Small Data im großen Stil

Software-Tools machen Politik messbar

| Autor / Redakteur: Maciej Dabrowski, Steria Mummert Consulting / Manfred Klein

(Foto: Kenishirotie - Fotolia.com)

Die Einführung von Government Analytics stellt einen Paradigmenwechsel im öffentlichen Sektor dar: Auf der Basis der durch eGovernment erhobenen Daten ist es jetzt möglich, die Effizienz politischer Maßnahmen zu messen und zu optimieren. Ziel ist es, administrative Prozesse transparenter zu machen und Bürokratie abzubauen.

Damit hält in der Politik Einzug, was unter den Schlagworten Big Data und Business Analytics in der Wirtschaft längst gang und gäbe ist. Denn die erforderlichen Analysetechnologien sind seit geraumer Zeit verfügbar. Die Vergabe von Fördergeldern ist ein besonders wichtiges und vielversprechendes Anwendungsfeld.

Damit sich Government Analytics allerdings in der öffentlichen Landschaft in Deutschland etabliert, müssen auf Seiten der Politik einige Hürden überwunden werden – allen voran die Zurückhaltung vor Maßnahmen, die zu mehr Transparenz führen.

Unternehmen setzen Echtzeit-Datenanalysen ein, um die Effizienz ihrer Geschäftsprozesse zu messen. Aus den Ergebnissen solcher Business-Analytics-Anwendungen können Entscheider innerhalb kürzester Zeit Maßnahmen ableiten, die Abläufe optimieren und so letzten Endes zu einer höheren Wettbewerbsfähigkeit und mehr Gewinnen beitragen.

eGovernment macht‘s möglich

Die Prozesse der Öffentlichen Verwaltung und politische Maßnahmen wie Konjunkturpakete unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten, ist allerdings ein Novum, das durch die zunehmende Verbreitung von eGovernment möglich wird. Denn durch eGovernment entsteht seit einigen Jahren eine strukturierte elektronische Datenbasis, auf der Government Analytics aufsetzen kann.

Unternehmen, die das Prinzip Business Analytics zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell ausgebaut haben, sind beispielsweise die Big Player des Internets wie Amazon. Durch Daten, die bei einer Vielzahl von Einkäufen erhoben werden, weiß Amazon automatisch, dass Kunden, die eine Waschmaschine kaufen, auch einen Wäscheständer und einen Wäschekorb benötigen. Dahinter stecken Modelle und Methoden, die genauso gut im öffentlichen Bereich genutzt werden können. Etwa, um aus bestimmten Konstellationen auf eine potenzielle Kindeswohlgefährdung zu schließen.

Prognosen zum Erfolg politischer Instrumente

Eines der vielversprechendsten und – da es um enorme Summen geht – gleichzeitig brisantesten Anwendungsfelder für Government Analytics ist die Vergabe von Fördergeldern. Die EU unterstützt finanziell bereits seit Jahrzehnten mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) Maßnahmen, um Jugendliche aus prekären sozialen Verhältnissen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Seit einiger Zeit verlangt die EU-Kommission dafür eine ergebnisorientierte Durchführung. eCohesion – der digitale Förderprozess – kombiniert eGovernment mit Government Analytics. Hierfür werden Daten aus einer Vielzahl von Projekten betrachtet – von Unternehmen, die schwer integrierbare Jugendliche ausbilden, über öffentliche Stellen, die Projekte an Schulen durchführen, bis hin zu Einzelpersonen, die finanzielle Mittel für eine Weiterbildung beantragen.

Für jeden Einzelfall kann eine Bewertung vorgenommen werden. Aggregiert man die Daten von Tausenden von Projekten, kann man eine fundierte Aussage darüber treffen, ob eine Maßnahme tatsächlich das bezweckte Ziel erreichen wird oder ob die Fördergelder an anderer Stelle besser eingesetzt wären.

Werden diese Big-Data-Analysen mit hochleistungsfähigen In-Memory-Datenbanken in Echtzeit durchgeführt, erlauben sie nicht nur eine Aussage über den Status quo, sondern auch Prognosen über das voraussichtliche Ergebnis. Zum Beispiel darüber, ob der Einsatz der Gelder tatsächlich dazu führt, dass mehr Jugendliche aus sozial schwierigen Verhältnissen einen Schulabschluss machen oder dass Förderung mehr Betriebe vor der Insolvenz rettet.

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