Mit WLAN das Smart-City-Potential entfalten

Städte konkurrieren miteinander

| Autor / Redakteur: Michael Frey* / Susanne Ehneß

WLAN soll die Lücke zwischen Bürger und Stadt schließen
WLAN soll die Lücke zwischen Bürger und Stadt schließen (© hobbitfoot - stock.adobe.com)

Rund um den Globus untersuchen Städte, wie sie Technologien am besten einsetzen können, um die Lebensqualität der Bürger zu steigern, öffentliche Dienstleistungen effizienter zu gestalten und Unternehmen einen guten Ausgangspunkt für Wachstum zu bieten.

Es gibt zahlreiche Anwendungen im Bereich Smart-City-Technologie: vom städtischen Abfall-Management über intelligente Ampeln und Verkehrsleitsysteme bis hin zu smarten Straßenlaternen und Bewässerungsanlagen – das sind nur einige Beispiele, die zur Erhöhung der Sicherheit der Bürger oder zur Verbesserung der Nachhaltigkeit beitragen. Es ist an der Zeit, das Engagement im Bereich Smart City auch in Deutschland voranzutreiben. Die bereits umgesetzten Projekte in Köln, Kiel oder Monheim am Rhein sollen als Vorbild dienen.

Staatliche Förderung ist für die Umsetzung von Smart-City-Projekten von hoher Bedeutung. In diesem Jahr will das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) nicht nur Smart-­City-Modellprojekte fördern, sondern auch mit dem Smart-City-­Dialog den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch zu Stadtentwicklung und Digitalisierung ausbauen.

Es ist heute wichtiger denn je, die Chancen, die Smart-City-Technologien mit sich bringen, zu nutzen. Laut einer Weltbank-Studie übertreffen etwa 70 Prozent der weltweiten Großstädte ihr nationales Bruttoinlandsprodukt, 600 Städte dürften bis 2050 etwa 60 Prozent des globalen Inlandsprodukts ausmachen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Städte in einem immer wettbewerbsintensiveren globalen Markt miteinander konkurrieren, um die besten Talente und produktivsten Unternehmen zu gewinnen oder zu fördern. Smart-City-Technologie kann sie dabei unterstützen.

Kein isolierten Projekte

Allerdings kann es eine Herausforderung für die Entwicklung darstellen, wenn man nicht weiß, welche Technologie eingesetzt werden soll. Eine europaweite Umfrage von Ruckus Networks und Atomic Research unter IT-Entscheidern aus dem öffentlichen Sektor ergab unter anderem, dass isoliert geplante Projekte als ein großes Hindernis für Smart Cities angesehen werden.

Um Smart-City-Projekte verwirklichen zu können, ist ein stabiles öffentliches WLAN-Netzwerk von zentraler Bedeutung. 76 Prozent der Befragten stimmen zu, dass dies der wichtigste Faktor ist, um Smart-City-Konzepte erfolgreich zu implementieren. 34 Prozent sind sich einig, dass WLAN wichtiger ist als ein kabelgebundenes Netzwerk, in Deutschland sieht das sogar fast die Hälfe (46 Prozent) der Entscheidungsträger so.

Städte unter Druck

Städte stehen unter enormem Druck, die digitale Transformation im Interesse der Unternehmen, der Umwelt und der Bürger voranzutreiben. Sie waren schon seit jeher das Zentrum wirtschaftlicher Aktivitäten. Wenn es darum geht, diese Vormachtstellung aufrechtzuerhalten, ist „Smart“ schon längst kein „nice to have“ mehr. Alles von standortbezogenen Diensten bis hin zu smarten öffentlichen Verkehrsmitteln wird für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend sein. Diejenigen, die nicht in diese Technologien investieren, sind bereits unterlegen.

Darüber hinaus werden digitale Dienste eine zentrale Rolle spielen, um die ökonomischen Folgen von Smart Cities zu minimieren, denn mit smarten Straßenlaternen, intelligentem Verkehrsmanagement und smarten Gebäuden sollen der Energieverbrauch und der Emissionsausstoß erheblich gesenkt werden. Das wird nicht nur ein großer Schritt nach vorne sein, um die Auswirkungen der Verstädterung auf die Umwelt zu verringern, sondern auch um die Lebensqualität der Bewohner zu steigern. Das wiederum lockt Besserverdiener und mit ihnen erfolgreiche Unternehmen an, die ebenfalls zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen.

Deshalb ist kostenloses öffentliches WLAN zur Voraussetzung für den Aufbau einer Smart City geworden, wenn Städte diese verschiedenen Ziele verfolgen ­möchten. WLAN ist enorm kosteneffizient und einfach zu implementieren, was es zu einem idealen Instrument für Stadtplaner und die Stadtverwaltungen macht, die ihren ROI maximieren möchten. Gleichzeitig vermeiden sie langwierige Infrastrukturumbauten, die wiederum weitere Verzögerungen nach sich ziehen könnten. Des Weiteren kann WLAN eine hohe Bandbreite liefern und eine nahezu universelle Unterstützung für mobile Geräte bieten.

Finanzierung

Während Städte miteinander um die Spitzenposition konkurrieren, die effektivsten Dienste und das robusteste WLAN anzubieten, sind Fragen zur Finanzierung der Implementierung offen: Es gibt zahlreiche Optionen, die von städtisch finanzierten über öffentlich-private Partnerschaften bis hin zu Betreiberleistungen reichen.

Generell hängt die Wahl des Modells von den Lösungsanforderungen ab. So ist beispielsweise das Betreibermodell, bei dem der Anbieter seine Investitionen durch Mittel wie Werbung wieder einspielt, wahrscheinlich eines der sehr kosteneffizienten Modelle. ­Allerdings kann dieses Modell einem Drittanbieter Rechte gewähren, was für die städtische Infrastruktur kritisch sein kann.

Auf der anderen Seite ist ein städtisch finanziertes Modell dann besonders geeignet, wenn die Stadtverwaltung sowohl kritische Dienste im Netzwerk betreiben und zeitgleich öffentlichen Internet­zugang anbieten möchte. Dies erfordert Investitionen in das Management und die Wartung des Netzwerks, was wiederum mit hohen Kosten verbunden ist.

Zwischen dem städtisch finanzierten Modell und einem Betreibermodell befinden sich die öffentlich-privaten Partnerschaften: Sie vereinen Elemente beider Modelle und sind bei Smart-City-Projekten immer häufiger verbreitet.

Stadt und Bürger ­miteinander verbinden

Der vorrangige Grund, stadtweite WLAN-Netzwerke zu implementieren ist, Menschen – egal ob Bewohner oder Besucher – mit der Stadt und ihren Services zu verbinden. Während viele heutzutage einen Internetzugang als selbstverständlich ansehen, haben noch immer vier Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zum Internet. Mit der zunehmenden Digitalisierung öffentlicher und privater Dienste sorgen Städte, die den Internetzugang öffentlich anbieten, dafür, dass niemand an ­fehlender Konnektivität leidet und ermöglichen damit Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Über das Internet hinaus

Zudem wird auch die Tourismusbranche durch öffentliches WLAN angekurbelt. Touristen erwarten heutzutage jederzeit und überall verbunden zu sein. Beispielsweise möchten sie im Web nach lokalen Tipps suchen oder das beste Restaurant ausfindig machen. Der ­große Vorteil eines stadtweiten WLAN-Netzwerks besteht darin, dass es die Grundlage für eine Vielzahl von Anwendungen bietet und künftige Entwicklungen berücksichtigen kann. Zunächst einmal können die in Access Points integrierten Standort-Services Stadtplaner mit Frequenzanalysen versorgen, die ihnen Einsichten bieten, mit denen sie öffentliche Ressourcen effektiver bereitstellen können.

So kann beispielsweise besser abgeschätzt werden, wo Kontrollen durchgeführt werden sollen oder sogar Entscheidungen zur Stadtplanung und -entwicklung können leichter getroffen werden.

Viele der innovativeren Smart-­City-Implementierungen setzen zunehmend auf das Internet of Things (IoT). Verschiedene Initiativen basieren auf Sensoren, die über diverse Funkstandards kommunizieren, sei es ZigBee, Bluetooth Low Energy (BLE), LoRa oder andere.

Der Autor: Michael Frey
Der Autor: Michael Frey (© Ruckus)

Die Herausforderung daran ist, dass jeder neue Kommunikationsstandard eine weitere Komplexitätsstufe darstellt, was wiederum die Anfälligkeit für Hacker-Angriffe erhöht. Die Studie von Ruckus Networks beleuchtet genau diese Bedenken: 58 Prozent der befragten deutschen IT-Entscheider ­sehen Cyber-Sicherheit als Hindernis für die Umsetzung von Smart-City-Initiativen. Um diese Sicherheitsrisiken zu beseitigen und die bestehende WLAN-Infrastruktur zu nutzen, können Städte ein IoT-Zugangsnetz schaffen, das mehrere Netzwerke zu einem einzigen, einfach zu bedienenden und zu verwaltenden, konvergierten Netzwerk vereint.

Fazit

Für diejenigen, die daran arbeiten, bessere Services, eine höhere Lebensqualität und Chancen für die Bewohner zu schaffen, sind Smart Cities ein entscheidender Faktor. Die Implementierung eines stadtweiten WLAN-Netzwerks ist ein erster Schritt, um dieses Vorhaben zu verwirklichen.

Die wirtschaftliche Rentabilität und die Vorteile für die Bürger sind offensichtlich, nun müssen sie nur noch zur technologischen Realität werden. Mit fortschrittlicher Technologie in den Bereichen intelligente Beleuchtung, Verkehrs- und Parksysteme sowie öffentliche ­Sicherheit und vielen mehr sind die Möglichkeiten grenzenlos.

*Der Autor: Michael Frey, Regional Sales Director CEE/CIS/RUSSIA Ruckus Networks.

Ruckus Networks hat diverse Smart-City-Projekte durchgeführt, unter anderem in Kiel im Rahmen der „Kieler Woche“.

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