Small Data im großen Stil

Software-Tools machen Politik messbar

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Bislang wurden die Ergebnisse von Maßnahmen mithilfe wissenschaftlicher Untersuchungen gemessen. Diese sind zwar fundiert, ermöglichen allerdings weder Echtzeit-Auswertungen noch in die Zukunft gerichtete Vorhersagen. Seitdem in zahlreichen eGovernment-Anwendungen elektronisch Daten strukturiert erhoben werden, können politische Instrumente mithilfe von analytischen Werkzeugen und Mustererkennungen auf ihre Effizienz hin bewertet werden. Banken nutzen ein solches Verfahren – das sogenannte Scoring – seit geraumer Zeit bei der Kreditvergabe.

Auf dieselbe Weise kann die EU mithilfe von Government Analytics Subventionsbetrug bekämpfen. Hierfür gilt es, das Wissen von Betrugsexperten in Modelle zu gießen, in IT-Systeme zu implementieren und diese Prozesse zu automatisieren. Voraussetzung für solche Auswertungen ist eine saubere Datenbasis. Im internationalen Vergleich hat Deutschland hier einen großen Nachholbedarf, denn Government Analytics ist in vielen Bereichen noch Neuland.

Der größte Antrieb ist der Effizienzdruck, unter dem die Öffentliche Verwaltung steht. Denn trotz leerer Staatskassen steigen die Anforderungen. Die meisten Fördertöpfe sind gedeckelt, zum Beispiel zur Rehabilitation von chronisch Kranken und Unfallopfern.

Durch den demografischen Wandel nimmt die Anzahl der Rehabilitanden aber in einem höheren Maße als das zur Verfügung stehende Budget zu. Dadurch steigt der Druck, zu überprüfen, ob das Geld sinnvoll investiert wird.

Ethik im Blick behalten

Eine der höchsten Hürden für die Verbreitung von Government Analytics ist die Definition ethischer Grenzen. Denn bei der Bewertung sozialpolitischer Maßnahmen ist ein hohes Maß an Sensibilität gefragt. Es ist zwar technisch und rechtlich möglich, Daten zusammenzuführen, um etwa den Erfolg einer Rehabilitationsmaßnahme vorherzusagen. Aber gerade hier stellt sich die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit.

Darüber hinaus sind auch datenschutzrechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Daher müssen Datenschutzbeauftragte administrativ und rechtlich genau definieren, welche Daten wofür zu erheben sind und dass personenbezogene Daten definitiv nur anonymisiert ausgewertet werden dürfen.

Werden diese Barrieren abgebaut, hat Government Analytics das Potenzial, einen Paradigmenwechsel im öffentlichen Sektor zu einzuleiten. Denn abstrakt ausgedrückt, lassen sich mithilfe von analytischen Werkzeugen und Mustererkennungen auf Datenbasis politische Instrumente hinsichtlich ihrer Effizienz bewerten.

Das führt dazu, dass Entscheidungen nicht mehr aus dem Bauch heraus, sondern auf Faktenbasis getroffen werden, was als Evidence-based Decision Making bezeichnet wird. Auf der Mikroebene können sogar prädiktive Aussagen über den Erfolg von Maßnahmen im Einzelfall getroffen werden, die prognostizieren, welche Instrumente für welchen Langzeitarbeitslosen den größten Erfolg versprechen.

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