordnetes Ziel. Open Source ist dabei ein Baustein, um diese Schlüsselgröße zu stärken.

Und uns ist doch allen sehr wohl bewusst, dass die Öffentliche Verwaltung in Deutschland auf allen Ebenen zunehmend von einzelnen Software-Anbietern abhängig ist. Das kann man erst einmal wertfrei betrachten. Es kann aber den Handlungsspielraum bei Beschaffung, Entwicklung und Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie einschränken und damit Sicherheit, Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit, also die digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung gefährden. Durch den Einsatz von Open Source kann unserer Meinung nach diese Abhängigkeit vermindert werden. Wir wissen aber auch, dass dies nur gemeinsam durch eine ebenenübergreifende Zusammenarbeit gelingen kann. Dazu hat sich ja auch der IT-Planungsrat in seiner 31. Sitzung positioniert.

In diesem Zusammenhang haben das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und die AG „Cloud Computing und digitale Souveränität“ des IT-Planungsrats, in der wir ebenfalls vertreten sind, eine ebenenübergreifende Befragung zum Einsatz von Open Source initiiert. Mit Unterstützung des Deutschen Städtetages und der Vitako haben wir im Februar 2020 eine Befragung für die kommunale Ebene angepasst und Kommunalverwaltungen sowie kommunale IT-Dienstleister zum einen dazu befragt, ob und warum eine Abhängigkeit von Software- und Cloud-Anbietern gesehen wird und welche Konsequenzen diese mit sich bringt.

Außerdem wollten wir Erfolgsmodelle und erste Handlungsbedarfe identifizieren, um darauf aufbauend den Einsatz von Open Source zu stärken. Wir wollten also wissen, ob und wo der Schuh in den Kommunen drückt. Aus den über 160 Rückmeldungen haben wir dazu einiges an „Futter“ bekommen. Gleichzeitig haben wir aber auch erfahren, dass in vielen, insbesondere in nutzerfernen Bereichen, bereits Open Source in Kommunen im Einsatz ist. Open Source ist also kein neues Thema. Es gibt schon viele Erfahrungen. Darauf setzen wir jetzt auf, um den Einsatz von Open Source in Kommunen weiter zu stärken und zu professionalisieren. Auf die „Vorstudie“ folgt jetzt also ein KGSt-Bericht in dem konkrete Handlungsstränge für einen professionellen Einsatz von Open Source beschrieben werden. Das machen wir nicht alleine. Wir machen das zusammen mit erfahrenen kommunalen Praktikern, mit privatwirtschaftlichen Unternehmen und mit der Open Source-Community.

Welche Rolle spielen bei dieser Analyse die in der Studie angeführten Schmerzpunkte?

Groß: Das Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat hat bereits im August des vergangenen Jahres einen Abschlussbericht zur Strategischen Marktanalyse zur Reduzierung von Abhängigkeiten von einzelnen Software-Anbietern veröffentlicht. Der Bericht zeigt, dass die Bundesverwaltung von wenigen Software-Anbietern stark abhängig ist, was die digitale Souveränität gefährden kann. Im Sinne eines gemeinsamen Engagements von Bund, Ländern und Kommunen für mehr digitale Souveränität in der Arbeitsgruppe „Digitale Souveränität und Cloud Computing“ des IT-Planungsrates war es uns wichtig, auch für die kommunale Ebene hier noch einmal anzusetzen und nachzufragen. Dadurch ergibt sich der direkte Bezug. Er zeigt zum einen interessante Gemeinsamkeiten auf. Er macht es uns aber auch möglich, herauszuarbeiten, an welcher Stelle sich kommunale Problemstellungen durch die Abhängigkeit von einzelnen Software- und Cloud-Anbietern von denen des Bundes oder der Länder unterscheiden.

Die teilnehmenden Kommunen und Rechenzentren haben beispielsweise angegeben, dass fremdgesteuerte Innovationen ein starker Schmerzpunkt sind. Ein Beispiel: Durch die Einführung neuer Produktversionen ohne Wahlmöglichkeit lässt sich nicht steuern, welche Funktionen und Features es für den digitalen Arbeitsplatz vor Ort wirklich braucht oder eben nicht braucht. Im Bereich der Informationssicherheit werden hingegen weniger Probleme gesehen. Dazu muss man sagen, dass wir uns, im Gegensatz zum genannten Abschlussbericht, in der Befragung ganz bewusst nicht nur auf die großen Software-Anbieter beziehen, sondern ganz allgemein danach gefragt haben.

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