Verwaltung trifft Social Media

Soziale Netze – Hype oder Zukunft für eGovernment?

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Das Rückgrat von Government 2.0

Neben Transparenz und Partizipation ist die schnellere und effektivere Kooperation von Verwaltungen miteinander und mit Dritten ein entscheidender Baustein für ein neues eGovernment. Damit ist sowohl ein Austausch von Informationen gemeint, aber auch das „Crowdsourcing“ – das gemeinsame Schaffen von Inhalten oder Anwendungen durch Bürger und Dritte.

Eine effektive und schnelle Zusammenarbeit aller Beteiligten verbessert die Qualität und Geschwindigkeit der Erbringung öffentlicher Dienstleistungen.

Es gibt viele sehr gute Praxisbeispiele, in denen Web-2.0-Werkzeuge für eine bessere Zusammenarbeit eingesetzt werden. Viele beziehen sich auf die Erfassung und Verfügbarmachung von Wissen – etwa in Wikis oder Wissensdatenbanken, die von vielen Menschen gemeinsam gepflegt und permanent aktualisiert werden. Sie sind entweder verwaltungsintern (Staat Kanada, CIA) oder aber von Dritten initiiert und frei zugänglich für alle, wie etwa Stadtwikis. Ein deutsches Beispiel ist hier das Wiki von Karlsruhe (http://ka.stadtwiki.net ).

Die Transportation Security Agency der USA nutzt Twitter für die schnelle, interne Kommunikation mit verteilt stationierten Mitarbeitern. Die Stadt Boston nutzt Twitter, um gestohlene Fahrräder wiederzufinden, wogegen das FBI Twitter sogar zur Verbrecherjagd einsetzt.

Mit Web-2.0-Methoden können Verwaltungen jedoch auch gemeinsam mit oder vor allem durch Dritte schnell und kostengünstig Innovationen oder Anwendungen entwickeln. In England wurden mit der Website www.showusabetterway.com Ideen gesucht, prämiert und umgesetzt, die sinnvolle Online-Dienste auf Basis öffentlich verfügbarer Daten beschrieben. Zu den Favoriten gehörten einfache Angebote wie ein Geodaten-basierender Suchdienst für den nächsten Briefkasten oder die nächstgelegene öffentliche Toilette. In den USA baute man www.anationaldialogue.gov, um Ideen aus der IT-Industrie zu sammeln, mit denen man das Internetangebot für das Konjunkturprogramm verbessern kann. Ein bereits länger erfolgreiches Vorhaben ist das Peer-to-Patent-Projekt des Nationalen Patentamtes in den USA, bei dem Patentanträge veröffentlicht und weltweit kommentiert werden. Die so nach starker Beteiligung der Öffentlichkeit erteilten Patente haben eine deutlich höhere Qualität, der Bearbeitungszeitraum wurde stark verkürzt.

Es mangelt folglich nicht an guten, praxiserprobten Beispielen, alle erforderlichen Technologien sind vorhanden. Viele Web-2.0-Funktionalitäten lassen sich einfach mit Standardsoftware realisieren. Was in Deutschland jedoch noch fehlt, ist die Kenntnis darüber und die Vernetzung der verschiedenen Interessengruppen.

Noch sind Potenziale und Anbieter zu wenig bekannt, die Sprache von Verwaltung, Digital Natives und Social Media Experts zu verschieden. Um dies zu verändern, findet am 28. August in Berlin das erste Government 2.0 Camp statt, das in einem innovativen und beteiligungsorientierten Veranstaltungsformat an diesen Bedürfnissen ansetzt. Auf dieser „Un-Konferenz“ werden herausragende Beispiele aus dem In- und Ausland vorgestellt und diskutiert, werden sich Bürgerinnen und Bürger, Vertreter aus Nichtregierungsorganisationen, wissenschaftlichen Institutionen, Stiftungen, Verwaltungen aus Bund, Ländern und Kommunen sowie Anbieter und Fachexperten zum Thema Web 2.0 in der Verwaltungsarbeit austauschen und miteinander vernetzen. So plant unter anderem das Bundesinnenministerium, den Entwurf für die nationale eGovernment-Strategie dort vorzustellen. Interessierte finden Informationen und Anmeldungsmöglichkeiten dazu auf www.gov20.de. Neuigkeiten werden auch über Twitter (@Gov20CampB) veröffentlicht.

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