Smart City

Stadtplanung könnte von autonomen Fahrzeugen überrollt werden

| Autor: Ira Zahorsky

Stellen sich die Städte rechtzeitig mit durchdachten Konzepten auf vernetzte und autonome Fahrzeuge ein, können sie von den Vorteilen profitieren.
Stellen sich die Städte rechtzeitig mit durchdachten Konzepten auf vernetzte und autonome Fahrzeuge ein, können sie von den Vorteilen profitieren. (© xb100 - stock.adobe.com)

Der Siemens-Report „Cities in the Driving Seat“ fordert die Städte dazu auf, sich rechtzeitig mit intelligenten Verkehrsinfrastrukturen auf die bevorstehenden Veränderungen durch vernetzte und autonome Fahrzeuge einzustellen.

Städte sollten frühzeitig beginnen, sich mit der Transformation der Mobilität durch autonome Fahrzeuge zu beschäftigen, so der Konsens des Siemens-Reports „Cities in the Driving Seat“. Die Studie untersucht die Abhängigkeiten zwischen Stadtentwicklung, Nahverkehrskonzepten, Energieversorgung, Umweltverschmutzung und dem steigenden Anteil autonomer Fahrzeuge im Stadtverkehr. Fehlende mittelfristige Planung und verschobene Investitionen in die Infrastruktur können sich demnach negativ auf Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt auswirken.

„Autonome Fahrzeuge müssen Teil einer breiter angelegten Transformation von Ballungsräumen sein. Die Städte müssen dafür sorgen, dass sie die Menschen wieder an die erste Stelle setzen – und nicht die Autos. Sonst laufen wir Gefahr, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Vernetzte, autonome Fahrzeuge werden das Stadtbild der Zukunft verändern. Sie können die künftige Entwicklung in den Bereichen Klimawandel, Luftqualität und Gesundheitswesen mitgestalten“, sagt Pete Daw, Urban Development and Environment Director, Siemens Global Center of Competence Cities.

Vorteile und Chancen

Die Studie zeigt Vorteile und Risiken auf, die autonome Fahrzeuge mit sich bringen. Es wurden verschiedene Szenarien für den Einsatz autonomer Fahrzeuge untersucht, die zeigen, wie sich die Ergebnisse je nach ihrer Umsetzung erheblich unterscheiden können.

  • Als Verkehrsmittel für die letzte Meile stärken sie den Personennahverkehr.
  • Sie sorgen für weniger Lärm, Luftverschmutzung und Treibhausgasemissionen und zudem für
  • weniger Verletzte und Verkehrstote: jährlich sterben weltweit 1,25 Millionen Menschen im Straßenverkehr, wobei etwa 90 Prozent der Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen sind.
  • Es gibt mehr Mobilitätsoptionen für junge, ältere, behinderte und ausgegrenzte Menschen.
  • Derzeit für Parkplätze und Straßen genutzte Flächen könnten für Grünflächen, den Bau von Wohnungen, Schulen, Radwegen usw. freigegeben werden.
  • Die Vernetzung und Kommunikation der Fahrzeuge mit der städtischen Infrastruktur steigern Effizienz und Sicherheit.

Ohne klare und durchdachte Richtlinien und Vorschriften könnte die Einführung autonomer Fahrzeuge negative Folgen haben:

  • Verstärkung der Auswirkungen des Klimawandels, wenn die autonomen Fahrzeuge nicht CO2-arm oder -frei sind.
  • Kein Rückgang der Fahrzeugzahlen, wenn die Menschen bei autonomen Fahrzeugen weiterhin auf Eigentum setzen statt auf ein Sharing-System.
  • Nicht genutzte autonome Fahrzeuge können Staus verursachen und unnötigen Parkraum beanspruchen.
  • Mehr mit Kraftfahrzeugen zurückgelegte Kilometer, wenn die Menschen nicht mehr zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln pendeln, sondern autonome Fahrzeuge nutzen.

Für maximale Vorteile der Automatisierung und der Einführung von autonomen Fahrzeugen empfiehlt der Report, die Fortschritte aller vier Transformationen gleichzeitig zu nutzen: Automatisierung, Elektrifizierung, digitale Konnektivität und Shared Mobility. Nutzt man nur Teile dieser vier Transformationsfelder, könne das zu negativen Ergebnissen führen oder den potenziellen Nutzen mindern.

Die Siemens-Studie „Cities in the Driving Seat“ kann nach einer Registrierung kostenfrei heruntergeladen werden.

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