Verwaltung trifft Social Media

Soziale Netze – Hype oder Zukunft für eGovernment?

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Kommunikation zwischen Staat und Bürger

Die Wandlung des Internet zu einem Netz des interaktiven Dialogs wird auch wesentlich von den Bedürfnissen und Verhaltensweisen der „Digital Natives“ getrieben – der Generation, die bereits mit dem Internet aufgewachsen ist. Die heute 20- bis 30-Jährigen verbringen im Durchschnitt 12 Stunden mit Kommunikation über das Internet – vorzugsweise in den mit Web 2.0 beschriebenen Anwendungen. So wie sie privat lebt und lernt, so möchte diese Generation auch arbeiten. Sie wird bei ihrem Arbeitseintritt diese Technologien mitbringen und einfordern – auch in der Verwaltung.

Nachdem Präsident Obama mit seinen Mitarbeitern in das Weiße Haus einzog, trafen dort zwei Kulturen aufeinander. Das Team, das im Wahlkampf massiv die Potenziale des Web 2.0 ausgeschöpft hatte, wollte genauso weiterarbeiten, fand sich aber in einer Arbeitsumgebung, die technisch und organisatorisch nicht darauf eingestellt war. Im Ergebnis wurden Technik und Organisation angepasst – nicht umgekehrt.

All diese Treiber – die Verbreitung von Web-2.0-Methoden in der normalen Nutzung des Internets, die Erwartungen der jungen digitalen Generation und der Wandel hin zu einer Wissensgesellschaft – führen zu einem steigenden Bedürfnis nach einem eGovernment 2.0, das die Prinzipien des Web 2.0 in die elektronischen Geschäfts- und Kommunikationsbeziehungen zwischen Staat und Bürgern einbettet und damit zu mehr Transparenz, Bürgerbeteiligung und Zusammenarbeit führt.

Transparenz im Government 2.0 bezieht sich auf zwei Aspekte: die Bereitstellung öffentlicher Daten in Roh- und Rich-Formaten und die Bekanntgabe von öffentlichen Entscheidungen, ihrer Entstehung und ihren Auswirkungen. Transparenz führt zu mehr Verantwortung für getroffene Entscheidungen.

So stellt die US Bundesregierung öffentliche Daten auf www.data.gov in verschiedenen Formaten bereit. Nutzer können die Relevanz dieser Daten auch bewerten. Auf dem US Portal zum US Konjunkturpaket (www.recovery.gov) können Bürger auf interaktiven Karten sehen, wo, für welchen Zweck und an welche Empfänger Gelder investiert worden sind, aber auch was die Konjunktureffekte dieser Investitionen sind.

Das Herz von Government 2.0

Partizipation im Government 2.0 kann sehr unterschiedliche Aspekte beschreiben: Bürgerbeteiligung zur Meinungsbildung (etwa ePetitionen, Online-Befragungen, Diskussionsforen) oder zur Entscheidungsfindung (Online-Abstimmungen), die Mobilisierung von Bürgern für gesellschaftlich bedeutende oder politische Maßnahmen und Ziele sowie die Bürgerbeteiligung zur Verbesserung von Bürgerdiensten.

Der Vorteil für die politische Elite liegt auf der Hand: schneller und einfacher ein umfassenderes Bild darüber zu erhalten, was Bürgerinnen und Bürgern wirklich auf den Nägeln brennt und breite Bevölkerungsgruppen für gesellschaftspolitisch wichtige Ziele zu mobilisieren. Mehr Kenntnis über die Prioritäten der Bürger und ihre Beteiligung an der politischen Willensbildung ermöglicht außerdem einen zielgerichteteren Einsatz von Steuermitteln und führt zu mehr Akzeptanz und Zufriedenheit mit den politischen Entscheidungen.

Über www.epetitionen.bundestag.de etwa führten erfolgreiche Onlinepetitionen (zuletzt für ein Grundeinkommen und gegen das Internetsperrgesetz) mehrfach zu Befassungen im Bundestag. Auf www.direktzurkanzlerin.de stellen Bürger Fragen an die Kanzlerin und bewerten sie gegenseitig. Jede Woche wird aus dem Büro der Kanzlerin die Top-Frage beantwortet und veröffentlicht. US-Präsident Obama nutzte mehrfach Online-Bürgerversammlungen (Online Townhalls), um Fragen der Bürger zu sammeln und zu beantworten. Bei der ersten haben fast 100.000 Menschen mehr als 100.000 Fragen gestellt und zu diesen fast 2 Millionen Stimmen abgegeben (www.whitehouse.gov/openforquestions).

In Hamburg sind die Bürger sogar zur Beteiligung an der Haushaltsplanung aufgefordert (www.buergerhaushalt-hamburg.de). Analog führte der Bürgermeister der Stadt Los Angeles eine Online-Befragung durch, um zu erfahren, an welchen Stellen Bürger, die durch Steuerausfälle notwendig gewordenen Haushaltskürzungen am ehesten tolerieren würden. Umgekehrt hat der US-Bundesstaat Virginia seine Bürger online befragt, in welchen Bereichen sie Investitionen aus Mitteln des US-Konjunkturpaketes wünschen.

Ein hervorragendes Beispiel, wie die Nationale Gesundheitsbehörde der USA alle Potenziale des viralen Marketing ausschöpft, um breite Bevölkerungsschichten mit Fakten und Ratschlägen zur Schweinegrippe vertraut zu machen und damit deren Ausbreitung zu bekämpfen, findet sich auf www.cdc.gov/socialmedia. Die Palette reicht vom Grippe-IQ-Testspiel über Virenfotos auf Flickr, YouTube-Filmen zur richtigen Prävention bis hin zu News über Twitter und in Blogs sowie Profilen auf Facebook.

Um ihren Bürgern einen umfassenderen Service zu bieten, hat die Stadt San Francisco zusätzlich zur Bürgerservicehotline 311 (analog dem Bürgertelefon 115 in Deutschland) einen Twitteraccount (www.twitter.com/sf311) eingerichtet, über den Fragen von Bürgern beantwortet werden.

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