Datacenter-Dienste per Satellit

Spacebelt: Das erste weltumspannende Datenspeichernetz im Weltraum

| Autor / Redakteur: Otto Geißler / Ulrike Ostler

Der SpaceBelt-Datensicherheitsdienst (DSaaS) der Cloud Constellation Corporation ist ein Weltraum-gestützter, global verwalteter Netzwerk- und Cloud-Datenspeicherdienst.
Der SpaceBelt-Datensicherheitsdienst (DSaaS) der Cloud Constellation Corporation ist ein Weltraum-gestützter, global verwalteter Netzwerk- und Cloud-Datenspeicherdienst. (Bild: gemeinfrei: 12019 - pixabay / CC0)

Sind Satelliten im All als Datacenter in der Lage, eine nicht kompromittierbare Datenlösung mit robuster Leistung und gleichzeitig hohem Durchsatz zu bieten? Die Macher hinter Spacebelt sind davon felsenfest überzeugt. Willkommen in der Zukunft!

Eine 100-prozentige Sicherheit für Datacenter und vernetzte Systeme kann heute nicht mehr gewährt werden. Ransomware-Exploits (Ausbeutung aus Lösegeld-Software) sowie Diebstahl von Terabytes an Datenmaterial sind Teil einer pandemischen Cyber-Sicherheitskrise, die jede Organisation, die auf terrestrische Netzwerke angewiesen ist, um Daten zu speichern und zu transportieren, herausfordert.

Mehr Sicherheit im All

Das Startup Constellation Corporation aus Los Angeles präsentiert mit Spacebelt einen neuen Weg, um diese Probleme auf eine einfache Art und Weise zu lösen: Warum nicht alle Daten in den Weltraum schießen?

Ein globales All-in-One-Cloud-Netzwerk, schützt besonders sensible Daten und bietet so eine hohe Performance bei gleichzeitig großen Einsparungen im Bereich der Infrastruktur. Das ist darauf zurückzuführen, dass Spacebelt traditionelle terrestrische „Hops“ durch einen Datentransport über eine Hochgeschwindigkeits-Kommunikationsplattform im Weltraum vermeidet. Denn Spacebelt ist als eine Ende-zu-Ende-Verbindung (E2E) im Einsatz, die mit keinem anderen Netzwerk in Verbindung steht.

Da auch viele Unternehmen aus dem Medien- und Unterhaltungsbereich von den Cyber-Attacken bedroht werden, eignet sich das Angebot vor allem für Fernseh- und Filmstudios, Produktionsfirmen und Distributoren. Damit ist die Übertragung und Speicherung von geistigem Eigentum wie zum Beispiel Filme, Fernsehprogramme, Live-Events oder andere Inhalte, die direkt ins Kino gestreamt werden, gemeint.

Das Interesse ist schon da

„Exploits wie die Lösegeldforderung an HBO, Disney und Netflix zeigen die wachsende Unsicherheit, die das Internet hervorbringt“, erläutert Cliff Beek, Präsident von Cloud Constellation. „Medien- und Unterhaltungsorganisationen werden mit Spacebelt die Liefergeschwindigkeit und -sicherheit erhöhen und sicherstellen, dass geistiges Eigentum bei jedem Schritt geschützt bleibt.“

Weitere Nutzer könnten aus dem Finanzbereich (zum Beispiel Netzwerke für das SWIFT-System), den großen potenziellen Märkten für eine Blockchain-Verwaltung sowie die nationale Verteidigung und Infrastruktur sein, zum Beispiel wenn das Stromnetz durch Hacker heruntergefahren wird.

Wie funktioniert Spacebelt?

Cloud Constellation und der Partner Virgin Orbit mit dem Launcher One-Programm plant für das Jahr 2021, zwölf seiner Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit - LEO) zu bringen. „Das gesamte Spacebelt-System kann als eine große Festplatte oder ein großes Rechenzentrum angesehen werden“, führt Scott Sobani aus, CEO und Mitbegründer der Cloud Constellation Corporation. „Oder man könnte es auch als viele kleine Datacenter ansehen, die alle miteinander verbunden sind.“

Mittels Laser-Kommunikationsverbindungen werden die Daten zwischen den Satelliten gesendet. Eine der größten Herausforderungen war das RF-Konzept für die Latenz zwischen dem Spacebelt und der Erde, das durch eine zum Patent angemeldeten Technologie gelöst,worden sei, ohne die „Gesetze der Physik zu brechen“, so Sobhani. Per verschlüsseltem Uplink von einer Antenne auf dem Kundenstandort gehen die Daten direkt zu einem geostationären Satelliten.

SpaceBelt-Services sind ein Paradigmenwechsel in der Datensicherheit, der das Risiko einer Datenpanne erheblich verringert, indem eine globale Isolierung der Kundendaten von inhärent anfälligen erdgebundenen Netzwerken bereitgestellt wird.
SpaceBelt-Services sind ein Paradigmenwechsel in der Datensicherheit, der das Risiko einer Datenpanne erheblich verringert, indem eine globale Isolierung der Kundendaten von inhärent anfälligen erdgebundenen Netzwerken bereitgestellt wird. (Bild: gemeinfrei: PIRO 4D - pixabay / CC0)

Dies ist von Bedeutung, da für die Kommunikation mit einem geostationären Satelliten nur eine einfache feste Antenne benötigt wird, die auf den Satelliten gerichtet ist. Von dort werden die Daten in ein Netzwerk von Kommunikations-Satelliten und Speicher-Satelliten übertragen, die jeweils bis zu 8 Petabyte Daten speichern können. Dabei können die Satelliten wiederum miteinander über Laser - und nicht Radiowellen kommunizieren!

Laser sind eine sicherere Art der Kommunikation, weil ein Laserstrahl nicht so leicht korrumpierbar ist. Für die Speicherung der Daten stehen mehrere Satelliten zur Verfügung, so dass der Ausfall eines Speicher-Satelliten nicht zum Verlust von Daten führt.

Sicherheit in einer unsicheren Welt

Darüber hinaus können die Daten über verschlüsselte RF-Verbindungen in speziellen Wasabi-Rechenzentren auf der Erde gesichert oder auch archiviert werden. Eine Antenne auf dem Dach eines Wasabi-Rechenzentrums verbindet den Wasabi-Speicher direkt mit den Satelliten, ohne dass die Daten über ein terrestrisches Netzwerk übertragen werden müssen.

Auf diese Weise wird das Wasabi-Datacenter komplett von allen terrestrischen Netzwerken isoliert. Damit ist es für die Cloud Constellation Corporation vollständig Hacker-sicher. Eine solche Architektur bedeutet auch, dass die Daten nicht langfristig in dem teurem Satelliten-gestütztem Speicher verbleiben müssen.

Das geschieht, indem das sichere Spacebelt-Netzwerk die Daten in kostengünstige Wasabi-Speicher auf der Erde verschiebt – ohne jemals mit dem Internet oder mit einem anderen Boden-gestützten Netzwerk verbunden zu werden.

Nächster Schritt: Die Blockchain im Weltraum

Mit dem Spacebelt-Netzwerk sollen durch das Partnerunternehmen Spacechain Services ermöglicht werden, welche die globalen Datenspeicher- und Kommunikationsfunktionen von Spacebelt mit Anwendungen kombinieren, die auf dem Spacechain Open-Source- Betriebssystem „Spacechain OS“ basieren. Auf diese Weise werden die Vorteile einer Weltraum-basierten Cloud-Infrastruktur durch die Entwicklung dezentraler Blockchain-Anwendungen, verstärkt.

Das Spacechain-Betriebssystem, das im Weltraum gehostet wird, soll für jedermann überall auf der Welt verfügbar sein. Durch die bewährte Blockchain-Kryptographie bleibt es sicher, unveränderbar und unzensierbar.

Das Spacechain-Betriebssystem

Spacechain OS wird den Entwicklern zu diesem Zweck eine „Blockchain-Sandbox“ zur Verfügung stellen, um dezentrale Anwendungen zu entwickeln, zu testen und zu implementieren und vor allem Cyber-Schwachstellen durch terrestrische Netzwerke zu vermeiden. Zu den Services sollen auch Weltraum-basierende Krypto-Währungsbörsen sowie Zahlungsdienste gehören, auf die Unternehmen, Netzbetreiber und letztendlich mobile Endnutzer zugreifen können.

Dennis R. Gatens, Vice President für Channel Management und Marketing, Cloud Constellation Corporation, sagt: „Während sich die Krypto-Währungen und die Blockchain in der globalen Wirtschaft bereits etabliert haben, werden zusätzlich wichtige Infrastruktur-Elemente notwendig sein, um tatsächlich sichere Transaktionen und globale Konnektivität bereitzustellen. Die Schnittstelle der innovativen Visionen unserer Unternehmen wird die traditionellen Anwendungen für Satelliten in Weltraum-gestützte Cloud-Plattformen für den Handel verwandeln.“

Mit den Spacechain-Services entstehe durch die Anwendungsentwickler letztendlich ein robuster und sicherer Blockchain-basierter E-Commerce im Weltraum.

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